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"Das Narrenschiff": Surrealistischer Stoff zum Schmunzeln

Es sieht nicht gut aus für das Königreich Irrwater. Ein Erdbeben der besonderen Art hat das Reich in zwei Teile geteilt, und König Ambroise findet das gar nicht komisch.

Es sieht nicht gut aus für das Königreich Irrwater. Ein Erdbeben der besonderen Art hat das Reich in zwei Teile geteilt, und König Ambroise findet das gar nicht komisch. Es macht ihn wütend, so wütend, dass er einen Prinzen nach dem anderen umbringt. Doch die Prinzen sind geklont, und ganz Irrwater ist eigentlich nur ein computergesteuertes Schiff, genau genommen ein Narrenschiff...

Narren und skurrile Figuren

bevölkern den frisch erschienenen vierten Teil der Comic-Reihe "Das Narrenschiff" vom französischen Zeichner Turf. Wer das Königreich Irrwater bereits kennt, wird sich nicht wundern über die geklonten Prinzen, über Soldaten, die durch Mauern gehen und in aufblasbaren Weinfässern campieren und über einen sprechenden Mond, der den König verhaftet. Wer hingegen frisch "Ans Werk" geht (so heißt der vierte Teil nämlich), der wird sich wundern. Und schmunzeln.

Stoff zum Schmunzeln gibt es reichlich, denn die Geschichte ist durchzogen von schwarzem Humor. Der zeigt sich sowohl in der Story als auch in Turfs typischem Zeichenstil. Seine amüsant-bizarren Figuren mit ihren markanten Gesichtern und ihrer meist so bunten Schlafwandler-Kleidung wandern verwirrt durch Irrwater. Dabei stolpern sie von einer absurden Situation in die nächste.

Surreal ist das Ganze sowieso. Noch surrealer wird es, wenn König Ambroises Innenleben zu sehen ist (seine Mordlust provoziert Engelchen und Teufelchen) oder König Clement vom bösen blauen Wolf träumt. Optisch ist der Comicband aufgrund seiner detaillierten Zeichnungen und der ständig wechselnden Perspektiven reizvoll. Langweilig wird das Betrachten der Bilder jedenfalls nicht. Denn der 1966 geborene Turf macht sich beispielsweise einen Spaß daraus, einen Mord auf der Oberfläche eines Toasters zu spiegeln.

Mord und Totschlag werden übrigens so unblutig dargestellt, dass man Kids ab 12 Jahren die bunte, detailliert gezeichnete Story bedenkenlos "zumuten" kann.

Fazit:

Bisher ist "Das Narrenschiff" in Deutschland noch ein Geheimtipp. Wer jedoch "Ans Werk" betrachtet und gelesen hat, wird neugierig auf den fünften Teil der Reihe. Anfang 2004 ist es zumindest in Frankreich so weit.

Bis dahin gilt der Abzählreim aus dem 4. Jahrhundert des Königreichs:

"Sechs Prinzen wollten einst regieren - Der erste hatte Müh, nicht den Halt zu verlieren - Ein Automobil, das dünkt ihm kommod - Doch an der Brüstung holt ihn der Tod".

Kirsten Einemann

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