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Festakt: Leipziger Buchmesse öffnet ihre Pforten

Mit einem Festakt im Gewandhaus ist die Leipziger Buchmesse 2007 eröffnet worden. Die Redner übten dabei Kritik an den Verhältnissen in Russland.

Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse nahmen der deutsche Publizist und Autor Gerd Koenen und der russische Philosoph Michail Ryklin den mit insgesamt 15.000 Euro dotierten Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung entgegen. Die Laudatio hielt die Moskauer Kulturkorrespondentin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Kerstin Holm. Bis Sonntag präsentieren in Leipzig 2348 Verlage aus 36 Ländern ihre Neuerscheinungen. Europas größtes Lesefest "Leipzig liest" bietet außerdem rund 1900 Lesungen und Diskussionen mit prominenten Autoren.

Die Messe verzeichnet eine Rekordbeteiligung, in der Buchbranche herrscht verhaltener Optimismus. Nach einer Studie des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gehen gut 25 Prozent der Buchhändler von einer guten bis sehr guten Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr aus. Etwa die Hälfte rechnet mit durchschnittlichen Umsätzen, sagte Vorsteher Gottfried Honnefelder.

Kritik an Russland

Die Preisträger Koenen und Ryklin übten zum Auftakt scharfe Kritik an den Verhältnissen in Russland. "Es ist kein Land, in dem Gesetze eingehalten werden und ein Dialog zwischen Bürgern und Staatsmacht möglich ist", sagte Ryklin. Er forderte von Europa Unterstützung beim Aufbau wirklicher Demokratie. Wie Koenen kritisierte er das Verhalten europäischer Politiker, wenn Wirtschaftsinteressen mit langfristigen Grundsätzen in Widerspruch geraten. "Zu vieles wurde unter vier Augen abgesprochen, zu oft sind Politiker wie Privatpersonen aufgetreten", sagte Ryklin mit Verweis auf Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Für Koenen ist das Großmachtstreben Russlands, dessen Bruttosozialprodukt lediglich dem von Italien gleiche, unangemessen. "Es müsste seine reichen menschlichen Potenziale und natürlichen Ressourcen in eine breiter angelegte, selbst tragende zivile Entwicklung stecken, um wirkliche Stabilität zu gewinnen." Stattdessen investiere es in überdimensionierte Machtapparate.

Der Preis für Europäische Verständigung wird seit 1994 von der Stadt Leipzig, dem Freistaat Sachsen und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Geehrt werden damit Persönlichkeiten, die sich um die Verständigung in Europa verdient gemacht haben. Koenen ist der erste deutsche Preisträger. Er wurde für sein Buch "Der Russland-Komplex" (C.H.Beck) ausgezeichnet, Ryklin für seinen Essay "Mit dem Recht des Stärkeren" (edition suhrkamp).

Börsenvereins-Chef Honnefelder hatte zuvor für die Verknüpfung der Buchbranche mit der digitalen Welt geworben. "Eines ist klar: die Zukunft liegt im Netz", sagte er. Bücher würden auch digital nutzbar, eine eigene Datenbank und deren Suchmaschine seien im Aufbau. Diese "Volltextsuche online", in die derzeit Texte eingegeben werden, bilde eine solide Basis für alle weiteren digitalen Entwicklungen in Verlag und Buchhandel.

DPA