Zahnpasta Guter Schutz für wenig Geld


Früher haben sich die Menschen ihren Urin auf die Zähne geschmiert, doch seit 100 Jahren gibt es die Zahnpasta. Und die muss nicht immer teuer sein, wie die Stiftung Warentest herausgefunden hat.
Von Andreas Klatt

Wer frühmorgens verschlafen ins Bad taumelt, hat es gut, verglichen mit den alten Römern: Eine Mischung aus Bimsstein und Urin wurde damals angerührt und auf die Zähne gerieben, um peinigenden Zahnschmerzen vorzubeugen. Heute warten in jedem Badezimmer Chemiecocktails auf ihren Einsatz am Zahn. Seit der Dresdner Apotheker Ottmar Heinsius von Mayenburg die Zahncreme 1905 entdeckte, wurde sie in kleinen Schritten weiterentwickelt: Irgendwann überraschte die Zahnpasta mit bunten Streifen, mit einer Vielzahl ausgefallener Geschmacksrichtungen und schließlich wollte ein Werbe-Biber uns glauben machen, er habe die Kräuter für die Paste eigenhändig gepflückt.

Gute Zahnpasta muss nicht teuer sein

Die Stiftung Warentest hat nun 25 Zahncremes getestet. Das Ergebnis: Wer seine Zähne effektiv schützen will, muss gar nicht tief in den Geldbeutel greifen. "Eurodont Aktiv Fresh" von Aldi Nord und "Friscodent Cool Fresh" von Aldi Süd schnitten hervorragend ab und kosten pro 100 Milliliter gerade einmal 30 Cent. Wer einen Rundumschutz bevorzugt, der auch gegen Paradontitis wirkt, sollte sich mit "Colgate Total" eine Zahncreme im mittleren Preissegment gönnen: 100 Milliliter für 2,80 Euro.

Einen herben Schlag musste dagegen die Traditionsmarke Aronal hinnehmen: Während 24 der 25 Zahnpasten beim Kariesschutz mit "sehr gut" oder "gut" abschnitten, bewerteten die Tester die blaue Tube für morgens nur mit "ausreichend" - und das trotz stolzer 3,60 Euro pro 100 Milliliter.

Den sonst überraschend guten Kariesschutz erklären sich die Tester vor allem mit dem seit 15 Jahren wachsenden Fluoridanteil der Zahncremes, der sich dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstwert von 1500 Milligramm pro Kilogramm langsam annähert. Löcher in den Zähnen haben inzwischen fast Seltenheitswert - Fluorid fördert die Knochen- und Zahnbildung und macht Zähne resistenter gegen Säuren. Ohne Fluorid ist der Zahn der Verbindung aus Zahnbelag und Säure hingegen oft nicht gewachsen - Kariesbakterien haben freie Bahn.

Zahncremes gegen jedes Wehwehchen

Der Markt ist in den letzten Jahren immer differenzierter geworden: freiliegende Zahnhälse, Zahnstein, Verfärbungen - es gibt Zahnpasten gegen jedes Wehwehchen. Doch den Versprechungen sollte man nur nach Rücksprache mit dem Zahnarzt Gehör schenken, rät die Stiftung Warentest. In Weißmachern beispielsweise sind besonders viele Putzkörper enthalten, die den Zahnschmelz schmirgeln. Ist dieser aber bereits beschädigt, schrubbt die Zahnbürste das weiche Zahnbein mit dem empfindlichen Wurzelzement kaputt - besonders dann, wenn man zu fest bürstet.

In diesem Fall kann sich die Wahl einer Zahnpasta für sensible Zähne lohnen: Am freiliegenden Zahnhals führen winzige Kanälchen zum Zahnnerv, die permanent Alarm schlagen. Produkte wie Sensodyne versprechen, diese Kanäle zu verschließen. Dafür werden Putzkörper mit geringerem Abrieb verwendet - ein Verfahren, das wissenschaftlich anerkannt ist.

Bei Mundgeruch hilft nur Mundspüllösung

Bei einer besonders verbreiteten Plage stießen allerdings alle Zahnpasten im Test an ihre Grenzen: Zwar konnten Zinkverbindungen in einigen Produkten den Mundgeruch eindämmen; an den Ursprung des Übels, den hinteren Zungenrücken, gelangen sie aber kaum. Da hilft nur der Griff zu Mundspüllösungen.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker