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Schlecht geschlafen?: Eine halbe Stunde Nickerchen hilft!

Ihre Nachtruhe dauerte nur zwei Stunden? Sie fühlen sich schlapp? Dann haben französische Forscher einen Tipp: Machen Sie ein Nickerchen - und ihr Körper ist wieder im Lot.

Schlecht geschlafen? Dann gönnen Sie sich ein 30-Minuten-Nickerchen.

Schlecht geschlafen? Dann gönnen Sie sich ein 30-Minuten-Nickerchen.

Wer schlecht geschlafen hat, kennt das: Den ganzen nächsten Tag fühlt man sich noch angeschlagen und ausgelaugt. Man kann sich nur schlecht konzentrieren, die Arbeit geht einem deutlich langsamer von der Hand, Fehler nehmen zu. Französische Forscher wissen da Abhilfe: Sie empfehlen tagsüber ein kurzes Nickerchen, damit der Körper sich von der schlaflosen Nacht erholen kann. "Unsere Daten legen nahe, dass ein 30-minütiger Schlaf die hormonellen Folgen einer Nacht mit schlechtem Schlaf wieder umkehren kann", sagt Schlafforscher Brice Faraut von der Paris Descartes Universität.

Schlaflosigkeit - vor allem eine lang anhaltende - ist für die Gesundheit tatsächlich ein Problem: Sie schwächt das Immunsystem und setzt den Körper unter Stress. Wer dauerhaft schlecht schläft, neigt eher dazu, Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Depressionen oder Übergewicht zu entwickeln. Doch lassen sich die körperlichen Folgen einer durchwachten Nacht abmildern?

Ein Nickerchen ist gut fürs Immunsystem

Dieser Frage gingen die Forscher in ihrer Untersuchung nach, die sie in zwei Sitzungen aufteilten: In der ersten ließen sie elf gesunde Männer im Alter zwischen 25 und 32 Jahren in einem Schlaflabor - und damit streng überwacht - nur zwei Stunden in der Nacht schlafen. Am Tag mussten sie wach bleiben. In der zweiten Sitzung durften die Männer ebenfalls nur zwei Stunden in der Nacht schlafen. Allerdings war ihnen dann am darauffolgenden Tag vergönnt, zweimal ein Nickerchen von einer halben Stunde zu halten. Bei beiden Sitzungen liefen die Nächte vor und nach der schlauchenden Zwei-Stunden-Nacht gleich ab: In der ersten Nacht durften die Studienteilnehmer genau acht Stunden schlafen, in der dritten Nacht, solange sie wollten.

Um zu untersuchen, wie sich die erzwungene Schlaflosigkeit auf den Körper auswirkte, nahmen die Forscher den Probanden Blut und Speichel ab. Tatsächlich war das Stresshormon Noradrenalin um das Zweieinhalbfache angestiegen. Noradrenalin lässt das Herz schneller schlagen und treibt den Blutdruck sowie den Blutzucker in die Höhe. Auch die Konzentration von Interleukin-6, einem Protein, das bei Entzündungsreaktionen im Körper eine Rolle spielt, war im Speichel verändert. Schliefen die Männer tagsüber 30 Minuten, normalisierten sich die Werte von Noradrenalin und Interleukin-6 wieder. Ein Nickerchen wirke sich positiv aufs Immunsystem aus und mindere den Stress, folgern die Forscher.

Tagsüber kurz zu schlafen könne sinnvoll sein, um die schädlichen Effekte von Schlaflosigkeit auszugleichen, schreiben Faraut und sein Team. Vor allem Menschen mit chronischem Schlafmangel wie Nacht- oder Schichtarbeiter könnten von den Erkenntnissen profitieren. Doch auch wer nur einmal zu wenig geschlafen hat, sollte sich seiner Gesundheit zuliebe ebenfalls ein Nickerchen am nächsten Tag gönnen: Wenn die Konzentration wieder besser und die Arbeit zügig erledigt ist, dürften die 30 Minuten auch schnell wieder reingeholt sein.

Lea Wolz
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