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Aktivkohle : Von wegen Detox-Wunder! Warum Sie schwarze Lebensmittel besser meiden sollten

Schwarze Burger, schwarze Croissants - und sogar schwarzes Eis: Lebensmittel mit Aktivkohle sind im Trend. Sie sollen Schadstoffe binden. Doch Experten warnen: Sie schaden mehr als sie nutzen.

Burger mit Aktivkohle

Burger mit Aktivkohle

Getty Images

Zugegeben: Schwarze sind ein Hingucker. Brötchen, die früher im schnöden Einheitsbeige daherkamen, verleiht der schwarze Anstrich etwas Stylisches. Kein Wunder also, dass immer mehr Gastronomen auf die Wirkung schwarzer Lebensmittel setzen. Selbst vor Eistheken hat der Trend nicht Halt gemacht: In Berlin verkauft ein Geschäft schwarzes Vanille-Eis. Der passende Name? "Black poodle".

Für die Farbe sorgt nicht etwa - wie einige Menschen glauben könnten - die Tinte von Tintenfischen. Es handelt sich dabei um Aktivkohle, das in Pulverform unter die Lebensmittel gemischt wird. Das Pulver wird aus Holz oder Nussschalen hergestellt und kommt üblicherweise in der Medizin in Form von gepressten Kohlekompretten zum Einsatz. Das schwarze Pulver besitzt einige nützliche Eigenschaften, kann etwa Giftstoffe an sich binden. Das ist bei Vergiftungen und Durchfallerkrankungen ausgesprochen nützlich. Für die Wirkung sorgt die große, poröse Oberfläche der Kohle: Sie ähnelt einem Schwamm, der Giftstoffe förmlich aufsaugt.

Aktivkohle trägt das Kürzel E 153

Doch ist die Kohle im Essen überhaupt erlaubt? Sie ist es - nämlich dann, wenn sie als Farbstoff zum Einsatz kommt. Ob Aktivkohle im Essen steckt, lässt sich anhand der Zutatenliste herausfinden. Sie trägt das Kürzel E 153.

Schadstofffreie, schwarze Burgerbrötchen? Das klingt verlockend. Kein Wunder also, dass die Hersteller mit zahlreichen gesundheitlichen Versprechen auffahren: Die Aktivkohle soll den Körper von Giftstoffen befreien und damit eine Detox-Wirkung besitzen. Außerdem soll sie die Haut verbessern und eine verjüngende Wirkung besitzen. Aber stimmt das überhaupt?

Gesundheitsexperten sind jedenfalls skeptisch - und sie haben allen Grund dazu. Es gibt keine aussagekräftigen Studien über die Langzeitwirkung von Aktivkohle-Lebensmitteln auf den Körper. Das bedeutet: Wer täglich schwarze Brötchen isst und schwarzes lutscht, könnte in einigen Jahren mit Gesundheitsproblemen konfrontiert werden, die derzeit noch nicht absehbar sind.

Verstopfung dank schwarzer Lebensmittel

Bedenklich ist auch, dass Aktivkohle nicht unterscheidet, welche Stoffe sie an sich bindet. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Bayern nimmt sie auch "wertvolle Nährstoffe" auf. "Wird Aktivkohle häufig verzehrt, können Vitamin- und Mineralstoffmängel entstehen sowie Verstopfung." Und einen weiteren Punkt unterschätzen viele Aktivkohle-Fans: "Zu beachten ist, dass auch Medikamente gebunden werden und somit nicht mehr wirken." Das ist vor allem dann problematisch, wenn man auf die Wirkung der Arzneien vertraut und angewiesen ist - etwa bei der Antibabypille oder Schmerzmitteln.

Wie bei so vielen Dingen macht bei der Aktivkohle die Dosis das Gift: Wenn nur gelegentlich Speisen mit Aktivkohle gegessen werden, besteht nach Angaben der Verbraucherzentrale "kein Grund zur Sorge". Wer zum Aktivkohle-Latte täglich ein schwarzes Frühstücksbrötchen isst, sollte seine Ernährung jedoch überdenken.

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ikr
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