HOME

"Alfie": Sex and the City für Männer

Als Womanizer Alfie erobert Jude Law die Frauen im Sturm und verlässt sie noch schneller wieder. Ein moderner Dandy, der viele Liebschaften, aber nicht die Liebe findet.

Auf seiner alten Vespa knattert Alfie (Jude Law) durch Manhattan. Für den Verkehr hat er kein Auge übrig, wie ein Raubtier hat er seine Beute fest im Blick: Frauen. Und diese werden von dem blondierten Dandy magisch angezogen. Sie lächeln, winken oder werfen dem Beau Luftküsse zu. Sogar total verschleierte Iranerinnen verlieren die Beherrschung und zwinkern ihm zu. Alfies Leben besteht aus Flirten, Partys und ist der Jagd nach Frauen gewidmet. Er sammelt sie wie erfolgreiche Sportler Pokale, doch nicht um mit seinen Abenteuern zu prahlen - alles was Alfie tut, tut er für sich allein, für sein Ego.

Emotional unterkühlt

Insgesamt ist das wenig Handlung für einen 103 Minuten langen Spielfilm. Das liegt nicht an Jude Law, der den Herzensbrecher mit Charme und Witz spielt. Das Drehbuch sorgt dafür, dass die Figur emotional unterkühlt bleibt, der Zuschauer keinen Zugang zum Charakter findet. Alfie ist mit seiner gnadenlosen Egotour und seiner narzisstischen Selbstverliebtheit wahrlich kein Sympathieträger. Er erobert ein Frauenherz nach dem anderen und bricht sie fast alle. Auf Julie folgt Nikki, dazwischen Dorie und Lonette und viele Namenlose. Nur Liz (Susan Sarandon), eine clevere und attraktive Geschäftsfrau, zeigt Alfie Grenzen auf. Sie könnte vom Alter her fast seine Mutter sein und zieht ihn dennoch unwiderstehlich an. Doch zu seinem Schrecken denkt Liz über Beziehungen so wie der Playboy. Und obwohl sie die erste Frau ist, die der Herzensbrecher mit Blumen beschenkt, scheitert Alfie. Er erkennt: Nicht erwiderte Liebe schmerzt.

Noch härter trifft Alfie den Verlust seines besten und einzigen Freundes Marlon (Omar Epps). Die beiden arbeiten gemeinsam als Chauffeur und sind wie Brüder. Doch Alfie kann von Marlons großer Liebe Lonette (Nia Long) die Finger nicht lassen. Wie immer scheut Alfie den Konflikt und verheimlicht die Affäre. Als Marlon schließlich selbst dahinter kommt, zerbricht die Freundschaft.

Gescheitertes Remake

Regisseur Charles Shyer versucht mit "Alfie" ein Remake der erfolgreichen Tragikomödie "Der Verführer lässt grüßen" von 1966. Die Modernisierung des charmanten Klassikers scheitert aber, "Alfie" kommt an das Original mit Michael Caine als zynischem Playboy nicht heran. Während Caine in der Rolle als Herzensbrecher weltberühmt wurde, konnte Jude Law als Alfie weder die amerikanischen Kinozuschauer noch die Juroren der zahlreichen Filmfestspiele begeistern.

Brillant ist dagegen die Filmmusik, die von keinem geringeren als Rocklegende Mick Jagger und dem früheren Eurythmic-Mitglied Dave Stewart stammt. Wenn der Rolling-Stones-Frontman Alfies Elend besingt, bekommt dessen Verzweifelung die passende musikalische Untermalung. Und Jagger bekommt ausreichend Gelegenheit, traurige Töne anzuschlagen, denn der einst selbstsichere Playboy versinkt im Selbstmitleid und isoliert sich in seiner Einsamkeit immer mehr. Vor lauter Stress bekommt Alfie dann auch noch ein Problem, das seine Männlichkeit in Frage stellt - etwas Schlimmeres konnte ihm gar nicht passieren.

"Um was geht es eigentlich?" fragt Alfie auf dem deutschen Filmplakat. Eine gute Frage, die sich auch der Zuschauer stellen wird. Außer um seine Liebesabenteuer geht es um nicht viel. Die meisten Filmminuten bleiben, wie auch das Ende, fad. Die Langeweile, die Alfie in jeder Beziehung ereilt, begleitet das Kinopublikum die meiste Zeit über.

Hauke Friederichs

Themen in diesem Artikel