VG-Wort Pixel

Stiftung Warentest Verdorbene und verwässerte Superfoods: So schlecht schneiden Fruchtsäfte ab

Rote Fruchtsäfte bei Stiftung Warentest
Stiftung Warentest hat rote Früchtsäfte aus Cranberrys, Aroniabeeren und Granatapfel getestet – mit ernüchterndem Ergebnis
© PicturePartners/GettyImages
Säfte aus Granatapfel, Cranberrys und Aroniabeeren werden als Superfoods gehandelt. So richtig "super" ist jedoch keines der Getränke, wie Stiftung Warentest zeigt. Ein Produkt war sogar verdorben.

Sie sollen unter anderem vor Blasenentzündungen schützen und gut fürs Herz sein: Säfte aus Cranberrys, Granatapfel und Aronibeeren stehen bei Gesundheitsfans hoch im Kurs und werden als Superfoods gehandelt. Der Grund: Sie enthalten Nährstoffe, die sich positiv auf die Gesundheit auswirken sollen. Doch erwiesen sind die gesundheitlichen Effekte nicht, wie Stiftung Warentest in der aktuellen Ausgabe zeigt.

Zwar stimmt es, dass die Früchte viele sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die sich potenziell auf die Gesundheit auswirken können. Ob sie das jedoch wirklich tun, ist umstritten. Viele Erkenntnisse stammen aus Versuchen im Labor und sind womöglich nicht auf den menschlichen Körper übertragbar, so Warentest. Den Herstellern ist es deshalb auch nicht erlaubt, mit sogenannten "Healthclaims", etwa "Schützt das Herz", zu werben. Denn dafür müssen die Hersteller Nachweise vorlegen – und die gibt es nicht.

Fruchtsäfte enthalten kein Vitamin C

Stiftung Warentest hat 16 rote Fruchtsäfte unter die Lupe genommen, darunter fünf Aronia-, fünf Cranberry- und sechs Granatapfelsäfte. Ironischerweise enthielten die vermeintlichen Wunderdrinks nicht einmal Vitamin C, einen Stoff, der das Immunsystem unterstützt. Vitamin C ist lediglich in den Beeren enthalten, nicht aber im Saft selbst.

Zum Vergleich: Ein Glas Orangensaft deckt bereits den Großteil des täglichen Bedarfs an Vitamin C – und ist wesentlich günstiger als Säfte aus Cranberrys und Co. Für die Testeinkäufe musste Warentest viel Geld hinlegen: Der teuerste Saft im Test, der Granatapfel-Saft von Rabenhorst, kostete 11,60 Euro pro Liter. Dieser Preis kann es durchaus mit Wein aufnehmen.

Zwei Säfte kamen braun aus der Flasche

Nicht nur beim gesundheitlichen Nutzen, auch bei Geschmack und Qualität fielen einige Säfte bei den Testern durch. Der Granatapfelsaft von "7 Leben" (11,40 Euro/Liter) war verdorben. Er kam braun verfärbt aus der Flasche und roch vergoren. Ein ähnliches Bild bot sich den Testern beim Granatapfelsaft "Elite Naturel" (8,95 Euro/Liter): Auch er war bräunlich verfärbt, wies allerdings nur Anzeichen eines beginnenden Verderbs auf. Die Testergebnisse lauteten daher nur "Mangelhaft" und "Ausreichend".

Verwässert schmeckte der Aroniasaft von "Grandlavie" (5,35 Euro/Liter). Er wurde aus Konzentrat hergestellt und konnte die Tester nicht überzeugen. Hier bewertete Warentest ebenfalls mit "Mangelhaft". 

Erfreulich gut schnitten die dagegen die Cranberrysäfte ab: Hier bewerteten die Prüfer durch die Bank mit der Testnote "Gut". Besonders positiv fiel der Cranberrysaft von "Rabenhorst" (10,00 Euro/Liter) auf: Er schmeckte kräftig fruchtig, leicht süß und sicherte sich so den ersten Platz in der Rubrik.

Generell rät Stiftung Warentest nicht von roten Fruchtsäften ab. Verbraucher müssen sich jedoch im Klaren sein, dass von ihnen keine gesundheitlichen Wunder zu erwarten sind. Mit einem durchschnittlichen Preis von 8,20 Euro pro Liter sind sie zudem recht teuer. Ein happiger Preis angesichts der dünnen wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Den vollständigen Test mit allen Ergebnissen gibt es gegen Gebühr hier.

ikr

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker