HOME

NEUERSCHEINUNG: »Hier spricht Edgar Wallace«

Mit diesem Satz begannen die legendären Edgar-Wallace-Filme. Was sie so erfolgreich machte, beschreibt Joachim Kramp in seinem Buch.

Ende der 50er Jahre bis Anfang der 70er boomten in den deutschen Kinos Edgar-Wallace-Filme. Wer erinnert sich nicht an die markerschütternden Schreie, die durch die Londoner Nebelnacht schallten, und die blechern klingende Stimme dazu: »Hallo - Hier spricht Edgar Wallace!«. Spannung pur war angesagt. Der saarländische Bankkaufmann, Filmtheater-Beschäftigte und Autor Jochim Kramp (45) erzählt in einem neuen Buch die Erfolgsstory der 40 deutschen Edgar-Wallace-Filme von 1959 bis 1972 und kommentiert kenntnisreich ihre Entstehung, Hauptfiguren und Gags.

Kramp war noch ein kleiner Schuljunge, als er 1968 auf einer großen Filmleinwand mit dem »Hund von Blackwood Castle« den ersten Zelluloid-Streifen aus der Reihe sah. Getreu dem damaligen Werbeslogan - »Es ist unmöglich, von Edgar Wallace nicht gefesselt zu sein« - las er sich durch alle Edgar Wallace-Bücher, sah alle Filme, sammelte Plakate und Fotos dazu. Sein gerade im Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf erschienenes Buch »Hallo - Hier spricht Edgar Wallace!« (ISBN 3-89602-368-3) mit 308 Seiten, 532 Schwarz-Weiß- und 84 Farbfotos enthält auch etliche Informationen über das Geschehen hinter den Kulissen.

Der am 1. April 1875 in Greenwich geborene Schauspieler-Sohn Richard Horatio Edgar Wallace, der sich als Überlebenskünstler vom Zeitungsverkäufer zum Chefredakteur und erfolgreichen Krimiautor emporarbeitete, hat vor allem der Polizeiorganisation Scotland Yard mit seinen Werken ein Denkmal gesetzt. Seine Gedenktafel steht am Londoner Ludgate, und begraben ist der 1932 in Hollywood Gestorbene in Bourne End, einem kleinen verträumten Ort etwa 40 Meilen nordwestlich von London. Schauspieler wie Joachim Fuchsberger, Klaus Kinski, Siegfried Lowitz, Karin Dor und Gert Fröbe sind untrennbar mit den Wallace-Filmen verbunden.

»Schon Konrad Adenauer war ein Edgar Wallace-Fan. Heute werden die Filme zwar kaum noch im Kino gezeigt, feiern aber dafür im Fernsehen ihre Wiederauferstehung«, erzählt Kramp. Vor mehr als 40 Jahren fiel die Klappe zum ersten Wallace-Film »Der Frosch mit der Maske«. Vor 30 Jahren dann kam der weniger bekannte letzte Film »Das Rätsel des silbernen Halbmonds«. Dazwischen lagen Hits wie »Der Hexer«, »Die Tür mit den 7 Schlössern« und »Der Rächer«.

Erfolgreichster Wallace-Streifen war mit damals 3,8 Millionen Besuchern in Deutschland der 1962 angelaufene Film »Das Gasthaus an der Themse«. Die Produktionskosten betrugen 1,1 Millionen Mark. Zum Vergleich: Ein aktueller Erfolgsfilm wie »Pearl Harbour« hat 135 Millionen Dollar (311 Millionen Mark/159 Millionen Euro) gekostet.

Von Udo Lorenz, dpa

Themen in diesem Artikel