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WM-Gefahren: Fans leiden mehr als Spieler

Ein WM-Spiel gefährdet die Gesundheit der Fans im Stadion stärker als die der Spieler auf dem Platz, warnt ein Mediziner. Hitze, Aufregung und langes Stehen sind Gift für Herz und Kreislauf.

Fußballfans in Stadien sollten nach Medizinerangaben genügend trinken und nicht zu viel schreien. "Ein WM-Fußballspiel ist für viele Fans eine extreme Belastung, die sie sonst nicht haben", sagt Prof. Carsten Stick, Direktor des Instituts für Medizinische Klimatologie der Universität Kiel. Gründe für die Belastung seien die Hitze bei Nachmittagspielen, das plötzliche Aufspringen, Schreie und die Aufregung.

"Zu viel schreien kann zum Kollaps führen, wenn man dabei zu schnell und zu tief atmet", sagt Stick. "Die Aufregung ist eine Alarmreaktion des Körpers, der sich dann auf Kampf oder Flucht einstellt. Sie treibt das Herz an und steigert die Atmung."

Viel trinken

Auch wenn es Fans sicher nicht leicht falle: "Man soll auf die Signale seines Körpers hören." Das gelte insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen. Wenn der Kreislauf schwach wird, rät Stick: Hinsetzen, in den Schatten gehen und trinken.

Flüssigkeit sei wichtig, damit das Schwitzen ausgeglichen werde. "Man braucht nicht dauernd trinken, aber soll auch nicht stundenlang darauf verzichten." Auch um 16 Uhr könne die Wärmebelastung in Stadien noch sehr hoch sein. Schwüle schaffe eine zusätzliche Belastung für das Herz-Kreislaufsystem, weil das Schwitzen erschwert werde und der Schweiß den Körper nicht mehr kühlen könne.

Spieler sind robust und gut betreut

Fans sollten möglichst nicht ruhig in einer Schlange stehen. "Die Hautgefäße sind in der Wärme erweitert, weil der Körper damit den Wärmehaushalt regelt", erläutert Stick. "Beim Stehen versackt das Blut zusätzlich in den Venen der Beine." Der Kopf werde daher schlechter durchblutet. Die Gefahr für einen Kollaps steige. Dagegen helfe nur dribbeln, um die Muskelpumpe in den Beinen zu aktivieren.

Bei den Fußballspielern selbst sieht Stick weniger Gesundheitsgefahren: Sie sind jung, durchtrainiert, erhalten genügend zu trinken und werden von Trainer und Medizinern beobachtet.

DPA / DPA
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