NOAH GORDON WIRD 75 Der Karl May des Ärzteromans


Mit der »Medicus«-Trilogie eroberte Noah Gordon eine große Leserschaft. Kurz vor seinem 75. Geburtstag erscheint sein neuer historischer Roman »Der Medicus von Saragossa«.

Medizinische Eingriffe sind die Leidenschaft des Schriftstellers Noah Gordon. Der »Karl May des Ärzteromans« hat sie in seiner »Medicus«-Trilogie durch alle Zeitalter hindurch detailgetreu beschrieben, angefangen vom Handwerk der mittelalterlichen Bader bis zu den hochspezialisierten Chirurgen der Neuzeit. »Ich habe keine literarischen Ambitionen. Ich schreibe weder für Kritiker noch für Käufer, sondern nur für mich selbst«, hat der amerikanische Autor einmal gesagt. Am 11. November feiert er seinen 75. Geburtstag.

Bestseller am Laufenden Band

Aus Versehen sozusagen bescherte diese Leidenschaft dem ehemaligen Wissenschaftsjournalisten einen großen Bekanntheitsgrad. Von dem Roman »Der Medicus« (deutsch 1987), der Geschichte des schottischen Waisenjungen Rob Jeremy Cole, der in Persien die Heilkunst studiert, wurde weltweit eine Millionenauflage verkauft. Der Nachfolgeband »Der Schamane« (1992) folgt den Nachkommen Coles in den amerikanischen Bürgerkrieg und blieb zwei Jahre lang ohne Unterbrechung auf der Bestseller-Liste des »Spiegels«. Der dritte Band »Die Erben des Medicus« spielt in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts und erschien 1995.

Großer Erfolg in Europa

Der Erfolg hat den in Massachusetts geborenen Sohn jüdisch- russischer Einwanderer nicht übermütig gemacht. Zusammen mit seiner Frau lebt der Vater von drei erwachsenen Kindern weiter in bescheidenem Verhältnissen in Neuengland. »Luxus ist, dass ich mir um Geld keine Sorgen zu machen brauche«, meinte er einmal. In seinem eigenen Land ist er nicht so bekannt wie in Europa, wo er mit Literaturpreisen und Auszeichnungen bedacht wurde und wo er auf der Straße Autogramme geben muss. In den USA erkennt ihn niemand.

Auch wenn ihm Kritiker gern vorwerfen, seine Romane ließen an sprachlicher Feinheit zu wünschen übrig, so kann man Gordons historischen Romanen den Unterhaltungswert kaum absprechen. Vier Jahre lang braucht der Autor normalerweise für einen Roman, ein Jahr allein für die Vorbereitungen. Für sein jüngstes Buch »Der Medicus von Saragossa« (1999), das im Spanien der Inquisition des 15. Jahrhunderts spielt, ist er an die Schauplätze gefahren. Der packend geschriebene Band trägt den englischen Titel »The Last Jew« und thematisiert die Judenverfolgung und Zwangschristianisierung der Zeit.

Visionen einer harmonischen Welt

Im Mittelpunkt des neuen Bandes steht der Überlebenswille des jüdischen Jungen Jona, der inmitten des politischen und sozialen Chaos am Ende seinen Frieden findet. Gordons jetziger deutscher Verleger Karl Blessing, der ihn in den 80er Jahren für den Verlag Droemer Knaur entdeckte, attestierte dem Autor einmal, er sei ein »zutiefst humaner Erzähler«. Seinen Lesern führe er die Vision einer letztlich harmonischen Welt vor Augen. Obwohl er über das Pensionsalter hinaus ist, hat Gordon viele Pläne. Eine moderne Liebesgeschichte, einen weiteren historischen Roman und vielleicht ein paar Kinderbücher will er noch schreiben.


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