HOME

Knorpelschutz in Pillenform: Helfen Gelenkpräparate gegen Arthrose?

Das Knie zwickt und die Hüft schmerzt: Vor Gelenkverschleiß fürchten sich viele - und schlucken daher Nahrungsergänzungsmittel. Doch was bringen die Präparate?

Von Nicole Heißmann

Was helfen Gelenktabletten oder -kapseln? Neuere Studien zeichnen ein ernüchterndes Bild

Was helfen Gelenktabletten oder -kapseln? Neuere Studien zeichnen ein ernüchterndes Bild

Nicht nur leidenschaftliche Läufer beschleicht beim ersten schmerzhaften Zwicken im Knie die Sorge: Geht es jetzt los mit dem Gelenkverschleiß? Ist der Knorpel vielleicht schon abgerubbelt vom vielen Sport - oder auch von überschüssigen Pfunden, die auf die Gelenke drücken? Jede vierte Frau und jeder sechste Mann in Deutschland leiden laut Robert-Koch-Institut an Arthrose. Der Verschleiß der Puffer in Knie oder Hüfte bringt meist chronische Schmerzen mit sich. Wäre es da nicht sinnvoll, sich mit Gelenktabletten oder -kapseln davor zu schützen?

Dutzende solcher Knorpelpräparate werden als Nahrungsergänzung angeboten. Oft enthalten sie den Aminozucker Glukosamin, das Kohlenhydrat Chondroitin oder beides. Glukosamin wird zum Beispiel aus den Schalen von Krabben und anderen Krebstieren gewonnen, Chondroitin etwa aus Haifischknorpel oder Schweineohren. In Reagenzglasstudien und Tierversuchen konnten die Inhaltsstoffe tatsächlich einen gestörten Knorpelstoffwechsel wieder normalisieren oder sogar den Abbau von Puffersubstanz verhindern.

Therapieffekte überschätzt

Ob sich aber auch menschliche Patienten mit Gelenkkapseln Schmerzen und Verschleiß vom Leib halten können, ist unklar. Und das, obwohl reichlich Studien existieren, in deren Rahmen Ärzte Arthrosekranken wahlweise Glukosamin oder Chondroitin oder beides verordneten. Mal verspürten die Patienten danach weniger Gelenkschmerzen als Kranke, die nur wirkungslose Placebos schluckten. Mal erwiesen sich die Pillen jedoch als wirkungslos.

Neuere Auswertungen, die viele Studien einbezogen und dabei auch die unterschiedliche Qualität dieser Untersuchungen berücksichtigen, zeichnen sogar ein noch ernüchternderes Bild: Demnach liefern vor allem kleine und von den Herstellern selbst finanzierte Studien positivere Ergebnisse. Aber je größer, sorgfältiger und unabhängiger die Untersuchungen, desto mehr schwindet die heilsame Wirkung. Experten vermuten, dass Ärzte sich gerade in den kleinen Studien so manche Ungenauigkeit leisteten, die dazu führte, dass Therapieeffekte überschätzt wurden.

Abspecken und Bewegung

Noch unsicherer ist der Nutzen von Gelenkpräparaten für Gesunde, die dem Verschleiß ihrer Knie und Hüften vorbeugen wollen. Zwar müssen sich die meisten von ihnen wohl nicht vor Nebenwirkungen fürchten. Schwangere, Diabetiker und Menschen, die bestimmte Blutverdünner (Cumarine) nehmen, sollten dagegen keine Knorpelmittel schlucken oder im Zweifel vorher ihren Arzt fragen. Krebstier- und Fischallergiker können zudem überempfindlich auf manche Produkte reagieren, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

Statt Kapseln oder Tabletten einzuwerfen, kann man seinen Knien oder Hüften Gutes tun, indem man einige Kilogramm abspeckt oder verletzungsintensive Sportarten wie Fußball, Handball oder Karate meidet. Übergewicht und Knieverletzungen erhöhen das Risiko für eine spätere Arthrose nämlich erheblich.

GesundLeben

Wissenscommunity