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Felicitas Hoppe erhält Büchner-Preis Nach dem Jury-Anruf noch schnell ein Friseurtermin


Ihre eigene Autobiografie hat Felicitas Hoppe schon geschrieben. Kein Seelenstriptease, sondern eine gelungene Mischung von Wahrheit und Fiktion, Selbsterkenntnis und Rollenspiel. Der Büchner-Preis erwischte sie trotzdem kalt.

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe erhält den Georg-Büchner-Preis 2012. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Er soll am 27. Oktober in Darmstadt verliehen werden.

Hoppes Debüt war 1996 der Band "Picknick der Friseure". "Seither hat sie in Romanen, Erzählungen und Essays die Welt der Abenteurer und der Hochstapler, der Entdecker und der Taugenichtse erkundet", begründete die Jury ihre Entscheidung. Die Autorin zeichne sich durch eine "lakonische und lyrische, eigensinnige und uneitle Prosa" aus. "In einer Zeit, in der das Reden in eigener Sache die Literatur immer mehr dominiert, umkreist Felicitas Hoppes sensible und bei allem Sinn für Komik melancholische Erzählkunst das Geheimnis der Identität."

Die 51 Jahre alte Autorin zeigte sich "absolut überrascht und überwältigt" von der Auszeichnung. "Das ist wirklich eine sehr große Freude und Ehre, aber es ist auch eine Last", sagte sie in Berlin. Die Auszeichnung sei durch ihre lange Tradition und die großen Namen früherer Preisträger eine besondere Verantwortung. "Es gibt ja inzwischen Preise wie Sand am Meer, aber dieser ist doch der schönste und renommierteste Literaturpreis in Deutschland", sagte Hoppe.

Hoppe gab sich selbst ein neues Leben

Zu ihren Werken gehören das Reisebuch "Pigafetta" (1999), der Roman "Paradiese, Übersee" (2003), die Porträtgalerie "Verbrecher und Versager" (2004), die moderne Legende von der heiligen "Johanna" (2006), und die Neuerzählung des Ritterromans von "Iwein Löwenritter" (2008). Zuletzt erschien die fiktive Autobiografie "Hoppe".

Die Autorin wurde 1960 in Hameln an der Weser geboren. Sie studierte nach Angaben der Akademie ab 1980 Literaturwissenschaften, Rhetorik, Religionswissenschaften, Italienisch und Russisch an Universitäten in Hildesheim, Tübingen, Eugene/Oregon (USA) sowie in Berlin und Rom. Seit 1996 lebt sie in Berlin als freie Schriftstellerin. Zuvor hatte sie als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache unter anderem für das Goethe-Institut gearbeitet.

Den Büchner-Preis erhielten die renommiertesten Autoren der deutschsprachigen Literatur, wie Gottfried Benn (1951), Erich Kästner (1957), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967), Friedrich Dürrenmatt (1986). Im vergangenen Jahr wurde Friedrich Christian Delius ausgezeichnet. Damals feierte die Deutsche Akademie "60 Jahre Georg-Büchner-Preis".

Auszeichnung mit Vergangenheit

Erstmals verliehen wurde der Preis am 11. August 1923 vom "Volksstaat Hessen", damals "an bildende Künstler, an Dichter, an Künstler, an hervorragende ausübende Künstler, Schauspieler und Sänger". 1951 wurde die Auszeichnung in einen Literaturpreis umgewandelt und der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung zur Verfügung gestellt.

Der Namensgeber Georg Büchner war deutscher Revolutionär und Dramatiker ("Dantons Tod", "Woyzeck"). Der wegweisende Autor des 19. Jahrhunderts starb mit nur 23 Jahren am 19. Februar 1837 im Exil in Zürich an Typhus.

jwi/DPA DPA

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