Sehkraft Scharfer Durchblick


Mit dem Alter lässt die Sehkraft nach und Augenkrankheiten drohen. Regelmäßige ärztliche Untersuchungen helfen, Alterssichtigkeit und Erkrankungen früh zu erkennen - und erfolgreich zu behandeln.
Von Andrea Lepperhoff

Wie verändert sich das Sehen im Laufe des Lebens?

Ab dem 40. Lebensjahr verweigern sich die Augen zunehmend dem Kleingedruckten, weil das Autofokussystem des Auges ermüdet: der Ziliarmuskel. Er umschließt die Linse ringförmig. Wenn wir in die Ferne blicken, ist er entspannt. Fokussieren wir zum Beispiel von einem Berg auf Buchstaben direkt vor unseren Augen, zieht er sich zusammen und stellt wie der Zoom-Motor einer Kamera auf den Nahbereich ein. Bei Kleinkindern ist die Elastizität der Linse so ausgeprägt, dass sie Gegenstände in fünf Zentimeter Abstand bestens erkennen.

40-Jährige vermögen das noch auf 17 Zentimeter Entfernung. Mit etwa 45 Jahren ist der Punkt des nächsten Sehens auf über 30 Zentimeter weggerückt - und eine Lesebrille fällig. Auch Qualität und Menge der Tränenflüssigkeit, die das Auge säubert und desinfiziert, lassen mit zunehmendem Alter nach. Zu spüren bekommen das vor allem Menschen, die beruflich ständig auf Buchstaben und Bildschirme starren. Denn sie blinzeln dabei weniger, sodass die Lidschläge das Auge seltener mit dem Feuchthaltenass benetzen.

Lässt sich die Augenmuskulatur trainieren?

Im Internet versprechen Hunderte von Seminarveranstaltern Fehlsichtigkeit durch Augengymnastik zu korrigieren. Untersuchungen haben nachgewiesen, dass ein Sehtraining weder Kurzsichtigkeit noch Altersweitsicht reduziert. Es zeigte sich zwar, dass Augen-Work-outs kurzfristig die Sehkraft verbessern. Wissenschaftler führen den Erfolg jedoch darauf zurück, dass die Gymnastik die kognitive Fähigkeit schult, unscharfe Buchstaben besser zu erraten.

Können wir die Augen durch vitaminreiches Essen unterstützen?

Eine ausgewogene Ernährung beugt Mängeln vor. Die Augen benötigen eine Reihe von Stoffen, die der Körper selbst nicht herstellen kann. Vitamin C und E wirken antioxidativ und verhindern Zellschäden. Die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin helfen, schädliches Blaulicht aus dem Spektrum der Sonnenstrahlen zu filtern. Ein Mangel an Vitamin A führt zu trockenem Auge und Nachtblindheit.

Hat die Lebensführung Einfluss auf die Sehkraft?

Nikotin verschlechtert die Durchblutung, Blausäure im Rauch schädigt den Sehnerv. Alkoholexzesse schaden den Augen ebenso wie Vitamin-B-Mangel, der bei Alkohol- und Nikotinkonsum noch ansteigt. Der graue Star wird durch Diabetes begünstigt - und durch Sonnenstrahlung. Besonders gefährdet sind Menschen, die im Gebirge leben, denn dort ist die Sonnenstrahlung hochintensiv.

Das Risiko einer Makula-Degeneration, bei der die Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut allmählich zerstört wird, steigt durch die Menge des einstrahlenden UV- und kurzwelligen Blaulichts der Sonne. Unter dieser Alterserkrankung, die ab dem 60. Lebensjahr auftreten und zur Erblindung führen kann, leiden bereits mehr als drei Millionen Deutsche. Gute Brillengläser - nicht nur die von Sonnenbrillen - schützen vor den gefährlichen Lichtbestandteilen.

Was zeichnet gute Sonnenbrillen aus?

Im Gebirge sollten die Gläser mindestens 85 Prozent des UV-Lichts absorbieren, in tieferen Lagen und am Strand reichen 75 Prozent aus. Auf guten Brillen steht "UV 400", ihre Gläser absorbieren UV-Licht zu 100 Prozent. Das auf den Bügeln aufgedruckte CE-Kennzeichen und die Aufschrift EN 1836:1997 sind Kürzel, die einer europäischen Norm entsprechen und UV-Sicherheit garantieren. Zudem versichern die Hersteller durch das CE-Symbol, dass das Gestell frei von Nickel ist.

Brauchen Kontaktlinsenträger einen zusätzlichen Sonnenschutz?

Ja, denn Haftschalen mit Lichtschutz haben sich nicht bewährt.

Welche Brille brauchen wir bei nachlassender Sehschärfe?

Ideal ist eine Gleitsichtbrille, die im oberen Teil Fernsicht und unten Nahsicht ermöglicht. Dazwischen befindet sich ein stufenloser Übergangsbereich, der Progressionskanal, in dem die optische Wirkung von oben nach unten ansteigt

Reicht eine Fertigbrille?

