HOME

"Spiel des Jahres": Kritikerpreis für Eisenbahnspiel

Das Spiel des Jahres 2004 heißt "Zug um Zug". Bei dem Brettspiel werden auf einer Abenteuerreise quer durch die USA Schienen verlegt. Zum Kinderspiel des Jahres 2004 wurde "Geistertreppe" gekürt.

Ein Eisenbahnspiel und ein Gespensterwettlauf sind die "Spiele des Jahres 2004" in den Sparten Erwachsene und Kinder. Eine Fachjury wählte sie aus jeweils fünf Vorschlägen aus. Jury-Sprecher Uwe Petersen sagte bei der Bekanntgabe der Gewinner in Berlin, "Zug um Zug" verstehe es, Wenig- und Vielspieler gleichermaßen zu fesseln. Die "Geistertreppe" bestach durch wunderbare Holzgespenster und rundum kindgemäße Gestaltung.

Die Preisverleihung findet am 19. September auf dem Spielefest in Nürnberg statt. Die Auszeichnungen sind nicht mit Geldzuwendungen verbunden. Die Verlage können aber damit werben.

Langfristige Planung gefragt

In "Zug um Zug" schickt Autor Alan Moon aus dem Kleinverlag Days of Wonder seine Spieler kreuz und quer durch Nordamerika. Auf einer Landkarte bauen zwei bis sechs Spieler um die Wette Eisenbahnlinien. Dabei geht es nicht nur um die längsten Strecken. Die Akteure erhalten Sonderpunkte, wenn sie vorgegebene Städte verbinden. Um überhaupt bauen zu können, müssen die Spieler erst einmal die richtigen Waggon-Karten besitzen, mit denen sie die nötigen Züge zusammenstellen. Gefragt sind langfristige Planung, kurzfristige Entscheidungen und der schnelle Reaktion auf die Mitspieler.

Der mittlerweile fast zur deutschen Szene gehörende US-Autor Moon stand schon 1998 mit "Elfenland" ganz oben auf dem Treppchen. Sein Verlag Days of Wonder tritt mit "Zug um Zug" zum ersten Mal ins Rampenlicht. Dieses Jahr sei anscheinend sein Glücksjahr, meinte Moon. Heirat im Februar - und jetzt der Preis quasi als Sahnehäubchen auf der Hochzeitstorte.

Starke Konkurrenz

Dieses Jahr habe die Jury - aus deutschsprachigen Publikumsmedien werden Spielekritiker berufen - die Auswahl unter fünf "Superspielen" gehabt, meinte Petersen. Mit im Rennen um den begehrten Titel war auch die immer komplizierter werdende Memory-Abwandlung "Dicke Luft in der Gruft" (Norbert Proena, Zoch Verlag). Auch allein zu spielen ist das Legespiel "Einfach genial" (Reiner Knizia, Kosmos). Der wohl komplexeste Bewerber war "Raja" (Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, Phalanx Games), mit dem im alten Indien um die Wette prächtige Paläste erbaut werden müssen. In "Sankt Petersburg" (Michael Tummelhofer, Hans im Glück Verlag) errichtet Zar Peter der Große sein "Paris des Ostens" mit zwei bis vier Baumeistern.

"Nicht schlecht!"

"Es verschlägt mir fast die Sprache", sagte Michelle Schanen. Sie wurde als erste Frau allein für ihre "Geistertreppe" mit dem "Kinderspiel des Jahres 2004" ausgezeichnet. Ihr gespenstisches Wettrennen mit Überraschungen für zwei bis vier Spieler ab vier Jahren (Verlag Drei Magier Spiele) legte sie anonym ihrem Mann vor, der selbst erfolgreich Spiele entwickelt hat. "Er hat gemeint, es sei nicht schlecht." Das Würfelspiel sei ein "Familienspiel par excellence", meinte Wieland Herold, Koordinator der Jury Kinderspiel.

Nominiert waren in dieser Kategorie auch die laut Herold "genial einfache Puzzle-Idee" mit dem Titel "Macius, Achtung, fertig, los!" (KRAG-Team, Kosmos) für ein bis vier Spieler ab vier Jahren. "Mare Polare" (Roberto Fraga, Selecta) ist ein Würfel-, Merk- und Tastspiel zugleich für zwei bis vier Spieler ab sechs Jahren. Im "Schatz der Drachen" (Reiner Knizia, Winning Moves) mischt der Autor Memory- und Risikoelemente für zwei bis fünf Schatzsucher ab sechs Jahren. Und wer den Spieltisch verlassen möchte und mit seinem Nachwuchs gerne auf dem Teppich herumtollt, für den könnte die raumgreifende "Schnelle Welle" (Hajo Bücken und Dirk Hanneforth, Ravensburger) etwas sein.

Vera Hella Fröhlich, AP / AP
Themen in diesem Artikel