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BUNDESLIGA: Der »FC Katzenjammer« nach dem Debakel

In »Kaiser-Manier« sprach Karl-Heinz Rummenigge von »einer Beleidigung für den Namen des FC Bayern«. Ottmar Hitzfeld wusch seinen Profis am Morgen nach dem 1:5 gegen Schalke den Kopf.

Anders als erwartet war es nicht Franz Beckenbauer, der nach der 1:5-Klatsche der Bayern verbal ausholte. In bester »Kaiser-Manier« sprach Karl-Heinz Rummenigge von »einer Beleidigung für den Namen des FC Bayern«, und von Trainer Ottmar Hitzfeld gab es am Morgen nach dem Debakel eine ordentliche Kopfwäsche für die vom Katzenjammer geprägten Profis. »Ich bin sauer. Ich habe schon intensiv mit der Mannschaft gesprochen«, sagte Hitzfeld am Sonntag. Knapp 60 Minuten dauerte die interne Aufarbeitung des 1:5 beim wie im Rausch aufspielenden FC Schalke 04. Hitzfelds Mängelliste war lang und gipfelte in der Aussage: »Wir müssen uns radikal umstellen.«

»Ich erwarte eine Trotzreaktion«

Allerdings gibt sich der 53-Jährige keineswegs geschlagen im Titelrennen und erwartet vielmehr schon an diesem Mittwoch im DFB- Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern die richtige Antwort seiner Elf: »Es ist eine dankbare Aufgabe, jetzt auf dem Betzenberg zu spielen, wo alle Menschen meinen: 'Ha, jetzt ist der FC Bayern wieder fällig.' Ich erwarte eine Trotzreaktion.«

Noch mehr auf den Fußball konzentrieren

Kaum Engagement und kein ein Aufbäumen gegen die Niederlage, gegen die Schalker Knappen zeigten die Bayern ihr harmloses Gesicht. »Einige haben mit Angst gespielt«, sagte Hitzfeld und traute seinen Augen nicht. Er machte seinen Stars die kritische Situation mit acht Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Leverkusen eine Woche vor dem direkten Duell klar: »Wir sind in einer Situation, die für Bayern München nicht so gewöhnlich ist.« Hitzfeld ließ erstmals Zweifel durchblicken, ob alle Bayern-Spieler alles für neue Titel geben: »Wir müssen uns noch mehr auf Fußball konzentrieren.«

Minimalziel Platz drei?

Während Hitzfeld (»Geschlagen geben ist nicht die Philosophie des FC Bayern«) die Meisterschaft noch nicht abschreiben will, meinte Rummenigge: »Es scheint vermessen, nach so einem Spiel noch von der Meisterschaft zu reden.« In Abwesenheit von Franz Beckenbauer nannte der Stellvertreter des Vereinspräsidenten Platz drei als neues »Minimalziel«. Zudem sparte Rummenigge nach der höchsten Niederlage seit August 1994 nicht mit harscher Kritik. »Der erste und der dritte Treffer waren Kindergarten-Gegentore.«

Der neue Nationalmannschafts-Kapitän, Torhüter Oliver Kahn, gab sich trotz der bitteren Niederlage ebenfalls kämpferisch: »Wir werden den Teufel tun und jetzt den Kopf in den Sand stecken. Noch ist alles möglich.« Stürmer Giovane Elber ist sogar fest davon überzeugt, dass Bayern am Ende wieder die Nase vor hat. »Es ist doch noch schöner, wenn man erst einen großen Rückstand hat und doch noch Meister wird«, sagte der Brasilianer: »Die Mannschaft muss zusammen halten.« An einzelnen Spielern, insbesondere den Rekonvaleszenten Jens Jeremies, Mehmet Scholl und Kapitän Stefan Effenberg lässt Hitzfeld nicht rütteln: »Es wäre fatal zu sagen, Stefan Effenberg ist Schuld an der Niederlage.« Von allen erwartet er »viel mehr Courage« auf dem Platz.

Schwächste Serie seit 32 Jahren

Während die Bayern nach sieben Bundesligaspielen ohne Sieg die schwächste Serie seit 32 Jahren durchleiden, feierte der nach der knapp verpassten Meisterschaft im Vorjahr arg gebeutelte Pokalsieger seine Wiederauferstehung. Alle vermeintlichen Probleme, wie der frühzeitig bekannt gegebene Wechsel von Trainer Huub Stevens nach Berlin im Sommer, die Formkrisen der Nationalspieler Jörg Böhme und Gerald Asamoah oder der Wirbel um die Suspendierung und die Operation von Emile Mpenza, scheinen mit einem Schlag vom Tisch gewischt.

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