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Glücksgefühle Warum uns Geschenke schlau und froh machen

Positive Gefühle öffnen Geist und Herz
Positive Gefühle öffnen Geist und Herz
© Colourbox.de
Etwas geschenkt bekommen, ist schön und macht glücklich. Aber nicht nur das: Für eine Weile machen uns kleine Gaben sogar ein wenig kreativer und klüger.
Von Antje Brunnabend

Ich liebe Schokolade in jeder Form, besonders Pralinen. Neulich bekam ich mal wieder welche geschenkt, und natürlich habe ich mich gefreut. Bisher war ich davon ausgegangen, dass mich so ein Mitbringsel allenfalls ein wenig schwerer macht. Aber wenn man Barbara Fredrickson glaubt, macht es mich auch klüger, einfallsreicher, aufgeschlossener, mitfühlender und hilfsbereiter - für eine kleine Weile zumindest werde ich ein besserer Mensch.

Die US-amerikanische Psychologin untersucht seit über zwei Jahrzehnten positive Emotionen. Dazu zählt sie Freude, Dankbarkeit, Heiterkeit, Interesse, Hoffnung, Stolz, Vergnügen, Inspiration, Ehrfurcht und Liebe. Letztere hat eine Sonderstellung, weil sie die anderen Emotionen umfasst. Die Frage, die Fredrickson umtrieb: Wozu sind gute Gefühle gut? Angst, Wut oder Abscheu - klar - dienen dem Überleben. Sie verhelfen uns dazu, Gefahren zu meiden und in bedrohlichen Lagen angemessen zu reagieren. Doch was ist der biologische Sinn von Freude und Zuversicht?

Fredricksons Antwort darauf ist die von ihr entwickelte "Broaden-and-build"-Theorie: Positive Gefühle öffnen Geist und Herz, sie erweitern die Perspektive und fördern innovatives Denken und Verhalten. Auf lange Sicht tragen sie so zur Bildung lebenswichtiger Fähigkeiten und Ressourcen bei.

Mit Vergnügen zu höherer Leistung

Ihre Hypothese überprüften die Professorin und andere Wissenschaftler mit einer Reihe ausgetüftelter Experimente im Labor. So untersuchten sie zum Beispiel mittels Sensoren und Blickbewegungsregistrierung, wie sich Emotionen auf die Wahrnehmung auswirken. Ergebnis: Gute Gefühle steigern die Aufmerksamkeit (die Probanden betrachteten Bilder intensiver) und weiten buchstäblich das Blickfeld. Frohgestimmte Menschen sahen sich nämlich häufiger Bilder am Rand des Monitors an. Sie schnitten auch besser in Kreativitätstests ab. "Positive Gefühle erweitern den Horizont auf vielerlei Ebenen", fasst Fredrickson zusammen. "Sie verändern die Funktionsweise des Gehirns auf fundamentale Weise und damit die Interaktion mit der Welt."

Und  wie  wurden die positiven Emotionen im Experiment hervorgerufen? Sie ahnen es: durch kleine Geschenke - wie ein Tütchen Pralinen. Andere Methoden, jemanden in gute Stimmung zu versetzen, sind fröhliche Musik, Komödien oder die Erinnerung an schöne Erlebnisse. Aber Pralinen - die übrigens zuerst von der Psychologin Alice Isen zur Erzeugung positiver Emotionen im Labor eingesetzt wurden - haben sich als eine Art Standardmethode etabliert. Allerdings dürfen die Versuchsteilnehmer erst hinterher zulangen, um einen möglichen Einfluss des Zuckers auf die Ergebnisse auszuschließen.

Dass Freude oder Vergnügen zu höherer Leistung und größerem Erfolg beflügeln, ist mittlerweile gut belegt. Nur unter Arbeitgebern hat es sich wohl noch nicht herumgesprochen. Ich weiß ja nicht, wie es an Ihrem Arbeitsplatz zugeht. Aber bei mir standen noch nie Pralinen auf dem Schreibtisch.


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