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Selbsthilfe und Therapien: Keine Angst!

Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende: Manche Anti-Angst-Therapien erscheinen den Gepeinigten zunächst drastisch - aber sie sind höchst effektiv.

Selbsthilfe

Nicht jeder, der unter Ängsten leidet, braucht eine Therapie oder Medikamente. Wer durchschaut, welcher "Trigger" (Auslöser) seinen Körper in Aufruhr versetzt, kann erst einmal versuchen, sich selbst zu helfen. Am wirksamsten ist es, sich der angsterzeugenden Situation so oft und so lange wie möglich auszusetzen: Fürchten Sie Spinnen, Enge oder Dunkelheit, gehen Sie auf Entdeckungsreise in den Keller. Vermeiden Sie aus Angst Gespräche mit Fremden, fragen Sie jeden Tag Unbekannte nach dem Weg. Unterstützung können Ihnen Selbsthilfegruppen geben.

Wenn Ihre Ängste sehr stark sind

und Sie schon lange belasten, sollten Sie professionellen Beistand suchen. Wenden Sie sich an eine Psychiatrische (Angst-)Ambulanz (die oft an eine Klinik angebunden ist), eine Psychologische Beratungsstelle (für Frauen gibt es in größeren Städten spezialisierte Einrichtungen), einen niedergelassenen Psychotherapeuten oder Psychologen. Ihre Krankenkasse kennt kompetente Spezialisten. Gemeinsam mit Ihnen wird der Experte entscheiden, wie Ihnen am besten geholfen werden kann: ambulant oder in einer (Tages-)Klinik, mit einer Gruppen- oder Einzeltherapie.

Verhaltenstherapie

Als eine der wirksamsten psychotherapeutischen Behandlungsformen gegen Ängste und Phobien gilt die Verhaltenstherapie. Ihre verschiedenen Strategien sind wissenschaftlich überprüft:

Bei Expositions- oder Konfrontationsverfahren

wird der Angstkranke der Situation ausgesetzt, die seine Angst auslöst - entweder Schritt für Schritt ("hierarchisiertes Konfrontationstraining") oder ganz direkt ("Flooding"): Hundephobiker besuchen einen Schäferhund-Zwinger, Höhenkranke spazieren über Brücken. Flooding kann zum Adrenalin-Superkick führen, ist aber bei häufiger Wiederholung und therapeutischer Begleitung äußerst effektiv.

Bei der systematischen Desensibilisierung

lernen Angstgeplagte, wie sie einer Panik mithilfe von Entspannnungstechniken begegnen können. Eingesetzt werden etwa autogenes Training oder die progressive Muskelentspannung "nach Jacobson", bei der man jede Muskelpartie einzeln anspannt und dann wieder lockert. Für die Übungen stellt sich der Angstkranke zunächst vor, er sei seinem "Trigger" ausgesetzt. Später werden wie beim Konfrontationsverfahren echte Angstsituationen erzeugt - der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Erlernen der Entspannung.

Bei Kognitiven Verfahren

wird in gedanklichen Übungen trainiert, Angstgefühle zu bremsen und Katastrophenszenarien auf ihren Realitätsgehalt zu überprüfen: Wer etwa unter Platzangst leidet, stellt sich vor, er würde über einen Marktplatz spazieren, und bespricht mit dem Therapeuten, wie er sich fühlt und wie er sich seinem Fluchttrieb widersetzen kann. Außerdem können Gespräche helfen herauszufinden, was sich hinter den Ängsten verbirgt - etwa ein traumatisches Erlebnis oder Beziehungskonflikte.

Bei Bedarf empfehlen Experten weitere Therapieelemente. So können Sozialphobiker beim sozialen Kompetenztraining in der Gruppe üben, eigene Wünsche und Bedürfnisse durchzusetzen und Konflikte konstruktiv auszutragen; bei der emotionalen oder Körper-Wahrnehmungs-Therapie lernen Angstkranke, ihre Gefühle und Empfindungen besser einzuschätzen.

Zusätzliche medikamentöse Therapien

sollten nur von einem Facharzt verordnet und genau mit Ihnen besprochen werden. So können Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine bei akuten Angstzuständen und psychischen Krisen die Symptome dämpfen. Da sich die erforderliche Dosis von Mal zu Mal erhöht und die Mittel abhängig machen können, eignen sie sich keinesfalls für eine Dauerbehandlung und bedürfen strenger ärztlicher Aufsicht. Sogenannte Antidepressiva (Medikamente, die zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden) helfen auch Patienten, die unter Panikanfällen, sozialer Phobie oder einer generalisierten Angststörung leiden. Allerdings brauchen sie etwa zwei Wochen, um ihre Wirkung zu entfalten und verursachen manchmal Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Konzentrationsschwäche.


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