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"Man spricht Deutsch": Über Comics verbreitet sich der Katzenjammer

Wo Alkohol fließt, da ist der Katzenjammer nicht weit. Vor allem über Comics ist das Wort auch in den englischen Sprachraum vorgedrungen. Trinkfreudige Nationen wie die Briten, Amerikaner und Australier benutzen das Wort sehr gerne.

Von Sven Siedenberg

Seit trinkfreudige Studenten das ordinäre Wort "Kotzen-Jammer" in der Goethezeit zum "Katzenjammer" entschärft haben, bereichert es die mit Tiervergleichen eh schon prall gefüllte deutsche Wortschatztruhe: Löwenmähne, Bärenhunger, Schweinsgalopp, Bienenfleiß, Sauwetter, Hundstag, Affenschande, Mäusemelken ...

Der Katzenjammer, dieses Übelsein nach einem Zechgelage, gelangte zunächst in die medizinische Fachsprache, als "crapula", was lateinisch "Rausch" bedeutet. Später nahmen es die Gedichteschreiber auf, die Journalisten und die Satiriker. In den Vereinigten Staaten tauchte das Wort in der Mitte des 19. Jahrhunderts auf: "Some of Mr. Hale's men had kept up a drunken frolic all night, general katzenjammer ..." ("Einige von Hale's Männern hatten eine lange feucht-fröhliche Nacht, allgemein Katzenjammer ...).

Populär wurde der Begriff aber erst durch die "Katzenjammer Kids". Dieser Comicstrip, erstmals 1897 in der Sonntagsbeilage des "New York Journal" veröffentlicht, stammt aus der Feder des deutsch-amerikanischen Zeichners Rudolph Dirks, dem Pionier der modernen Bildergeschichte. Er schuf die beiden Hauptfiguren Hans und Fritz in Anlehnung an Wilhelm Buschs "Max und Moritz".

Eroberung Amerikas durch "Katzenjammer Kids"

Ihre drolligen Abenteuer wurden vielfach kopiert, verfremdet und verulkt, so brachte beispielsweise der amerikanische "Playboy" in den 1970er und 1980er Jahren seine Leser mit den frivol angehauchten Humoresken "The Krautzenbummer Kids" zum Schmunzeln. Selbst Künstler bewunderten die Zeichnungen: "Gertrude Stein clipped The Katzenjammer Kids from home newspapers for Picasso" ("Getrude Stein schnitt die Katzenjammer Kids aus ihren Heimat-Zeitungen für Picasso aus"), wusste 1974 das Time Magazine zu berichten. Obwohl im Englischen auch die Wörter "hangover" und "depression" existieren, hat sich das Wort "Katzenjammer" zu einem beliebten, im "Oxford English Dictionary" verzeichneten Synonym gemausert.

Welches Ausnüchterungsmittel am besten hilft, ist indes weiter heftig umstritten.
"Im Handbuch der Drogeristen-Praxis aus dem Jahre 1893 werden sechs bis zehn Tropfen Salmiakgeist empfohlen", sagte Johanna.
"Viele Profitrinker aus der internationalen Gemeinschaft der Komasäufer schwören auf Kamillentee", sagte ich.
"Was immer hilft: Weniger trinken", sagte Valerie.
Harry schaute uns mitleidig an. "Was auch hilft: Einfach weitertrinken."

"Katzenjammer" kennt man im Englischen

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