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Zu wenig Bewegung und zu viel Zucker Schon Kinder erkranken an Altersdiabetes


Jeder Bundesbürger nimmt doppelt so viel Zucker zu sich, wie eine gesunde Ernährung vorsieht. Sport und Kochkurse sollen gegen die steigenden Zahlen fettleibiger Kinder und junger Diabetiker helfen.

Übergewicht und Bewegungsmangel sind die Hauptgründe dafür, dass bereits Kinder einen #Link;http://www.stern.de/diabetes/erkrankungen/diabetes-typ-2-zeitbombe-zucker-654904.html;Typ 2-Diabetes# entwickeln. "Die Zahl der Betroffenen steigt. Es gibt eine Altersverschiebung hin zu immer jüngeren Menschen", sagte die Stoffwechselexpertin Prof. Ursula Plöckinger (Interdisziplinäres Stoffwechsel-Centrum, Charité) der Nachrichtenagentur DPA.

Zwar stellen junge Alters- oder Typ 2-Diabetiker mit schätzungsweise 5000 Erkrankten in Deutschland weiter den kleineren Anteil der jugendlichen Diabetiker, denn die meisten Kinder und Jugendlichen haben einen angeborenen Typ-1-Diabetes. Ihre Zahl liegt bei 25.000. Aber die Entwicklung sei deutlich, sagt Plöckinger: "Die Zahl der jungen Typ 2-Diabetiker und Fettleibigen steigt parallel zur Anzahl der Computer, Fernsehgeräte und Autos"

Typ 2-Diabetes könnte vermieden werden

Damit setze sich auch in Deutschland ein jahrzehntelanger Trend fort. "Vor 30 Jahren war der durchschnittliche Patient mit Typ 2- Diabetes 70 Jahre alt. Heute sind unsere Patienten im Durchschnitt 52 Jahre. Aber es sind auch viele 40-Jährige darunter, und manchmal sogar 18-Jährige", beschreibt Plöckinger die Situation. Anhaltender Bewegungsmangel und Fehlernährung seien meist die Ursache dafür, dass der Körper auf Insulin nicht ausreichend reagiert. Reicht die Steigerung der körpereigenen Insulinherstellung und -ausschüttung nicht mehr aus, um den erhöhten Bedarf zu decken, führt dies zur Erhöhung der Blutzuckerwerte und damit zum Diabetes mellitus Typ 2. "Dabei kann man dieser Form von Diabetes in der Regel vorbeugen, auch wenn es durchaus genetisch ungünstige Dispositionen gibt", betont die Ärztin.

Allerdings sei bei der Ernährungs- und Lebensumstellung die Mithilfe der Patienten erforderlich. "Sie müssen sich vor allem mehr bewegen, nur dann wird auch das Abnehmen gelingen. Wir schulen die Patienten, aber sie müssen das Erlernte dann auch umsetzen", sagt Plöckinger. Es gibt keine Zweifel, dass dies schwierig ist. Insbesondere in sozial-schwachen Gebieten, gelinge dies vielen Betroffenen nicht dauerhaft. "Von daher sind Adipositas und früher Typ 2-Diabetes in bildungsfernen Schichten ein größeres Problem", räumt Plöckinger ein. Aufklärung, Sporterziehung und Kochkurse an Schulen seien wichtig, um Kindern zu zeigen, dass es möglich sei, ein gesundes Leben mit Spaß und Genuss an selbst zubereitetem leckerem und gesundem Essen zu führen.

Zucker in Ketchup, Schinken und Brot

Auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) warnt vor den gesundheitsschädlichen Folgen eines unkontrollierten Zuckerkonsums. "In vielen Fertigprodukten stecken erhebliche Mengen Zucker, ohne dass sich die Konsumenten dessen bewusst wären", erklärte DDG-Geschäftsführer Dietrich Garlichs am Donnerstag in Berlin.

Nicht nur in Schokolade, Eis oder Softdrinks, sondern auch in Ketchup, Schinken oder Brot verstecke sich Zucker. Im Ergebnis konsumiere der Verbraucher unkontrolliert Zucker und nehme mehr Kalorien zu sich, als eine gesunde Energiebilanz vorschreibe. Die Folgen seien Übergewicht, Diabetes und Herzkreislauf-Erkrankungen.

Im Schnitt verzehrt jeder Bundesbürger pro Jahr demnach über 35 Kilogramm Zucker, fast 100 Gramm täglich. Das sei doppelt so viel, wie eine gesunde Ernährung vorsieht. "Zucker kann ähnlich wie eine Sucht wirken, er macht Appetit auf mehr", erklärte Garlichs. Hinzu komme, dass viele Lebensmittel mehr Zucker enthalten, als den Verbrauchern häufig bewusst sei. So stehen auch Bezeichnungen wie Saccharose, Lactose, Fructose(-sirup), Fruchtzucker, Glucose(-sirup), Traubenzucker, Invertzuckersirup, Dextrose, Maltodextrin und Dextrine auf der Zutatenlisten für Zucker. Laien seien diese Fachbegriffe aber oft nicht bekannt.

ger/DPA/AFP DPA

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