Besatzung Chinas Volksbefreiungsarmee herrscht über Tibet


Auch mehr als 50 Jahre nach der Invasion Tibets ist die Volksbefreiungsarmee Garant für die Kontrolle Pekings über das größte Hochland der Erde.

Auch mehr als 50 Jahre nach der Invasion Tibets ist die chinesische Volksbefreiungsarmee Garant für die Kontrolle Pekings über das größte Hochland der Erde. Die Garnison in Tibet, die paramilitärische Polizei und die Strafverfolgungsbehörden seien "starke Stützpfeiler und loyale Wächter in der Verteidigung der Grenzen des Vaterlandes und in der Aufrechterhaltung der Stabilität in Tibet", sagte unlängst Vizepräsident Hu Jintao. Dieser gilt als zukünftiger Staats- und Parteichef nach Jiang Zemin.

Die ersten 3000 Soldaten marschierten am 9. September 1951 in Lhasa ein. Doch fünf Jahrzehnte später lässt Hu Jintaos Wortwahl erkennen, dass sich Peking mit seiner Herrschaft über Tibet immer noch schwer tut: "Es ist entscheidend, unmissverständlich gegen die separatistischen Aktivitäten der Clique des Dalai Lamas und der Anti- China-Kräfte in der Welt vorzugehen, energisch eine gute Lage der Stabilität und Einigkeit in Tibet zu entwickeln und entschlossen die nationale Einheit und staatliche Sicherheit zu sichern."

1951 marschierten die Soldaten in Lhasa ein

Es begann schon mit einem Missverständnis. Als im Oktober 1951 weitere 20 000 Soldaten in Lhasa einmarschierten, klatschte die tibetische Bevölkerung nicht als Beifallsbekundung in die Hände, sondern um böse Geister zu vertreiben - so wie Tibeter es immer schon getan hatten. Die Soldaten trugen chinesische Nationalflaggen und Porträts von Mao Tsetung und Zhou Enlai. Ihr friedlicher Einzug in Lhasa war die logische Konsequenz des unter Zwang unterzeichneten 17- Punkte-Abkommens vom Mai 1951, das der Unabhängigkeit Tibets ein Ende gesetzt hatte, vom Dalai Lama aber später verworfen wurde.

Die Chinesen begannen mit dem Aufbau der Infrastruktur, errichteten mit tibetischen Arbeitern ein Straßennetz, das Tibet mit chinesischen Städten verband. Mao Tsetung trennte die östlichen Provinzen Kham und Amdo von Tibet ab und gliederte sie in chinesische Provinzen ein. Chinesische Schulen wurden eröffnet, tibetische Kinder zur Schulung nach China geschickt. Immer mehr Militärlager entstanden. Die Soldaten mussten versorgt werden, was mangels ausreichender Straßen und Flugplätze immer schwieriger wurde. Im Frühjahr 1952 waren die Getreidespeicher leer, Hunger drohte. Die Tibeter machten die Eindringlinge dafür verantwortlich.

Peking etablierte eine verhasste Zwangsherrschaft

Während der Hass wuchs, entwickelte sich die chinesische Präsenz immer mehr zur Zwangsherrschaft. Erste Aufstände brachen aus, ein Widerstandskampf entwickelte sich. Während des Volksaufstandes im März 1959 flüchtete der Dalai Lama, das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter, ins Exil nach Indien. "Die Welt muss wissen, dass die Tibeter in ihrer langen Geschichte niemals akzeptiert haben, ein Teil von China zu sein", sagt der Dalai Lama heute, fordert aber nicht mehr die Unabhängigkeit Tibets, sondern Autonomie.

Mönche und Nonnen werden in Haft gehalten

So hält der Widerstand in Tibet gegen die fremden Chinesen bis heute an. Peking reagiert mit einer "patriotischen Erziehungskampagne". Zu Jahresbeginn saßen 266 politische Gefangene in Tibets Gefängnissen, davon drei Viertel Mönche und Nonnen, berichtet das Tibet Informationsnetzwerk (TIN) in London. Das sei "nur ein kleiner Teil jener, die aus ihren Klöstern ausgestoßen wurden oder aus Tibet geflohen sind". Die Philosophie der Volksfreiungsarmee gegenüber den Unabhängigkeitskräften gab ein junger chinesischer Soldat auf dem Weg zum Dienst in Tibet so wieder: "Wenn sie eine kleine Bewegung haben, antworten wir mit einer großen Bewegung."

Von Andreas Landwehr, dpa


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