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Spritzen gegen Arthrose: Die Nadel im Knie

Spritzen ins Gelenk gehören in den Arztpraxen zum Alltag. Doch nicht jede Injektion ist bei Arthrose sinnvoll. Mitunter sind sie nutzlos und sogar riskante Geschäftemacherei.

Von Martina Janning

Über Vor- und Nachteile einer bestimmten Spritzentherapie sollten Sie sich zuvor bei Ihrem Orthopäden informieren

Über Vor- und Nachteile einer bestimmten Spritzentherapie sollten Sie sich zuvor bei Ihrem Orthopäden informieren

Viele Orthopäden bieten eine Spritzentherapie gegen Arthrose an. Sie soll Schwellungen abbauen, Schmerzen lindern und das Gelenk wieder beweglicher machen. Die Injektionen muss man oft privat bezahlen, Krankenkassen übernehmen nur die Kosten für Therapien mit klar erwiesenem Nutzen.

Bevor Sie dem Spritzen zustimmen, sollten Sie sich bei Ihrem Orthopäden über Chancen und Risiken informieren. "Ein gutes Indiz für einen seriösen Arzt ist, dass er seinen Patienten gründlich körperlich untersucht und eine Ultraschall- oder Röntgenaufnahme macht, bevor er ihm eine bestimmte Gelenkinjektion empfiehlt", sagt Stefan Rehart, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie an den Agaplesion Frankfurter Diakoniekliniken.

Jede Spritze kostet Sie oder Ihre Kasse Geld. Nicht nur deswegen will die Anwendung gut überlegt sein. Denn bei überflüssigen Injektionen setzen Sie sich unnötigen Risiken aus. Selbst bei guter Hygiene lässt sich nie ganz ausschließen, dass Krankheitskeime ins Gelenk gelangen und dort eine Infektion entfachen. Das infizierte Gewebe muss fast immer entfernt werden. Auch kann der Infekt dazu führen, dass es bei fortgeschrittener Arthrose nicht mehr möglich ist, ein künstliches Gelenk zu implantieren. Und bei jeder Spritze sind Nebenwirkungen möglich: etwa Schmerzen, Hitzegefühl oder ein Anschwellen der Einstichstelle.

Cortisonspritzen

Cortison hat einen schlechten Ruf. Denn zu hoch dosiert oder zu lange angewendet, kann die Substanz starke Nebenwirkungen haben. Dazu gehört zum Beispiel, dass der Körper aufschwemmt, Muskeln schwinden und die Haut ausdünnt. Doch bei einer akuten Arthroseentzündung, wenn das Gelenk geschwollen ist und schmerzt, gelten Cortisonspritzen bei Medizinern als gute Wahl. Der Wirkstoff hemmt nämlich die Entzündung der Schleimhaut, die jene Flüssigkeit produziert, die das Gelenk dick werden lässt.

Zunächst zieht der Arzt die Flüssigkeit aus dem entzündeten Gelenk heraus und spritzt danach das Cortison hinein. Dies geschieht gewöhnlich bis zu dreimal im Abstand von jeweils sechs Wochen; die Kosten übernehmen die Krankenkassen. "Cortisonspritzen heilen Gelenkverschleiß genauso wenig wie irgendeine andere derzeit verfügbare Therapie, aber Sie können damit einhergehende Entzündungen gut bekämpfen", sagt der Orthopäde Stefan Rehart. "Wenn man Cortison in ein Gelenk spritzt, ist das Risiko für Nebenwirkungen deutlich geringer als in Tabletten- oder Salbenform, weil die Substanz sich nicht im Körper verteilt."

Richtige Dosierung und Zeitabstand sind entscheidend

Um Komplikationen zu vermeiden, muss der Arzt die Vorgaben des Wirkstoffherstellers genau befolgen. Er darf pro Injektion nicht mehr spritzen als angegeben. Obendrein ist es wichtig, den genannten Zeitabstand zwischen den einzelnen Spritzen einzuhalten.

Hautschäden sind vor allem möglich, wenn der Arzt das Gelenk verfehlt und in das umliegende Gewebe spritzt. Denn Cortison kann das Fettgewebe so zerstören, dass die Haut einsinkt, dauerhafte Dellen bildet und ausbleicht. Der Hautarzt kann dann daran kaum noch etwas ändern.

Hyaluronsäurespritzen

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil unserer Gelenkschmiere. Sie versorgt den Knorpel mit Nährstoffen, lässt ihn geschmeidig gleiten und wirkt durch ihre Zähflüssigkeit wie ein Stoßdämpfer. Bei einer Arthrose verliert ein Gelenk jedoch unter anderem an Schmiere und wird nicht zuletzt dadurch steif und schmerzt. Künstlich hergestellte Hyaluronsäure soll die Beschwerden bessern, indem sie den Mangel ausgleicht. Dazu spritzt ein Arzt das Mittel mehrmals im Abstand von einigen Wochen in den Gelenkspalt.

