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"Braut wider Willen": TV-Märchen in Sissi-Manier

Aufwendig produziert und mit viel Pomp: Yvonne Catterfeld ist als Sissi-Verschnitt in der ARD-Vorabendserie "Braut wider Willen" zu sehen. Das moderne Märchen soll sich bewusst von den billig produzierten Telenovelas unterscheiden.

Die historische Kulisse könnte romantischer kaum sein: Auf einem mondbeschienenen nächtlichen Marktplatz wartet ein glutäugiger Jüngling auf das Erscheinen seiner Angebeteten. Schon kommt sie geeilt; ein langer, derber Mantel schützt sie vor dem dichten Schneetreiben. Doch bevor die beiden sich vermutlich für immer in die Arme schließen können, liegen 30 Folgen der Vorabend- Serie "Sophie - Braut wider Willen", die die ARD ab 8. November dienstags bis freitags (18.50 Uhr) ausstrahlt. Die Serie mit Sängerin und Schauspielerin Yvonne Catterfeld in der Hauptrolle soll sich bewusst vom Image schnell und billig produzierter Telenovelas abheben.

"Braut wider Willen" ist ein modernes Märchen, das an einem fiktiven Ort im 19. Jahrhundert spielt. Die liebreizende adlige Sophie von Ahlen (Yvonne Catterfeld) verliebt sich kurz vor ihrem 18. Geburtstag in Max (Ben Bela Böhm), den Sohn einer einfachen Schneiderin. Die Studioproduktion (Grundy Ufa) spart nicht mit opulenter Ausstattung - sehr zur Freude der Hauptdarstellerin: "Ich habe für jeden Tag ein anderes Kleid, alle speziell angefertigt", so die 25-Jährige, die bis Jahresanfang in der RTL-Serie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" die Rolle der Julia Blum spielte.

Traumbesetzung Catterfeld

Eine acht Meter lange Stange mit künstlichen Haarteilen mag den Aufwand symbolisieren, den das historische Umfeld erforderte, in das eine einfache Aschenputtel-Geschichte montiert wurde. ARD- Programmdirektor Günter Struve formuliert die zentrale Botschaft für die Zielgruppe der jungen Frauen: "Ich lebe meinen eigenen Kopf". Catterfeld ist für ihn die "Traumbesetzung". Ohne sie sei die Serie kaum denkbar gewesen.

Von der Chanteuse zur Charakterdarstellerin?

So reiche Vorschusslorbeeren freuen die junge Frau, die es auch nicht stört, wenn Fans sie wegen ihres Liebreizes bisweilen mit "Sissi"-Darstellerin Romy Schneider vergleichen. "Zuerst war ich erstaunt, jetzt ehrt es mich", sagt die Erfurterin, die schon immer Sängerin werden wollte. Ihre Musikkarriere muss allerdings vorerst warten. Über ihre Zukunft entscheiden die Zuschauer. "Wenn die Serie ein Erfolg wird, würde ich gern weiterdrehen", sagt die 25-Jährige. Privat ist sie mit Wayne Carpendale, dem 27-jährigen Sohn von Howard Carpendale zusammen - "glücklich", sagt Catterfeld.

Sissi und der arme Schneidersohn

Eine sozialkritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts leistet die Serie freilich nicht. Zwar bricht Sophie letztlich durch ihre Liebe zu dem armen Schneidersohn mit Konventionen und rebelliert gegen die Grenzen zwischen Arm und Reich, doch ihre Mittel sind beschränkt: "Ich will die ganze Nacht tanzen!", sagt Sophie aufmüpfig, dreht sich tatendurstig, der lange Reifrock wirbelt herum und ihre blonden Sprungfederlocken wippen. Nachts stiehlt sie sich vom väterlichen Gut ins Wirtshaus zu einer Bauernhochzeit. Dort verliebt sie sich in den armen Max. Doch ihre Familie hat den unsympathischen reichen Industriellen Friedrich Hartenstein (Silvan-Pierre Leirich) für sie vorgesehen.

Historienmärchen mit Happy End

Das historische Umfeld der Serie stellte das Produktionsteam vor Herausforderungen der besonderen Art. So wurde bewusst auf die höfische Sprache der damaligen Zeit verzichtet und modernes Hochdeutsch gewählt. "Wir haben lange überlegt, ob man damals zum Beispiel 'Scheiße' sagte", beschreibt ARD-Koordinatorin Verena Kulenkampff. Man sagte es, wurde letztlich entschieden - was der romantischen Anmutung der Produktion jedoch nicht schadet. Programmdirektor Struve verrät, was alle ahnen und die Zuschauer beruhigen dürfte: "Am Ende wird alles gut."

Karolin Köcher/DPA / DPA