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Wundheilung: Mit Haut aus Haaren

Haare ausreißen tut weh, kann aber nützlich sein: Wissenschaftler haben einen Weg gefunden, um aus den Stammzellen von Haarwurzeln künstliches Hautgewebe zu züchten. Das Verfahren könnte schon bald zur Heilung von Wunden eingesetzt werden. Patienten würde das Schmerzen und Narben ersparen.

Hauttransplantationen mit Eigengewebe lassen häufig hässliche Narben zurück. Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft haben jetzt ein Verfahren entwickelt, wie sich bei der Versorgung von Wunden die Entnahme von Eigenhaut vermeiden lässt: Sie zupfen dem Patienten Haare am Hinterkopf aus und gewinnen aus den Wurzeln adulte Stammzellen. Auf dieser Basis können die Forscher Hautgewebe für die Transplantation auf chronische Wunden züchten - etwa für Diabetiker, die an offenen Beinen leiden, wie die Gesellschaft in München mitteilt.

Bisher transplantieren Ärzte bei chronischen Wunden Eigenhaut, die sie dem Patienten meist am Oberschenkel entnehmen. Dabei bleiben sowohl dort als auch an den behandelten Wunden Narben zurück. Wird die Eigenhaut dagegen über das neue Verfahren gezüchtet, werden dem Patienten den Angaben zufolge Schmerzen erspart, während die Heilungschancen gleichbleiben.

Die aus der Haarwurzel gewonnenen adulten Stammzellen werden zunächst etwa zwei Wochen lang in einer Zellkultur vermehrt. Anschließend reduzieren die Forscher die Nährflüssigkeit so weit, dass die Oberseiten der Zellen nicht mehr bedeckt sind und mit Luft in Verbindung kommen. Durch den erhöhten Druck, den der Sauerstoff auf die Zelloberflächen ausübt, differenzieren sie sich zu Hautzellen.

Die Forscher züchten auf diese Weise viele kleine Hautstücke, die für jeden Patienten individuell hergestellt werden und aneinandergelegt eine Fläche von 10 bis 100 Quadratzentimetern ergeben. Bereits ein paar Tage später lässt sich den Angaben nach sagen, ob die neue Haut angewachsen ist. Nach 72 Tagen sei die Haut nicht mehr von gesunder Haut zu unterscheiden.

DDP

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