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Terminärger beim Arzt Kassenpatienten müssen deutlich länger warten


Warten auf den Arzttermin und Warten in der Praxis: Kassenpatienten brauchen im medizinischen Alltag viel Geduld - im Gegensatz zu Privatpatienten. Diese Alltagsbeobachtung wird jetzt durch eine neue Studie bestätigt.

Wie sind Sie denn versichert?" Wer telefonisch einen Termin bei einem Facharzt machen möchte, wird in der Regel mit dieser Frage konfrontiert. Und wer hier das Falsche sagt - jedenfalls aus der Sicht des Arztes - muss auf einen Termin eventuell lange warten: Dass Privatpatienten schneller behandelt werden als gesetzlich Versicherte, diese Erfahrung hat fast jeder schon einmal gemacht. Nun gibt es auch Zahlen, die das Missverhältnis belegen.

Wie eine Umfrage der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zeigt, muss gut jeder fünfte gesetzlich Versicherte (22 Prozent) mehrere Wochen auf einen Arzttermin warten. Bei Privatversicherten müssen hingegen nur 4 Prozent länger als drei Wochen warten. Gar keine Wartezeit hatten demnach zuletzt 32 Prozent der Kassen- und 38 Prozent der Privatpatienten.

Lange Wartezeiten auch in der Praxis

Andreas Köhler, oberster Funktionär der Ärztevereinigung, räumte ein, es gebe Fälle, in denen Patienten eindeutig zu lange warten müssten. "Für sie müssen wir noch Lösungen finden." Rund die Hälfte der gesetzlich Versicherten werde aber sofort behandelt oder war in Praxen ohne Terminvergabe.

Eine Art Zweiklassengesellschaft zeigt sich auch in der Praxis: Hat es der Kranke erst einmal ins Wartezimmer geschafft, offenbart sich nämlich das nächste Problem. So musste zuletzt fast jeder dritte gesetzlich versicherte Patient (27 Prozent) länger als eine halbe Stunde warten, bis er aufgerufen wird, 9 Prozent sogar länger als eine Stunde. Die Geduld der Privatversicherten wurde indes viel weniger auf die Probe gestellt: Lediglich 14 Prozent mussten länger als eine halbe Stunde auf den Herrn Doktor warten.

Der Ruf der Ärzte leidet unter diesem Missstand aber offenbar nicht. Denn 91 Prozent der Befragten gaben an, ein gutes bis sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt zu haben. Auch die fachlichen Fähigkeiten beurteilen 92 Prozent der Befragten positiv.

joe/DPA DPA

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