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Neuerscheinungen: Die wichtigsten neuen Sachbücher

stern-Redakteurin Irmgard Hochreither sichtet für Sie die wichtigsten und interessantesten Titel dieses Bücher-Frühjahrs. Von Biokost bis zur literarischen Gourmandise ("Paris geheim") reicht dabei die Bandbreite.

Kaufen Sie im Supermarkt nur noch Bio-Joghurt, Eier von glücklichen Freilandhühnern, Karotten von naturgedüngten Äckern? Dann ist "Biokost & Ökokult" (Piper, 14 Euro) von Dirk Maxeiner und Michael Miersch das perfekte Aufklärungsbuch für Sie. Die Autoren hauen uns darin unser gutes Gewissen ganz schön um die Ohren. Und entlarven die Bio-Siegel als Marken-PR, die vor allem auf die Sehnsüchte der Kundschaft zielt. Auch wenn's nicht in unser Öko-Weltbild passt: Bio ist häufig Mist. Und Wahrheit ohne ideologische Scheuklappen kann manchmal ganz schön wehtun.

Margherita Sarfatti - Jüdin, Faschistin, Salondame

Sie war die Tochter einer reichen jüdischen Familie aus Venedig, die Geliebte von Benito Mussolini und führte einen Salon, in dem sich die Großen aus Politik und Kultur trafen. Einstein spielte Geige für sie, Roosevelt lud sie zum Tee ins Weiße Haus. In "Margherita Sarfatti - 'Ich habe mich geirrt. Was soll's'" (Atrium, 22,90 Euro) zeichnen Marianne Brentzel und Uta Ruscher das Leben einer faszinierenden Strippenzieherin nach, die voller Widersprüche steckte und in der Zeit des Faschismus zum Medienstar aufstieg.

Literarische Entdeckungsreise mit Georg Stefan Troller

Wer einen Trip in die französische Hauptstadt plant, sollte auf keinen Fall ohne dieses Buch losfahren. Denn "Paris geheim" (Artemis & Winkler, 19,90 Euro) ist nicht nur eine literarische Gourmandise. Georg Stefan Troller, der seit 1949 an der Seine lebt, flaniert mit dem Leser durch die Stadt und öffnet ihm die Augen für die aufregenden Orte jenseits von Eiffelturm und Champs-Élysées. Eine lustvolle Entdeckungsreise für Fortgeschrittene.

"Schuhhaus Pallas" - Amelie Frieds Familiengeschichte

Nur durch einen Zufall überlebte der jüdische Großvater den Nazi-Terror, doch die psychischen Wunden heilten nie. In "Schuhhaus Pallas" (Hanser, 14,90 Euro) macht sich Amelie Fried auf Spurensuche nach den Geheimnissen ihrer Familie, die unter Hitlers Diktatur als "Stören-Frieds" gebrandmarkt wurden.

Deutschland Schwarz Weiß - der ganz alltägliche Rassismus

Dass es Rassismus gibt in unserem Land, darüber muss man nicht streiten. Doch wie viel rassistisches Verhalten steckt in jedem von uns? Als schwarze Deutsche öffnet Noah Sow ihren weißen Mitbürgern die Augen für die ganz alltäglichen Demütigungen, die auch hinter vermeintlichen Nettigkeiten lauern. "Ich bin verdammte 25", schreibt die Autorin, "und fremde Menschen fassen immer noch ohne zu fragen meine Haare an und erzählen mir, wie süß doch 'Schokokinder' sind". "Deutschland Schwarz Weiß" (C. Bertelsmann, 14,95 EUR) ist ein kluges, ein wichtiges Buch. Weil es auch den selbstgefälligen Gutmenschen die Chance gibt, den eigenen Unzulänglichkeiten auf die Schliche zu kommen.

"Der Orientalist" - ein literarisches Road-Movie

Von Aserbaidschan über Berlin bis nach Hollywood, Wien und Positano führte die Spurensuche nach einer der geheimnisvollsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Was Tom Reiss dabei über Essad Bey, den Spross einer reichen jüdischen Familie aus Baku, herausgefunden hat, erzählt der New Yorker in seinem brillanten Historien-Tableau "Der Orientalist" (Osburg-Verlag, 25,90 Euro). Ein farbenprächtiges literarisches Road-Movie über einen Schriftsteller, der sich selbst immer wieder neu erfunden hat.

"Der Kaffeeklatsch - die Stunde der Frauen"

Die Herren der Schöpfung haben ihn schon immer mit einer Mischung aus Spott und Misstrauen bedacht. Doch jetzt hat ihm Katja Mutschelknaus endlich ein amüsantes, höchst aufschlussreiches Denkmal gesetzt: "Der Kaffeeklatsch - die Stunde der Frauen" (Elisabeth Sandmann Verlag, 19,95 Euro) enthüllt das weibliche Kränzchen-Ritual als Keimzelle des Kampfes gegen männliche Dominanz. Kulturgeschichte mit Sahnehäubchen.

"La Paloma" - die Ursonate der Popmusik

Rund um den Globus wurde kein anderes Lied so oft interpretiert. Zum 150. Geburtstag der "Ursonate der Popmusik" haben Sigrid Faltin und Andreas Schäfler die Biografie des Tauben-Songs recherchiert: "La Paloma" (marebuchverlag, 48 Euro, plus vier CDs).

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