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Corona-Großdemo in Berlin Dunja Hayali: "Diese Menschen sagen, sie wollen unsere Grundrechte schützen und treten sie gleichzeitig mit Füßen"

Dunja Hayali
Dunja Hayali (r.) wurde bei Dreharbeiten während der Corona-Demo in Berlin bedrängt. In einem Interview äußert sie sich erschrekt über den "Mix an Menschen", der sich an den Protesten ohne Maske und Abstandhalten beteiligt hat. 
© Screenshot instagram.com/dunjahayali / Picture Alliance
Sie und ihr Team wurden während Dreharbeiten bei der Corona-Großdemo in Berlin beschimpft und bedrängt. In einem Interview mit "heute.de" berichtet Dunja Hayali, wie sie das Geschehen erlebt hat und wer sich dort an den Protesten beteiligt hat.

Die ZDF-Journalistin Dunja Hayali hat sich erschrocken darüber gezeigt, welcher "Mix an Menschen" an der Großdemonstration gegen die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus am vergangenen Samstag in Berlin teilgenommen hat. Die 46-Jährige und ihr Team waren bei den Dreharbeiten für ihr Talk-Magazin während der Demonstration beschimpft und bedrängt worden.

Neben Teilnehmern aus den extremen politischen Rändern, Verschwörungsideologen und Diktatur-Rufern habe es auch Teilnehmer "aus der Mitte unserer Gesellschaft" gegeben. "Diese Menschen sagen, sie wollen das Grundgesetz und unsere Grundrechte schützen und treten sie, jedenfalls Teile von ihnen, gleichzeitig mit Füßen. Genauso wie die Meinungs- und Pressefreiheit", sagte Hayali in einem Interview mit der Webseite der ZDF-Nachrichtensendung "heute".

Corona-Demo: Ablehnung gegen "die da oben"

Das einzige, was die unterschiedlichen Gruppen an Demonstranten vom vergangenen Samstag miteinander verbinde, sei aus ihrer Sicht die Ablehnung gegen "die da oben", sagte Hayali. Es bleibe aber unklar, wer oder was damit genau gemeint sei. Die Frage "Was sind das für Menschen, die Hygiene- und Abstandsregeln missachten, an Covid-19 nicht glauben oder leugnen, dass es das Virus gibt" sei für sie Motivation gewesen, während der Demo in Berlin zu drehen.

Begegnet sei sie dort neben Menschen, die die Maßnahmen der Regierung gegen Corona für "überzogen und unverhältnismäßig" hielten, auch zahlreichen Leuten, "die nur noch glauben, was sie glauben wollen, und denen gründlich recherchierte Fakten egal sind – weil sie nur noch glauben, was sie auf irgendwelchen Internet-Seiten zu lesen bekommen und dort ihre eigene Überzeugung/Ideologie bestätigt sehen."

Dunja Hayali: Energie wurde krasser

Hayali hatte am Wochenende ungeschnittenes Videomaterial von den Dreharbeiten über die sozialen Medien veröffentlicht. Darin ist unter anderem zu sehen, wie das Team beschimpft und zunehmend bedrängt wurde. Die Aufnahmen machten Schlagzeilen, nachdem Hayali den Dreh aus Sicherheitserwägungen abbrechen musste. Weil sie es bereits gewohnt sei, angefeindet zu werden, gingen sie und ihr Team "zu solchen Veranstaltungen mittlerweile nicht mehr ohne Sicherheitspersonal hin – traurig genug, aber alles andere wäre leichtsinnig", so Hayali in dem "heute.de"-Interview.

Die Entwicklung hin zum Abbruch habe sich ergeben, nachdem sie bereits mehrere Stunden gedreht hatte. Als der Veranstalter erklärt habe, dass die Demo abgebrochen werde, aber noch Verhandlungen mit der Polizei liefen, habe sie die nächsten Entwicklungen abwarten wollen. "Dann merkten wir aber, dass sich die Stimmung aufheizte, die Sprechchöre lauter wurden, die Gewaltbereitschaft größer, die Energie krasser", so Hayali. "Also haben wir gesagt: Das war's für uns." Die Sicherheit von Kamerafrau, Tonassistent und Autorin gehe letzten Endes immer vor. "Und so haben wir den gefährlichen Bereich, der sich um uns herum gebildet hatte, zügig verlassen."

"Bin auch mit Menschen ins Gespräch gekommen"

"Diese Einschüchterung darf uns aber nicht daran hindern, weiter unseren Job zu machen", gab sich die auch als Moderatorin des ZDF-"Morgenmagazins" bekannte Journalistin kämpferisch. "Und glücklicherweise bin ich ja auch mit Menschen ins Gespräch gekommen."

Die nächste Sendung des Talk-Formats "Dunja Hayali" läuft am Donnerstag, 6. August, ab 22.15 Uhr im ZDF. Zudem sind alle Folgen in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Quelle: "heute.de"

dho / <br/>

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