VG-Wort Pixel

Corona-Pandemie Verhängnisvolles Ferienlager mit Hunderten Kindern wird zum Superspreading-Event

Mehr
Sie sangen und spielten gemeinsam - am Ende waren Hunderte Teilnehmer eines US-Sommercamps mit dem Coronavirus infiziert. Der Fall wirft auch ein Schlaglicht auf die Wiedereröffnung von Schulen.

Sie wollten ein paar unbeschwerte Tage mit Freunden genießen,  doch ein Sommercamp im US-Bundesstaat Georgia entwickelte sich zum Fiasko: Mindestens 260 Kinder und Betreuer wurden nach dem vorzeitigen Ende des Ferienlagers positiv auf das Coronavirus getestet. Damit hat sich fast die Hälfte der rund 600 dort anwesenden Personen mit dem Erreger angesteckt. Wie die US-Gesundheitsbehörde CDC schreibt, zeige dies, dass sich Kinder aller Altersstufen mit dem Coronavirus infizieren und eine "wichtige Rolle" bei der Übertragung von Sars-CoV-2 spielen könnten.

Die Studie ist vor allem wegen den anstehenden Schulöffnungen nach den Sommerferien interessant. Es ist bereits bekannt, dass sich Kinder mit dem Coronavirus anstecken können und auch infektiöse Viren ausscheiden. Allerdings zeigen erkrankte Kinder überwiegend kaum Symptome. Unklar ist, ob sie damit auch weniger ansteckend als Erwachsene sind. In Deutschland wie auch in vielen anderen Ländern waren die Schulen aus Angst vor einer unkontrollierten Ausbreitung des Coronavirus zeitweise geschlossen worden. Unterricht war nur unter teils großen Einschränkungen möglich. Hierzulande sollen die Schulen nach den Sommerferien wieder öffnen. 

Coronavirus in Ferienlager in den USA
In einem US-Ferienlager haben sich Hunderte Teilnehmer mit dem Coronavirus angesteckt (Symbolbild)
© Imgorthand / Getty Images

Wie kam das Virus in das Camp?

Zwei Tage nach Beginn des Camps zeigte ein Teenager Erkältungssymptome und wurde am 23. Juni nach Hause geschickt. Da sein Test auf das Coronavirus positiv ausfiel, schlossen die Verantwortlichen das Ferienlager am 27. Juni. Anschließende Reihentests zeigten, dass sich 260 der rund 600 Teilnehmer mit dem Virus infiziert hatten. Die US-Gesundheitsbehörde geht allerdings von noch mehr Infektionen aus. Lediglich für 344 Teilnehmer lagen Testergebnisse vor.

Unter den nachweislich Infizierten waren

  • 51 Kinder im Alter bis zehn Jahre
  • 180 Jugendliche
  • und 29 volljährige Personen ab 18 Jahren.

136 infizierte Personen hatten zudem Angaben zu ihren Symptomen gemacht. 36 von ihnen berichteten über keine Beschwerden. Die übrigen 100 gaben an, überwiegend Fieber, Kopfschmerzen und Halsweh zu haben.

Unklar ist, ob der erkrankte Teenager das Virus in das Camp eingeschleppt hat oder ob gleich mehrere Teilnehmer bereits zu Beginn des Ferienlagers infiziert waren. In Georgia waren die Infektionszahlen im Juni und Juli wie auch in vielen anderen US-Bundesstaaten gestiegen. Zwar mussten alle Teilnehmer vor Beginn des Camps einen negativen Corona-Test vorlegen – das Ergebnis durfte aber bis zu zwölf Tage alt sein und war damit nicht zwingend aktuell.

Singen und Jubeln als Risikofaktoren

Die US-Gesundheitsbehörde hat Risikofaktoren ausfindig gemacht, die den Ausbruch im Ferienlager erklären könnten: So hatten die Teilnehmer während ihres Aufenthalts an zahlreichen Aktivitäten im Freien wie auch in geschlossenen Räumen teilgenommen. Die Räumlichkeiten seien nicht regelmäßig gelüftet worden. Auf dem täglichen Programm stand "kräftiges Singen und Jubeln", heißt es in dem CDC-Bericht. Dabei könnte das Virus durch eine Tröpfcheninfektion übertragen worden sein. Die rund 350 Gäste im Alter zwischen 6 und 18 Jahren waren zudem nicht verpflichtet, Masken zu tragen. Lediglich die Betreuer benutzten eine Mund-Nase-Bedeckung aus Stoff. Als Unterkunft dienten Holzhütten, in denen Platz für bis zu 26 Personen war. Im Schnitt schliefen 15 Teilnehmer in einer Unterkunft.

"Die Untersuchung stützt Hinweise, dass Kinder jeden Alters anfällig für Infektionen mit Sars-CoV-2 sind", schreiben die Experten der CDC-Gesundheitsbehörde. "Im Gegensatz zu früheren Berichten könnten sie eine wichtige Rolle bei der Übertragung spielen."

Hygienekonzepte für Schulen

Ob die Erkenntnisse auch Rückschlüsse auf ein mögliches erhöhtes Infektionsrisiko in Schulen zulassen, ist allerdings fraglich. Übernachtungen finden dort in aller Regel nicht statt. Auch das gemeinsame Singen und Musizieren soll in vielen Bundesländern nach Ende der Sommerferien stark reglementiert werden: Berlin plant, gemeinsames Singen in geschlossenen Räumen gänzlich zu verbieten, Hessen gestattet es dagegen nur im Freien. Die Hygienekonzepte in anderen Bundesländern sehen eine Maskenpflicht für das Schulgelände, etwa auf den Fluren, und Unterricht in festen Gruppen vor. In einer Art Rahmenplan für Schulen sind zudem allgemein gültige Hygieneregeln festgelegt. Dazu zählt unter anderem regelmäßiges, intensives Lüften der Klassenräume.

Aufschluss über das tatsächliche Infektionsrisiko durch Kinder soll nun eine weitere Untersuchung liefern: Die US-Gesundheitsbehörde geht der Frage nach, ob infizierte Kinder und Jugendliche das Virus möglicherweise vom Camp in ihre Familien eingeschleppt haben und – wenn ja – wie häufig diese Infektionen sind.

Da Infektionen bei Kindern häufig ohne Beschwerden verlaufen, fürchten einige Experten, dass sie Risikogruppen im familiären Umfeld, etwa Großeltern, unbewusst mit dem Erreger anstecken könnten. Unklar ist jedoch, wie häufig das geschieht. Vorläufige Daten unter anderem aus China legten zunächst nahe, dass es selten Kinder sind, die das Virus in ihre Familien eintragen. Allerdings war die Zahl der untersuchten Haushalte gering. 

Quelle: CDC


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker