Rekord-Potter "Harry Potter" sorgt für magischen Run


Der berühmteste Zauberlehrling der Welt hat erneut die Buchwelt in einen magischen Taumel versetzt: Nach dem Verkaufsstart der 6. deutschen Ausgabe müssen schon wieder neue Exemplare gedruckt werden.

Die Nachfrage sei umwerfend, die vom Buchhandel vorbestellten zwei Millionen Exemplare seien ausgeliefert, sagte Klaus Humann vom Carlsen Verlag in Hamburg. Der Internet-Buchhändler amazon.de lieferte über 240.000 vorbestellte Bände aus - bisher einmalig in der Firmengeschichte.

In ganz Deutschland öffneten Buchhandlungen am Samstag bereits um Mitternacht; zu Zauberpartys und Hexenfrühstück trafen sich tausende Fans. Regen und herbstliches Schmuddelwetter dürften laut Humann den Absatz von "Harry Potter und der Halbblutprinz" positiv beeinflussen. Er sprach von einem "Traumtag".

Die Buchhandelskette Hugendubel geht davon aus, dass der 1. Oktober der umsatzstärkste Tag des Jahres sein wird. Von "Harry Potter 5" seien vor zwei Jahren am ersten Verkaufstag 10.000 Exemplare über den Ladentisch gegangen, sagte ein Hugendubel-Sprecher. Dieses Mal seien es mehr.

Die größte Harry-Potter-Party fand auf Burg Satzvey bei Euskirchen statt. Auf der Wasserburg kamen zeitweise fast 20.000 teilweise maskierte Potterfans zusammen. Etwa 5000 Menschen harrten bis Mitternacht aus, als der neue Potter-Band endlich zu kaufen war. Nicht nur junge Leser freuten sich. "Ich werde wohl die ganze Nacht nicht schlafen und hoffe, dass ich morgen früh das Buch durch habe", sagte Barbara Blömeke. "Mein Mann passt extra auf den dreijährigen Sohn auf, damit ich lesen kann." Zugleich lieferte die Post in Zusammenarbeit mit der Verlagsgruppe Weltbild ab Mitternacht mehr als 100.000 Harry-Potter-Bücher aus. Mehrere 100 Zusteller waren nach Angaben einer Sprecherin freiwillig im Einsatz.

Tausende bei Zauberpartys um Mitternacht

Der Andrang von Harry-Potter-Fans war auch beim Berliner Kulturkaufhaus Dussmann "sehr, sehr, sehr groß" - noch wesentlich größer als bei früheren Bänden, wie eine Verkäuferin berichtete. 500 Karten seien für die Potter-Party ausgegeben worden. Doch hätten noch mindestens 100 Leute vor der Tür gewartet. Auch später war das Interesse ungebrochen, wie es weiter hieß. Schätzungsweise ein Buch pro Minute sei über den Ladentisch gegangen.

In der größten Hamburger Filiale der Buchhandlungskette Thalia lief der Verkauf des Bandes nach Aussage einer Sprecherin "ganz wunderbar, ganz großartig" an. Beim Filialisten Buch Habel in Wiesbaden konnten bereits in der Nacht zum Samstag 360 eingefleischte Potter-Fans ihren sechsten Band erwerben. Die Mitarbeiter hatten die Großbuchhandlung kurzerhand in eine Miniaturausgabe des Zauberschlosses Hogwarts umgebaut. Die teils jugendlichen, teils erwachsenen Gäste mussten verschiedene Prüfungen bestehen, um sich ihren Zaubererausweis zu erwerben.

Eine "wunderschöne Party mit einer Harry-Potter-Rally"

Auch in der Buchhandlung Ludwig auf dem Leipziger Hauptbahnhof trafen sich zur Extraöffnung ab 22.00 Uhr kleine und große Harry-Potter-Fans. Verkürzt wurde den etwa 120 Besuchern die Wartezeit mit einer Zaubershow, einem "phantastischen Musikspektakel" und einem Hogwarts-Quiz. In Bremen veranstaltete die Zentralbibliothek einen "Budenzauber in der Winkelgasse" samt Zauberer aus Hogsmeade. Kleine Muggel konnten sich schminken lassen und bei einem Quiz Harry-Potter-Kenntnisse unter Beweis stellen. Die Mayersche Buchhandlung am Kölner Neumarkt äußerte sich ebenfalls zufrieden. Es habe eine "wunderschöne Party mit einer Harry-Potter-Rally" gegeben, berichete Filialleiterin Darja Friedrich.

