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Ein Doodle für die Brüder Grimm: 200 Jahre Rotkäppchen und Rapunzel

Es ist eines der meistgelesenen Bücher der Welt, übersetzt in mehr als 170 Sprachen: Am 20. Dezember 1812 erschien der erste Band der "Kinder- und Hausmärchen" von Jacob und Wilhelm Grimm.

Kinder lieben sie, Wissenschaftler erforschen sie und Hollywood verfilmt sie in regelmäßigen Abständen: Die von den Brüdern Jacob und Wilhelm Grimm gesammelten und editierten "Kinder- und Hausmärchen" (KHM) gehören zu den meistgelesenen Geschichten der Welt. Heute vor 200 Jahren erschien der erste Buchband - für Google Grund genug, zum Jubiläum das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf in 22 Zeichnungen zu erzählen.

Eigentlich sollten die Brüder Grimm für die Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn" der Romantiker Clemens Brentano und Achim von Arnim Lieder und Märchen zusammentragen und überarbeiten. Doch weil die Auftraggeber das Material nicht nutzten, führten Jacob und Wilhelm Grimm das Projekt in Eigenregie weiter - und schufen so ein Werk, das in mehr als 170 Sprachen übersetzt und von der Unesco zum Weltdokumentenerbe erklärt wurde. Sie nutzten eine Sprache, die kindgerecht und an den Duktus der Lutherbibel angelehnt war.

Jacob und Wilhelm Grimm arbeiteten nicht nur als Märchensammler, sondern auch als Sprachforscher. Sie gelten als die Begründer der Germanistik und verfassten das "Deutsche Wörterbuch" und die "Deutsche Grammatik". Experten messen ihnen eine ebenso große Bedeutung bei wie Goethe oder Schiller. Die Brüder Grimm wurden in Hanau geboren, verbrachten jedoch die meisten ihrer (Arbeits-)Jahre in Kassel. Dort haben auch viele der gesammelten Märchen ihren Ursprung.

Märchen als Basis für die nationale Einheit

Sie erzählen von Hexenhäuschen, vergifteten Äpfeln und zu Raben gewordenen Brüdern. Sie belohnen die Guten, bestrafen die Bösen. Sie beweihräuchern Tugenden wie Bescheidenheit, Fleiß und Tapferkeit. So schufen die Brüder Grimm mit ihrer poetisch-romantischen Vorstellung des noblen Menschen Geschichten, die eine Basis für das damals noch zerflickte Deutschland bildeten.

Und auch heute inspirieren die Märchen Autoren und Regisseure zu eigenen Interpretationen: Die Abenteuer des grünen Oger "Shrek" flimmern in Kinderzimmern weltweit über den Bildschirm, in "Snow White and the Huntsman" bekriegten sich Charlize Theron und "Twilight"-Star Kristen Stewart Anfang dieses Jahres auf der Kinoleinwand und in Cornelia Funkes jüngster Jugendbuchserie "Reckless" geraten die Helden in eine Welt hinter dem Spiegel, wo das Grimmsche Figurenkabinett wuselt.

Der 20. Dezember markiert auch den Beginn des Grimm-Jahres, denn 2013 jähren sich die Todestage von Jacob (20. September) und dem „Maler-Bruder“ Ludwig Emil Grimm (4. April) zum 150. Mal. Vom 27. April bis 8. September läuft in der documenta-Halle die Ausstellung "Expedition Grimm", die Manuskripte und Erinnerungsstücke der beiden zeigt.

Nicole Wehr
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