"Die Schöpfung" Wie wird der neue "Tatort" aus Köln?

Ballauf und Schenk verbringen im "Tatort: Die Schöpfung" viel Zeit in der Oper.
Ballauf und Schenk verbringen im "Tatort: Die Schöpfung" viel Zeit in der Oper.
© WDR/Thomas Kost
Mord hinter den Kulissen der Oper: Der neue Köln-"Tatort" schickt Ballauf und Schenk in einen Kosmos voller Druck und Abhängigkeiten.

Erst vor zwei Wochen führte ein Münchner "Tatort" die Zuschauer hinter die Kulissen eines Theaters - nun folgt mit "Die Schöpfung" der nächste Krimi aus dem Kosmos der Hochkultur. Dieses Mal ermitteln Max Ballauf und Freddy Schenk in der Kölner Oper, einem Ort, an dem Disziplin, Eitelkeit und künstlerischer Anspruch auf engem Raum aufeinandertreffen. Wie schon zuletzt in München nutzt der "Tatort" damit erneut eine Bühne als hermetischen Schauplatz für einen Mordfall.

Am Sonntag (11. Januar 2026, 20:15 Uhr im Ersten) kehren Klaus J. Behrendt (65) und Dietmar Bär (64) zurück. Der Film verlagert das Geschehen in den Opernbetrieb - ein streng organisiertes System mit klaren Hierarchien, großer Fallhöhe und vielen Abhängigkeiten hinter der Bühne.

Darum geht es im "Tatort: Die Schöpfung"

Ein Todesfall während der Proben zu einer neuen Operninszenierung erschüttert die Kölner Oper. Das Opfer war Teil der Produktion - und offenbar nicht nur künstlerisch in Konflikte verstrickt. Ballauf und Schenk stoßen bei ihren Ermittlungen auf ein Umfeld, das nach außen von Perfektion und Disziplin geprägt ist, hinter den Kulissen jedoch von Rivalitäten, verletzten Egos und existenziellen Ängsten bestimmt wird.

Schnell wird klar, dass der Mord nicht isoliert betrachtet werden kann. Die Ermittler tauchen tief in den Opernbetrieb ein, sprechen mit Sängerinnen, Musikern, Regie und Technik - und erkennen, dass nahezu jede und jeder ein Motiv gehabt haben könnte. Im Zentrum steht die Frage, wie weit Menschen gehen, wenn Karriere, Anerkennung und persönliches Scheitern auf dem Spiel stehen.

Lohnt sich das Einschalten beim "Tatort: Die Schöpfung"?

Ja - vorwiegend für Fans der Kölner Reihe. "Die Schöpfung" ist kein Krimi der schnellen Schnitte oder großen Effekte, sondern ein Film, der sich Zeit nimmt, seinen Schauplatz ernst zu nehmen. Der Opernbetrieb wirkt nicht wie eine austauschbare Kulisse, sondern wie ein geschlossenes System mit eigenen Regeln: Hierarchien, Abhängigkeiten und ein hoher Erwartungsdruck prägen das Klima - und genau daraus bezieht der Film seine Spannung.

Ballauf und Schenk agieren gewohnt ruhig und konzentriert. Ihre Ermittlungsarbeit lebt weniger von lauten Konfrontationen als vom genauen Hinsehen und Zuhören. Der Film lässt Figuren und Beziehungen atmen und setzt auf Atmosphäre, Beobachtung und die allmähliche Verdichtung des Verdachts. Gerade dadurch entsteht ein Sog, der eher unterschwellig arbeitet - aber konsequent.

Wer einen klassischen Whodunit mit hohem Tempo erwartet, könnte den Krimi stellenweise als zu zurückhaltend empfinden. "Die Schöpfung" will nicht durchgehend überraschen, sondern ein Milieu erzählen, in dem künstlerischer Anspruch und menschliche Abgründe eng beieinanderliegen. Schlussendlich bleibt ein dichter, atmosphärischer Köln-"Tatort", der nachwirkt - nicht wegen der Lautstärke, sondern wegen seines Schauplatzes und der Stimmung dahinter.

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