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Fälle in den USA Mitbringsel aus der Kita: Kleinkinder können das Coronavirus in ihre Familien einschleppen

Coronavirus: Vater und Sohn gehen in den Kindergarten
In der Kindertagesstätte bricht das Coronavirus aus: Für Eltern ist das eine schlimme Vorstellung, dabei erkranken Kinder in der Regel nur mild
© VioletaStoimenova / Getty Images
Die Rolle von Kindern in der Pandemie ist nach wie vor unklar. Forscher haben nun Corona-Ausbrüche in drei US-amerikanischen Betreuungseinrichtungen untersucht. Dabei zeigte sich: Selbst Kleinkinder können Familienmitglieder mit dem Coronavirus anstecken.

Welche Rolle spielen Kinder in der Corona-Pandemie? Die Frage ist nach wie vor schwer zu beantworten. Die Mehrheit der frühen Studien entstand in Zeiten von Kontaktreduzierungen und Lockdowns, als auch Kindertagesstätten und Schulen geschlossen wurden. Der Anteil an Infektionen, der von Kindern ausgeht, könnte daher zunächst unterschätzt worden sein. "Wir warnen vor der Vorstellung, dass Kinder keine Rolle in der Pandemie und in der Übertragung spielen", erklärten führende Virolog*innen bereits Anfang August zum Schulstart in Deutschland. "Solche Vorstellungen stehen nicht im Einklang mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen."

Ein Corona-Ausbruch in einem US-amerikanischen Sommercamp unter älteren Kindern und Jugendlichen sorgte bereits für Schlagzeilen. Eine weitere Analyse liefert nun Hinweise, was die Infektiosität von Kleinkindern betrifft. Expert*innen der US-Gesundheitsbehörde CDC haben Corona-Ausbrüche in drei Betreuungseinrichtungen näher unter die Lupe genommen. Dabei zeigte sich: Selbst die Jüngsten können das Virus in ihre Familie einschleppen. Ob Kleinkinder damit ebenso ansteckend sind wie Erwachsene, ist damit aber nicht gesagt.

In Haushalten steigt das Ansteckungsrisiko

Zu den Ausbrüchen kam es im Zeitraum zwischen April und Juli im US-Bundesstaat Utah. Zwölf Kinder im Alter zwischen acht Monaten und zehn Jahren erkrankten. Neun von ihnen entwickelten milde Symptome, drei blieben asymptomatisch. Trotz der leichten Verläufe steckten einige der Kinder mindestens zwölf weitere Personen an, die keinen engeren Kontakt zu den Betreuungseinrichtungen gehabt hatten. Sechs von ihnen waren Mütter der erkrankten Kinder, drei waren Geschwisterkinder.

Außerhalb der Betreuungseinrichtungen infizierten die Kinder im Schnitt rund 26 Prozent der erfassten Kontaktpersonen. Die Auswertung zeige, dass Kinder das Virus durchaus aus Betreuungseinrichtungen in ihre Familien einschleppen können, schreiben die Forscher*innen. Frühere Studien hatten darauf hingedeutet, dass es selten Kinder sind, die das Virus in ihre Familien eintragen – die aktuelle Untersuchung steht dem entgegen. 

Baby infiziert Vater und Mutter

Besonders interessant ist der Fall eines acht Monate alten Babys, das Vater und Mutter infizierte. Auch zwei der drei asymptomatisch erkrankten Kinder gaben das Virus weiter – unter den betroffenen Kontaktpersonen war auch eine Mutter, die im Krankenhaus behandelt werden musste.

Beobachtungsstudien dieser Art besitzen allerdings auch Schwächen. So ist die Zahl der infizierten Kontaktpersonen möglicherweise zu niedrig, da vor allem bei entsprechenden Symptomen getestet wurde. Personen mit asymptomatischen Verläufen könnten übersehen worden sein. Die Forscher*innen können zudem nicht ausschließen, dass sich einzelne Kontaktpersonen nicht doch bei anderen Personen angesteckt haben.

Die Wissenschaftler*innen sehen die Daten dennoch als Anlass, einen Appell für gute Hygiene auszusprechen – vor allem im Umgang mit Kindern, die noch zu jung sind, um selbst Masken zu tragen. Erzieher*innen , die Kleinkinder betreuen, sollten daher Masken tragen, auf gute Handhygiene achten und viel benutzte Oberflächen regelmäßig reinigen, so der Rat. Treten in Betreuungseinrichtungen Verdachtsfälle auf, sollte zudem schnell auf Sars-CoV-2 getestet werden – auch unabhängig von Symptomen. 

Quelle:CDC - Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR)

ikr

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