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Ratgeber für angehende Popstars: Ein Lindenberg wird nicht gecastet

Der Weg in den Popstar-Himmel scheint durch den Boom der Casting-Shows denkbar kurz. Doch Produzentin Christina Drewing findet die Bands austauschbar und schwört auf Unverwechselbarkeit. Deshalb hat sie für Newcomer einen Ratgeber verfasst.

Sie tummeln sich überall im Musikgeschäft: die Stars. Ob "Superstars" oder "Popstars", mittlerweile scheint jeder ein Star, der ein Mikrofon halten und einigermaßen singen kann. Nach erfolgreich absolvierter Castingshow verschwinden die vermeintlichen Popgrößen aber oft nach nur ein oder zwei Plattenveröffentlichungen wieder in der Versenkung, von langfristiger Karriereplanung keine Spur. Die Musikerin, Produzentin und Journalistin Christina Drewing, die selbst lange Jahre durch die Instanzen der Musikindustrie marschieren musste, will junge Talente anders nach vorne bringen: "Die wahren deutschen Superstars und wie alles beginnt" lautet der Titel ihres Musiker-Selbsthilfe-Buches, mit dem sie Starthilfe geben will.

"Junge Bands verlieren Individualität und Unverwechselbarkeit"

"Da werden junge Leute, die Spaß an der Musik haben, durch die Musikmaschinerie gedreht, ohne Rücksicht auf Verluste", kritisiert Drewing das Vorgehen in Teilen der Branche. "Die jungen Bands und Musiker verlieren dabei völlig ihre Eigenständigkeit, ihre Individualität, ihre Unverwechselbarkeit." Darauf komme es bei wahren Stars aber doch gerade an, sagt sie und verweist auf deutsche Musikergrößen wie Udo Lindenberg oder Xavier Naidoo. Die kommen auch in ihrem "Superstar"-Buch zu Wort, neben Branchenkennern wie Radio- und Fernsehmoderatorin Stefanie Tücking, den Bandmitgliedern von Juli und Silbermond, Popakademie-Leiter Udo Dahmen, Musikjournalisten- und managern, PR-Leuten, Produzenten, Studiotechnikern.

Auf 368 Seiten hat Drewing alles zusammengetragen, was den ambitionierten Musikernachwuchs interessiert: Tipps zur Nachwuchsförderung, zur Öffentlichkeitsarbeit und zum Web-Auftritt, wie man als Band originell bleibt und den eigenen Stil findet, rechtliche Aspekte, Umgang mit Rechteverwertern wie der GEMA und der Weg zur professionellen Aufnahme. Dazu präsentiert Drewing Biografien erfolgreicher deutscher Musiker von BAP über Kraftwerk bis zu Westernhagen, Konzertberichte, Fanstorys, Interviews und Ratschläge, Ratschläge, Ratschläge.

Lern-CDs zu Songaufbau, Harmonielehre und Instrumenteneinsatz

Besondere Zugabe sind zwei Lern-CDs. Darauf finden sich Tipps zu Songaufbau, Harmonielehre und Instrumenteneinsatz, wie man eigene Musik entwickelt und Vorstellungen von jungen Bands mit Beispielsongs von Dance-Pop bis Hardrock. "Ein Buch, das man nicht nur gierig "herunterliest", sondern mit dem man (im wahrsten Sinne des Wortes) auch etwas anfangen kann", schreibt SWR-1-Moderator Matthias Holtmann im Vorwort.

Manche der Texte, die junge Musiker animieren und motivieren sollen, wirken dabei allerdings etwas sehr idealistisch und leicht weltfremd. Die Interviews mit Showgrößen sind teils gelungen, teils erinnern sie an Arbeiten aus dem Grundseminar junger Nachwuchsschreiber - gut gemeint, aber zu nah dran am Objekt.

Ansporn, dass es trotz etlicher Rückschläge doch klappen kann

Eine Stärke sind die vielen Wegweiser durch den Dschungel der Musikbranche und die praktischen Hilfen; die Biografien von Künstlern, die es geschafft haben, können für manchen Newcomer Ansporn sein, dass es trotz etlicher Rückschläge doch klappen kann. "Ich selbst musste auch viele Jahre hart dafür kämpfen, bis ich im Profi-Lager angekommen war und arbeite inzwischen mit zwei namhaften Produzenten zusammen, darunter Carlos Perón, dem Yello-Gründer. Deshalb: Nie die Hoffnung aufgeben! Das soll das Buch vermitteln: Leute macht weiter, arbeitet permanent an euch und vor allen Dingen: glaubt an Euch", sagt Drewing.

Wenn junge Musiker sich trauen, das dicke Buch in die Hand zu nehmen, darin zu stöbern, Neues zu entdecken, Ratschläge anzunehmen und umzusetzen, dann kann das Werk sicher etlichen von ihnen helfen, Enttäuschungen zu vermeiden und einen Schritt weiter zu kommen. Ob sie dann wirklich irgendwann einmal echte Stars werden, steht aber auf einem anderen Blatt.

Patrick T. Neumann/DPA / DPA