Wechseljahre Wenn Männer in die Jahre kommen


Während Frauen in die Wechseljahre kommen, leiden Männer unter einem Zustand, der nach Krankheit klingt: dem "Syndrom des alternden Mannes".

Männer sind anders - erst recht, wenn sie älter werden. Während Frauen in die Wechseljahre kommen, leidet das starke Geschlecht unter einem Zustand, der nach Krankheit klingt: Das von der Fachwelt so bezeichnete "Syndrom des alternden Mannes" bekommt zunehmend die Aufmerksamkeit von Ärzten und Pharmaindustrie. "Ebenso wie Frauen im Klimakterium haben alternde Männer mit teils schwer wiegenden körperlichen und psychischen Beschwerden zu kämpfen", sagt der Medizinprofessor Gerhard Schreiber, Spezialist für Männerheilkunde (Andrologie) an der Universität Jena. Bundesweit praktizieren 300 Andrologen.

Bündel an Symptomen

Hinter dem Syndrom des alternden Mannes verbirgt sich ein ganzes Bündel an Symptomen. "Antriebsschwäche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Muskelabbau, Osteoporose, Libido- und Potenzprobleme", zählt Schreiber auf. Mit zunehmendem Alter sei außerdem die Gefahr verbunden, an Veränderungen der Prostata (Vorsteherdrüse) bis hin zum Prostatakrebs zu erkranken. Oft wird für diese Beschwerden in erster Linie der altersbedingte Rückgang an Testosteron, das männliche Sexualhormon, verantwortlich gemacht. "Ab dem 40. Lebensjahr fällt der Testosteron-Pegel jährlich um etwa ein Prozent ab - und das über 20 bis 30 Jahre hinweg", sagt Schreiber.

Die Pharmaindustrie hat das "Syndrom" als Markt erkannt und offeriert inzwischen eine ganze Palette von Testosteron-Präparaten. "Mann" kann zwischen Kapseln, Pflastern, Gel und Spritze wählen. Erst kürzlich brachte die Schering-Tochter Jenapharm aus Jena ein Testosteron-Gel auf den Markt. Damit soll das so genannte Testosteron-Mangel-Syndrom bekämpft werden, unter dem nach Firmenangaben 2,8 Millionen deutsche Männer leiden sollen.

Keine wissenschaftliche Grenze

Der Androloge Schreiber verweist dagegen darauf, dass es bislang keine wissenschaftlich begründete Grenze gibt, ab der der Testosteronmangel krankhaft sei. Der Rückgang sei individuell sehr unterschiedlich, die Verbindung zwischen Hormonabfall und Symptomen nicht eindeutig herstellbar. "Es gibt Männer, die kämpfen trotz guten Testosteronspiegels mit Beschwerden", sagt er. Zudem spielten bei Symptomen wie depressiven Verstimmungen oder Antriebsschwäche auch Faktoren wie das Ende der Berufstätigkeit oder körperliche Veränderungen etwa der Schilddrüse eine Rolle.

Ablenkung mit einer Jüngeren

Männer nehmen das Altern nicht als möglicherweise ernsthaftes gesundheitliches Problem wahr, sagt der Direktor des Jenaer Universitätsinstituts für Klinische Psychologie, Bernhard Strauß. "Für sie ist das Älterwerden vor allem ein psychologisches Phänomen." Symptome wie nachlassende sexuelle Fähigkeiten oder die Abnahme von Merkfähigkeit und Konzentration kollidierten mit ihrem Selbstverständnis männlicher Stärke. Darauf reagierten Männer häufig auf ganz typische Weise, sagt der Sexualforscher. "Sie suchen Ablenkung bei jüngeren Partnerinnen."

Ein Umstand, den Wissenschaftler noch vor Generationen ganz anders deuteten. 1928 schrieb der deutsche Psychiater Professor Alfred Hoche (1856-1953) in einem Buch über die Wechseljahre des Mannes: "Keinen Beweis für eine seelische Sonderstellung dieser Lebensphase des Mannes bedeutet die gelegentlich vorkommende Abwanderung des Sexualtriebes auf fremdartige Ziele. Wir sehen das auch außerhalb der Wechseljahre."

Katrin Zeiß DPA

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