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Corona-Pandemie Vorschlag der Stiko: In dieser Reihenfolge sollen die Risikogruppen geimpft werden

Die Stiko (Ständige Impfkommission) schlägt vor, große Gruppen nach Gefährdungsgrad nacheinander zu impfen
Die Stiko (Ständige Impfkommission) schlägt vor, große Gruppen nach Gefährdungsgrad nacheinander zu impfen. Grob gesagt kommen die unter 65-Jährigenals Letzte an die Reihe
© Jean-François Frey / Picture Alliance
In einigen Wochen könnten erste Impfstoffe gegen das Coronavirus da sein - aber noch nicht genug für alle Interessierten. Die zuständige Kommission legt nun genauere Vorschläge für eine Reihenfolge vor.

Zum Start der Corona-Impfungen in Deutschland sollen Ältere über 80, Pflegeheimbewohner und bestimmtes Personal mit hohem Infektionsrisiko voraussichtlich zuerst zum Zug kommen können. Dies entspricht rund 8,6 Millionen Menschen, wie aus einem am Montag verschickten Entwurf der Ständigen Impfkommission (Stiko) hervorgeht. Dazu können Länder und medizinische Fachgesellschaften nun noch Stellung nehmen - wegen besonderer Eilbedürftigkeit bis diesen Donnerstag. Grund für eine Prioritätensetzung ist, dass zum möglichen Auftakt von Impfungen zu Beginn des neuen Jahres nur kleinere Impfstoffmengen erwartet werden.

Die beim bundeseigenen Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Stiko schlägt vor, Impfungen zunächst Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe anzubieten - sowie Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben. Konkret nennt die Empfehlung Bewohner von Senioren- und Altenpflegeheimen und Menschen über 80 Jahre.

Einen Rahmen besonders gefährdeter Gruppen hat der Bundestag abgedeckt

Zudem aufgeführt wird Personal mit besonders hohem Expositionsrisiko in medizinischen Einrichtungen wie Notaufnahmen und in der Betreuung von Corona-Patienten sowie Personal in medizinischen Einrichtungen mit engem Kontakt zu Risikogruppen in der Behandlung von Blutkrebs und der Transplantationsmedizin. Genannt werden auch Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Beschäftigte in Senioren- und Pflegeheimen mit Kontakt zu Bewohnern.

Einen Rahmen für den Vorrang besonders gefährdeter Gruppen hatte der Bundestag in einem kürzlich beschlossenen Gesetz abgesteckt. Es ist die Basis für die geplante Empfehlung der Stiko, die aber erst nach einer Zulassung des ersten Impfstoffs in Deutschland erfolgen soll. Endgültig festlegen soll die Impf-Prioritäten dann eine Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums, die noch im Dezember kommen soll.

Laut dem Stiko-Entwurf sollen nach der ersten Gruppe mit "sehr hoher" Priorität weitere Gruppen mit besonderen Risiken vorrangig geimpft werden. "Hohe" Priorität sollen etwa 6,7 Millionen Menschen haben, darunter Senioren zwischen 75 und 80 Jahre sowie Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung in Einrichtungen sowie dort tätiges Personal. Folgen sollen dann ungefähr 5,5 Millionen Menschen mit "moderater" Priorität - etwa Ältere zwischen 70 und 75, Vorerkrankte mit erhöhtem Risiko und ihre engsten Kontaktpersonen, Menschen in Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünften, enge Kontaktpersonen von Schwangeren, Personal mit moderatem Infektionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und Kliniken sowie Personal in Gesundheitsämtern.

Niedrige Impfpriorität haben alle Menschen unter 65

Als nächstes sollten laut Entwurf rund 6,9 Millionen Menschen mit "erhöhter" Priorität folgen, darunter Menschen zwischen 65 und 70, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Menschen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen wie Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder in der fleischverarbeitenden Industrie. Nächste Stufe sind 9 Millionen Menschen mit "gering erhöhter" Priorität, etwa Menschen von 60 bis 65 Jahre, Personal in "Schlüsselpositionen" der Landes- und Bundesregierungen, Beschäftigte im Einzelhandel sowie in der "kritischen Infrastruktur" wie Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Abfallwirtschaft.

"Niedrige" Impf-Priorität haben demnach alle übrigen Menschen unter 65 Jahre, was etwa 45 Millionen entspricht. "Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung gegen Covid-19 anbieten zu können", heißt es in dem Entwurf. Die Empfehlung solle künftig auch nach Verfügbarkeit von mehr Impfstoffen aktualisiert werden, dabei könnten auch Zielgruppen angepasst werden.

"Das zunehmende Alter ist der unabhängige Faktor, der mit Abstand die höchste Risikoerhöhung mit sich bringt", heißt es in der Empfehlung. Vorerkrankungen und eine Schwangerschaft spielten im Vergleich dazu eine untergeordnete Rolle. So war die Sterberate bei einer Studie mit Covid-19-Patienten im Krankenhaus bei Betroffenen zwischen 50 und 59 Jahre 2,6-mal höher als bei Unter-50-Jährigen. Zwischen 60 und 69 lag sie 5-mal höher, bei 70- bis 79-Jährigen 8,5 mal höher.

Vom der Deutschen Stiftung Patientenschutz kam Kritik. Mehr als acht Millionen Menschen scheinbar gleichberechtigt bei der Priorität auf Nummer eins zu setzen, könne nicht funktionieren, sagte Vorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. "Deshalb müssen zunächst die Pflegebedürftigen und Schwerstkranken die Chance auf eine Impfung bekommen. Erst danach sind Menschen an der Reihe, die in medizinischen und pflegerischen Bereichen arbeiten. An dritter Stelle gilt es, die systemrelevanten Berufe zu stellen."

tis DPA

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