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Merkel in Afrika: Kein Entkommen vor der Euro-Krise

Die Probleme des Euros verfolgen sie bis nach Nairobi: Angela Merkel ist in dieser Woche in Afrika unterwegs, um Wirtschaftsbeziehungen zu fördern und der dortigen Industrie "Hilfe zur Selbsthilfe" anzubieten. Doch das eigentliche Thema bleibt auch für die Kanzlerin die Euro-Krise.

Seit mehr als einem Jahr ist es Angela Merkel gewohnt, überall auf der Welt auf ein und dasselbe Thema angesprochen zu werden. Die deutsche Kanzlerin mag in Singapur, in Peking, in Washington oder in Riad vor der Presse stehen: Immer wieder soll die Regierungschefin der größten EU-Volkswirtschaft die jüngsten Wirren in der Eurozonen-Krise erklären.

Aber am Rande von Nairobi, im International Livestock Research Institute, ist für Merkel offenbar eine Grenze erreicht. Gerade hat sie sich das auch von Deutschland geförderte landwirtschaftliche Forschungsinstitut angeschaut und sich über die Ernährungssituation auf dem Kontinent erkundigt. Dann zieht sie auf dem Rasen vor dem Gebäude vor laufenden Kameras eine Bilanz ihres Kenia-Besuchs. Doch als ihr ein Journalist die Frage zuruft: "Frau Bundeskanzlerin, es gibt sehr beunruhigende Nachrichten aus Europa ...", drehte sich Merkel abrupt um und geht zum Auto. Der nächste Termin wartet.

Aus der Ferne wolle sie die hektische Telefondiplomatie zwischen Europas Hauptstädten nicht kommentieren, heißt es später zur Erklärung. Ohnehin habe sich die Lage doch wieder etwas beruhigt, der Euro war schon wieder gestiegen, weil Italien erfolgreich neue Anleihen platziert und Merkels italienischer Kollege Silvio Berlusconi endlich ein neues, energisches Sparpaket versprochen hatte.

Aber wirklich losgelassen hat die Eurokrise die Kanzlerin auf der gesamten Afrika-Reise nicht. Schon vor der Abreise am Montag fiel die Entscheidung, dass ihr neuer wirtschaftspolitischer Berater Lars-Hendrik Röller sie nicht begleiten wird. Die Kanzlerin ließ ihn lieber zum Krisenmanagement in Berlin in der Schaltzentrale der deutschen Regierung zurück. Am Montagabend dann ließ sich Merkel von Finanzminister Wolfgang Schäuble über die stockenden Beratungen der Euro-Finanzminister informieren. Denn es steht viel auf dem Spiel. So wichtig die Besuche einer deutschen Kanzlerin in den aufstrebenden Staaten Kenia, Angola und Nigeria für die bilateralen Beziehungen und die deutsche Wirtschaft auch sind - zu Hause soll die europäische Gemeinschaftswährung nicht zusammenbrechen. Auch aus der Ferne ist Krisenbewältigung angesagt.

Die sofort aufkommenden Spekulationen über einen EU-Sondergipfel am Freitag ließ die Bundesregierung am Dienstag jedenfalls via Berlin zunächst ins Leere laufen. Schon zu oft hatte es in den vergangenen Monaten Versuche gerade von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gegeben, für jedes Problem sofort nach dem großen Hammer der Treffen von Staats- und Regierungschefs zu rufen. Aber am Nachmittag musste Merkel dann doch reagieren - zumindest indirekt. Denn in der hypernervösen Euro-Zone gingen Gerüchte um, die Kanzlerin wolle sogar ihre Afrika-Reise vorzeitig abbrechen, um den Sondergipfel vorzubereiten. Das sei definitiv falsch, hieß es in Delegationskreisen. Eine solch hektische Maßnahme hätte die Akteure an den internationalen Finanzmärkten wohl ohnehin nur noch nervöser gemacht.

Aber auch die Station Angola dürfte für Merkel am Mittwoch keine völlig Euro-Debatten-freie-Zone werden - am Dienstagabend wurde bekannt, dass die Ratingagentur Moody's Irlands Bonität auf ein Ramschniveau herabgestuft hatte.

vim/Reuters / Reuters