Auch auf dem Bildschirm fesselte Harry Potter am Wochenende seine Fans: Die Free-TV-Premiere der ersten Verfilmung bei RTL sahen nach Angaben des Senders 9,94 Millionen Zuschauer. Insgesamt entspreche dies einem Marktanteil von 31,3 Prozent, in der Gruppe der 14- bis 49-Jährigen seien es sogar 46,0 Prozent gewesen.

Auf Seite 2 gibt es einen kurzen Ausblick auf "Harry Potter 6"

Mit Potter 6 beginnt Warten auf Band 7

In der magischen Welt herrscht Angst, seitdem allen klar ist, dass Lord Voldemort zurück ist. Das Zaubereiministerium rät, das Haus nicht allein zu verlassen. Auch bei den Muggels sorgen Besorgnis erregende Ereignisse für Schlagzeilen. "Die Sache ist die, wir befinden uns in einem Krieg", sagt Zaubereiminister Fudge im ersten Kapitel von "Harry Potter und der Halbblutprinz". Der 6. und vorletzte Band der "Harry Potter"- Reihe der britischen Autorin Joanne K. Rowling (40) ist am Samstag auf Deutsch erschienen. Das Buch wurde von Klaus Fritz übersetzt.

Vor diesem düsteren Hintergrund beginnt Harrys sechstes Schuljahr in Hogwarts. Nach den Ereignissen im Ministerium am Ende von Band 5 steht der junge Held mit der Stirnnarbe hier wieder im Mittelpunkt des Interesses - ganz besonders auch bei den Mädchen. Das Thema Liebe spielt in Band 6 eine größere Rolle als zuvor, auch für die nun 16 Jahre alten Freunde Harry, Ron und Hermine. Im Unterricht bekommt Hermine neuerdings Konkurrenz von Harry, der im Fach "Zaubertränke" beim neuen Lehrer glänzen kann - dank eines Buchs, das einmal dem mysteriösen "Halbblutprinzen" gehört hat. Liebes- und Glückstränke sorgen im Laufe der Geschichte für einige recht witzige Situationen.

Rückblenden knüpfen an frühere Bände an

Im 6. Band geht es aber auch um Vertrauen und Verrat. Alte Feindschaften bleiben bestehen: Harry ist von Anfang an überzeugt, dass sein Rivale Draco Malfoy Böses im Schilde führt - doch niemand nimmt das ernst. Trotz verstärkter Sicherheit bleibt die Zauberschule nicht vor tragischen Ereignissen verschont: Am Ende werden die Todesser auch hier ihr Dunkles Mal setzen, und Harry muss sich erneut mit dem gewaltsamen Tod eines nahe stehenden Menschen auseinander setzen. Der zwielichtige Severus Snape zeigt dabei, auf wessen Seite er steht.

Eine direkte Begegnung mit Voldemort bleibt Harry in diesem Band erspart - dafür taucht er mit Professor Dumbledore in die Vergangenheit des Dunklen Lords ein. Die Rückblenden knüpfen an frühere Bände an - allmählich setzen sich so die Teile des Puzzles zusammen. Was Harry dabei erfährt, soll ihm im unausweichlichen Kampf gegen seinen Erzfeind helfen.

Potter ist ernster und reifer geworden

In diesem Band - mit 656 Seiten um einiges kürzer als der Vorgänger - stellt die Autorin die Weichen für das Finale. Das Buch bietet zwar nicht das gleiche Tempo wie die vorigen, wartet aber mit einigen überraschenden Wendungen auf. Rowlings junger Held ist ernster und reifer geworden und zeigt sich am Ende entschlossen, sein Schicksal in die Hand zu nehmen.

Nun heißt es Warten auf Band 7, mit dem die Geschichte von Harry Potter endet. Wie es für den jungen Zauberer dann ausgeht, bleibt offen. Übersetzer Klaus Fritz hat da seine Theorie, "aber ich denke, ich werde trotzdem überrascht werden", sagt der 47-Jährige.

DPA/AP AP DPA

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