Was die Wirksamkeit betrifft, kommen einige Studien zu dem Schluss, dass Hyaluronsäureinjektionen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit wieder verbessern können. Eine Untersuchung stellte diese Effekte jedoch nicht fest. Die Datenlage reicht bisher nicht aus, um die Anwendung grundsätzlich zu empfehlen.

GKV übernimmt die Kosten nicht

"Hyaluronsäurespritzen haben nur bei einer mäßigen Arthrose Sinn, wenn ausreichend natürliche Gelenkschmiere vorhanden und der Knorpel noch dick genug ist", sagt Orthopäde Rehart. Er kritisiert, dass manche Ärzte ihren Patienten zu Injektionen rieten, obschon der Knorpel bereits zu zerstört sei, als dass noch eine schmerzlindernde Wirkung eintreten könnte.

Für einen Behandlungszyklus mit drei bis fünf Spritzen berechnen Ärzte um die 300 Euro - die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten nicht. Da der Körper die künstliche Hyaluronsäure abbaut, hält die Wirkung nur einige Monate an, wobei die Dauer je nach Präparat variiert.

Hyaluronsäure ist arm an Nebenwirkungen, nur in seltenen Fällen reagiert jemand überempfindlich auf die Substanz. Wegen des Infektionsrisikos ist die Anwendung trotzdem keine Lappalie.

Radiosynoviorthese

Radiosynoviorthese, kurz RSO genannt, bedeutet: durch Bestrahlung (Radiatio) die entzündete Gelenkschleimhaut (Synovialis) wiederherstellen (Orthese). Dazu spritzt ein Nuklearmediziner eine radioaktive Substanz in das kranke Gelenk. Diese bestrahlt die entzündete Schleimhaut und verödet sie sozusagen. Das stoppt die Produktion jener Flüssigkeit, die ein Gelenk anschwellen lässt. Die Schmerzen lassen nach, die Beweglichkeit nimmt zu.

"Für eine erfolgreiche Radiosynoviorthese darf die Entzündung des Gelenks nicht zu groß sein", sagt Rehart. Häufig sei es sinnvoll, vor einer RSO zunächst eine Gelenkspiegelung zu machen und dabei die entzündete Schleimhaut so weit wie möglich herauszuschneiden.

Strahlenbelastung gering

Wie gut die radioaktive Spritze gewirkt hat, lässt sich erst nach rund drei bis sechs Monaten endgültig beurteilen. Der Erfolg hängt unter anderem von der Schwere der Arthrose, vom behandelten Gelenk und der Stärke der Entzündung ab. Weil die Wirksamkeit anerkannt ist, bezahlen Krankenkassen die Radiosynoviorthese.

Die Strahlenbelastung schätzen Mediziner als gering ein. Doch Frauen im gebärfähigen Alter und Kinder sollten keine RSO-Anwendung erhalten, da die radioaktive Substanz sich in den Fortpflanzungsorganen ablagern könnte. Eine mögliche, aber seltene Nebenwirkung: Das behandelte Gelenk wird in den ersten Tagen nach der Spritze dick.

IGeL-Angebote

IGeL steht für "Individuelle Gesundheitsleistungen", also Dienste des Arztes, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören und vom Patienten privat bezahlt werden. Im Fall von Arthrosen und arthritischen Erkrankungen ist die IGeL-Liste lang: von Extrakorporaler Stoßwellentherapie über Eigenbluttherapie bis hin zum Lasern. Gerhard Schillinger, Neurochirurg und Geschäftsführer Stab Medizin des AOK-Bundesverbands, befürwortet, "dass die Wirksamkeit dieser Methoden wissenschaftlich immer erst nachgewiesen werden muss, bevor sie in den Regelleistungskatalog kommen. Sonst erstatten die Kassen alle möglichen nicht wirksamen Behandlungen, und dann reicht irgendwann das Geld nicht mehr für die medizinisch notwendigen Anwendungen, die nachweislich einen Nutzen haben."

Skepsis ist das beste Rezept

IGeL bedeuten Geld für die Ärzte. Kein Wunder, dass viele von ihnen ihre Patienten mit allerhand Versprechungen zu Therapien überreden, deren Zweck fragwürdig ist. Dabei gibt es klare Richtlinien. Über die informieren die großen Krankenkassen mit Broschüren und auf ihren Seiten im Internet. Ebenso wie die "Patiententipps zu IGeL-Leistungen" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (www.vz-nrw.de). Weitere Hilfe durch den Angebotsdschungel bietet der IGeL-Monitor (www.igel-monitor.de). Das Internetportal, das der Medizinische Dienst des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS) betreibt, beurteilt die Zusatzleistungen auf wissenschaftlicher Basis.

Oft genügt ein Anruf bei der Krankenkasse, um zu klären, ob das IGeL-Angebot sinnvoll ist oder nur die Finanzen des Arztes gesunden lässt.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.