Eine vom Augenoptiker individuell angepasste Gleitsicht- oder Lesebrille verhindert Kopfschmerzen. Eine Fertigbrille passt sowohl in der Glasstärke als auch in der Zentrierung der Gläser nie genau und ist höchstens ein Notbehelf.

Gibt es auch Kontaktlinsen mit Nah- und Fernteil?

Ja. Sie sollten so vor dem Auge sitzen, dass es geradeaus durch das Fernteil schaut. Beim Blick nach unten, zum Beispiel auf die Zeitung, setzt sich die Kontaktlinse konstruktionsbedingt auf den Lidrand. Dann wird das Nahteil durch das Unterlid nach oben geschoben.

Bei Monovisionslinsen wird ein Auge per Kontaktlinse auf Fernsicht scharf gestellt, das andere auf Nähe. Ist dieses System empfehlenswert?

Ja. Das Verfahren hört sich zwar abenteuerlich an, funktioniert aber. Das Gehirn lernt schnell, welches Auge gerade scharf sieht, und schaltet beim Wechsel von fern auf nah automatisch vom einen Auge auf das andere.

Ist eine Lesebrille für Computerarbeit geeignet?

Solange die Gläserstärke plus 1,25 Diop­trien nicht übersteigt, ist eine Lesebrille am Computer zu empfehlen. Menschen ab 50 Jahren sollten sich aber eine spezielle Bildschirmbrille leisten. Sie stellt im mittleren Teil auf den Monitor scharf und im unteren Teil auf Tastatur und Leseentfernung. Für die Anpassung der Spezialgläser braucht der Augenoptiker die Maße des Bildschirmarbeitsplatzes.

Sehen Kurzsichtige schärfer, wenn ihre Alterssichtigkeit einsetzt?

Dass auch Kurzsichtige alterssichtig werden, hebt ihre Kurzsichtigkeit keineswegs auf. Für die Sicht im Nahbereich benötigen sie aber weniger Plusdioptrien als Normalsichtige.

Wann ist eine Laseroperation gegen Fehlsichtigkeit sinnvoll?

Am effektivsten ist eine Operation zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr und bei einer Kurzsichtigkeit bis minus sechs Dioptrien. Die Brillenstärke sollte sich seit mindestens drei Jahren nicht mehr verändert haben. Wer älter als 40 ist, profitiert weniger davon, da Ärzte die einsetzende Alterssichtigkeit mit dem Laser nicht korrigieren können. Zum Lesen wird also trotzdem eine Brille nötig.

Wie hoch ist das OP-Risiko beim Lasern?

Zurzeit liegt die Komplikationsrate unter einem Prozent. Bei der Bewertung dieses geringen Risikos muss man aber bedenken, dass das Auge vor der Operation gesund war und durch den Eingriff möglicherweise geschädigt wird. Das Spektrum der Komplikationen reicht von einer leichten Hornhauttrübung bis hin zu schlimmsten Veränderungen der Cornea, die eine Transplantation nötig machen.

Manche Patienten sehen auch nach einer gelungenen Operation schlechter als vorher, selbst wenn sie die Restfehler mit einer Brille ausgleichen. Ärzte versuchen dieses Problem mit der "wellenfront-gesteuerten Hornhautchirurgie" in den Griff zu kriegen, bisher ohne den gewünschten Erfolg. Interessenten sollten sich vorab umfassend im Internet, bei Verbänden und Ärzten informieren.

Wie oft sollte man seine Sehstärke überprüfen lassen?

Da Veränderungen meist schleichend voranschreiten, soll-ten die Augen alle zwei bis drei Jahre vom Arzt untersucht werden.

Wann ist eine Glaukom-Vorsorgeuntersuchung sinnvoll?

Für Menschen mit einem erhöhten Augeninnendruck von mehr als 21 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) ist der Nutzen der Vorsorgeuntersuchung auf grünen Star erwiesen. Die Sehnerverkrankung kann zur Erblindung führen. Durch frühzeitige Behandlung aber kann ein Glaukom verzögert oder gar verhindert werden. Experten empfehlen die Untersuchung grundsätzlich ab dem 40. Lebensjahr alle zwei bis drei Jahre.

Die Krankenkasse zahlt die Kosten für den Check dann, wenn ein konkreter Verdacht auf ein Glaukom vorliegt, und für Risikogruppen, zum Beispiel bei Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck, Diabetikern sowie Patienten, die länger mit Kortison behandelt werden oder Augenverletzungen haben. Für alle anderen Patienten kosten Augendruckmessung und Sehnervuntersuchung etwa 15 bis 40 Euro.

Wissenschaftliche Beratung:

Dr. Wolfgang Wesemann, Medizinphysiker und Direktor der Höheren Fachschule für Augenoptik in Köln

Internet-Adressen zum Thema

www.sehen.de: Website des Kuratoriums Gutes Sehen mit Tipps zu Brillen und Kontaktlinsen

www.dog.org/patienten/index.html: Augenprobleme? Die wissenschaftliche Gesellschaft der Augenärzte gibt Antworten

www.augeninfo.de/krc: Wissenswertes rund ums Lasern von der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft

www.operationsauge.de: Differenzierte Patientenseite zum Thema Augenlasern


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