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Bonmots von Mark Twain: "Deutsch ist wie Zahnziehen"

Einer, der schon vor 125 Jahren zu wissen glaubte, dass die deutsche Sprache Reformen braucht, war Mark Twain. Der amerikanische Autor schlug in seinem Buch "Bummel durch Europa" etwa vor, den Dativ abzuschaffen.

Der amerikanische Autor Mark Twain hat Lesern nicht nur die weltbekannten Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn am Mississippi gebracht. "Die schreckliche deutsche Sprache" war ein Aufsatz, der 1880 nach Twains langen Reisen in seinem Buch "Bummel durch Europa" erschien. Twain (1835-1910) hangelt sich darin gewohnt scharfzüngig durch die Fußangeln der deutschen Sprache. Zusammengesetzte Wörter, Paranthesen, das Warten auf das Verb am Ende des Satzes - "das erinnert an Zahnärzte, die Dich in atemloser Spannung halten, sobald sie einen Zahn mit der Zange packen, und dann innehalten, um erstmal eine weitschweifige Anekdote zu erzählen, ehe der gefürchtete Ruck kommt", schrieb er. "Diese Sprache braucht Reformen."

Dativ-Abschaffung und Zwangspausen bei der Aussprache

Twain schlug vor, den Dativ abzuschaffen und bei der Aussprache langer Wörter Zwangspausen für Erfrischungen zu verordnen. Die Früchte seines wochenlangen Kampfes mit der deutschen Sprache trug er augenzwinkernd beim Dinner eines anglo-amerikanischen Studenten-Clubs vor: "Wenn aber man kann nicht meine Rede verstehen, so werde ich ihm später dasselbe übersetz, wenn er solche Dienst verlangen wollen haben werden sollen sein hätte".

Auch um die englische Sprache machte Twain sich verdient, mit Bonmots, die heute als geflügelte Worte gelten. "Nichts muss so dringend geändert werden wie die Angewohnheiten anderer Leute" stammt aus seiner Feder. Oder: "Es gibt nur ein Problem, das schwieriger ist, als Freunde zu gewinnen: sie wieder loszuwerden." Und als Twain berühmt und gefeiert war, kam er ungeschoren auch mit Fiesheiten davon: "Mal angenommen, Sie sind ein Idiot, und mal angenommen, sie sind Kongressmitglied - aber ich wiederhole mich ja..".

Twain, mit echtem Namen Sam Clemens, wuchs in Hannibal (Missouri) am Mississippi auf. Besucher wandeln dort auf den Spuren der Helden von "Tom Sawyers Abenteuer" (1876) und "Die Abenteuer Huckleberry Finns" (1884). Die Bücher sind bis heute Pflichtlektüre in amerikanischen Schulen, selbst in den oberen Klassen, die Twains scharfe Gesellschaftsbeobachtungen und virtuose Sprache analysieren. Twain verarbeitete darin viele Erinnerungen aus seiner Kindheit. "Wir hofften, Gott würde uns erlauben, Pirat zu werden, wenn wir uns gut benehmen", schrieb er in seiner Autobiografie.

"Meine Mutter hatte ziemlich viel Ärger mit mir"

Dass Twain sich selbst als Vorlage für den lausbübischen Tom Sawyer nutzte, wird darin deutlich: "Mein Vater und ich bewahrten Distanz, eine Art bewaffnete Neutralität, die ab und zu gebrochen wurde, was Leiden mit sich brachte. Aber ich will offen sein: Das Brechen und Leiden verlief immer nach gleichem Muster: Mein Vater brach die Neutralität, ich litt", schrieb er. "Meine Mutter hatte ziemlich viel Ärger mit mir, aber ich glaube, sie genoss es. Mit meinem Bruder Henry gab es keinen Ärger, aber die Monotonie seines Gutseins und Gehorsams wären eine Bürde für sie gewesen, wenn ich nicht die Abwechselung geliefert hätte."

Am Mississippi-Ufer in Hannibal ist es einfach, sich Tom und Huck mit ihrem Floß vorzustellen oder das Piratenlager auf der Jackson- Insel in der Flussmitte. Die berühmte Höhle, in der Tom und seine Freundin Becky sich verliefen, ist in der Nähe auch zu besuchen. In dem Städtchen steht noch das Haus, in dem Twain aufwuchs. Die kleinen Räume, die ärmliche Einrichtung - das alles ist nicht original, aber authentisch aus Twains Zeit. Rund eine halbe Million Besucher kommt im Jahr nach Hannibal, viele davon auf der Suche nach der guten alten Zeit. Twain selbst hielt wenig von Nostalgie, und bedachte solche Anwandlungen gern mit satirischen oder sarkastischen Bemerkungen. Er kam nach seinem Wegzug im Alter von 17 nur selten zurück.

Lotse auf dem Mississippi

Twain zog es als Abenteurer erst an die Westküste, als Korrespondent nach Hawaii, schließlich 1867 nach Europa und in den Nahen Osten. Dann ließ er sich an der Ostküste nieder. Nach Hannibal kam er zuletzt 1902, als die Stadt den berühmten Autor mit großem Bahnhof feierte. Die Erfahrungen des Mississippi trug er in seinem Künstlernamen immer mit: "Mark" und "Twain" stammen aus der Sprache der Bootslotsen. Mark ist eine Einheit für Wassertiefe (rund 1,80 Meter), Twain bedeutet zwei. Mark Twain war selbst mal Lotse auf dem Mississippi.

Christiane Oelrich/DPA / DPA
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