HOME

Ramsauers Kampf gegen Anglizismen: Man spricht Deutsch

Der Verkehrsminister hat den Anglizismen den Kampf angesagt. Da hat der bayerische Sprach-Terminator im Denglisch-Dollhaus Deutsche Bahn viel zu tun. Über falsches Englisch und verbale Unsitten.

Von Mark Stöhr

Im Verkehrsministerium wird jetzt also wieder Deutsch gesprochen. Peter Ramsauer, CEO der Behörde, hat seine Team Manager angewiesen, in Zukunft auf Anglizismen jedweder Art zu verzichten. Ein erster Anfang ist schon gemacht: "Travel Management" heißt jetzt "Reisestelle", "Task Forces" sind nun das, was sie immer waren - "Projektgruppen" nämlich – und "Inhouse Meetings" werden in "hauseigene Seminare" zurückgetauft. So klingen sie allerdings mehr nach Töpfern oder Topfschlagen unter therapeutischer Aufsicht.

Es gibt noch viel zu tun für den Sprach-Terminator von der CSU, denn außerhalb seines Hauses fängt das Elend erst richtig an. Tatort Bahnhof, Denglisch-Dollhouse Deutsche Bahn. Der "Service Point" wartet auf seine Umbenennung in "Informationsstelle", über "call a bike" könnte man auch schön und gut ein Schild mit "Fahrradvermietung" nageln. "Rail & fly" führt seit seiner Erfindung gerade bei angelsächsischen Fahrgästen regelmäßig zu ungläubigem Kopfschütteln: "schimpf und fliege"? Das mag in der Sache sicherlich zutreffend sein angesichts des Dauer-Stop-and-Gos im Zugverkehr, aber mit der Bahn zum Flieger kommt man zumindest terminologisch anders.

Hat Ramsauer recht - sollen wir alle englischen Begriffe eindeutschen?

Der Verein Deutsche Sprache (VDS) hat den Vorstoß des Ministers naturgemäß begrüßt. Seit 1997 angeln sich die Sprachhüter aus Dortmund Anglizismen und suchen nach deutschen Entsprechungen. Das "Laptop" ist ein "Klapprechner", der "Scanner" ein "Abtaster", der "Cheeseburger" ein "Käsehamburger" und der "Toast" ein "Röstbrot". Man muss ihnen zufolge auch nicht unbedingt "scrollen", sondern kann auch schlicht "rollen", wer "tickert", kann genauso gut "fernschreiben" dazu sagen, und wer "twittert", "blitzbloggen". Aber ist die "Disco" tatsächlich das gleiche wie ein "Tanzlokal"? Bisweilen erinnert die zwanghafte Eindeutschung englischstämmiger Begriffe an die Wortwitze in der untergegangenen DDR: "Auslegware" für "Teppichboden" und "Brettsegeln" für "Surfen".

Das Problem beim Denglischen ist oft, dass die Benutzer Deutsch halbwegs beherrschen, aber Englisch mal so gar nicht. Ein Ladenbesitzer etwa, der es cool, nein, kühl findet, eine stinknormale Tragetasche nicht "Tragetasche" zu nennen, sondern "body bag", bietet im eigentlichen Sinne des Wortes einen Leichensack an. Das bei sportlichen Großereignissen hierzulande so beliebte "public viewing" ist unter Briten gänzlich unbekannt, Amerikaner verstehen darunter die öffentliche Aufbahrung toter Berühmtheiten. Und wer im Kino einen "Blockbuster" guckt statt eines "Kassenschlager", sollte sich bewusst sein, dass im Zweiten Weltkrieg vielen wegen der berüchtigten "Wohnblock-Knacker" Hören und Sehen verging.

God be thank, ist unsere politische Elite ausgesprochen polyglott und weiß, wovon sie spricht. Guido Westerwelle, in Foren nur noch "the german outside minister", parliert auf dem diplomatischen Parkett bekanntlich flüssig in Deutsch wie in Englisch. Und Günther "We are all sitting in one boat" Oettinger, der zukünftige Energie-Kommissar in Brüssel, brachte es aufgrund seiner Sprachkompetenz sogar zum YouTube-Star. Er kann, was sonst keiner kann: drei Sprachen auf einmal. So viel Multitasking, nein, Simultanerledigung kann sich Verkehrsminister Ramsauer auf seinen Schienen nur wünschen.