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"Der Untergang": Die letzten Tage des "Tausendjährigen Reichs"

Ohne moralische Empörung und Erklärungen zeigt "Der Untergang" die Zeit zwischen dem 20. April und dem 2. Mai 1945. Gerade das Fehlen von Wertungen gehört zu den Stärken des Films.

Von Carsten Heidböhmer

Adolf Hitler (Bruno Ganz), eingerahmt von Eva Braun (Juliane Köhler) und Albert Speer (Heino Ferch)

Adolf Hitler (Bruno Ganz), eingerahmt von Eva Braun (Juliane Köhler) und Albert Speer (Heino Ferch)

Hitlers letzte Tage - über diesen gewaltigen Stoff einen Kinofilm zu drehen, ist ein ebenso ambitioniertes wie reizvolles Unterfangen. Das allerdings jede Menge Schwierigkeiten und Fallstricke birgt. Denn möchte man einen Film fürs breite Publikum machen und keine ausschließlich an trockenen Fakten orientierte Dokumentation, bedarf es mindestens zweierlei: eines dramatischen Spannungsbogens, der der Handlung einen logischen Anfang und ein Ende gibt, und dazwischen eine Geschichte erzählt. Und zweitens eines Protagonisten, mit dem sich der Zuschauer identifizieren kann und mit dem er ein gemeinsames Schicksal durchleidet.

Ersteres stellt bei historischen Stoffen eine nicht zu vernachlässigende Schwierigkeit dar: Will man die Geschehnisse in 90 (oder auch mehr) spannenden Kinominuten erzählen, muss man Hand an die "wahren Begebenheiten" legen. Der historische Stoff muss umgebogen, in das filmische Konzept gestopft werden. Die komplexen Vorgänge müssen der Verständlichkeit halber vereinfacht werden, wichtige Figuren weggelassen, im schlechtesten Fall neue hinzuerfunden werden. Dies geht bisweilen auf Kosten der historisch korrekten Darstellung.

Im Zweifel für die Quellen

"Der Untergang" entscheidet sich hier klar für die Quellentreue. Das Drehbuch basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch-Bestseller von Joachim Fest sowie den Erinnerungen von Hitlers Sekretärin Traudl Junge. Selbstverständlich ist nicht jeder Dialog in dem Film historisch verbürgt, ist einiges Spekulatives in den Film geraten. Dennoch ist das Bemühen klar erkennbar: Im Zweifelsfall haben die Quellen Vorrang vor dem filmdramatisch Erwünschten.

Die Kulleraugen der Alexandra Maria L.

Das zweite Problem bei der Umsetzung von Geschichtsstoffen betrifft den Protagonisten. Ist ein Film möglich, in dem sich die Zuschauer mit Adolf Hitler identifizieren? Um diese heikle Klippe zu umschiffen, bieten die Filmmacher Hitlers Sekretärin Traudl Junge als Identifikationsfigur. Die von Alexandra Maria Lara gespielte Schreibkraft steht im Zentrum dieses Films und scheint doch an allen Vorgängen gänzlich unbeteiligt. Ihr staunender Blick auf die ungeheuerlichen Vorgänge im Führerbunker ist auch der des Zuschauers: So wenig wie sie versteht auch er, warum sich dies alles so zutragen konnte. Und schaut gerade deshalb gebannt zu.

Bruno Ganz brilliert

Gebannt vor allem von Bruno Ganz, der Hitler in Diktion, Aussehen und Körperhaltung aufs Erschreckendste ähnelt. Wenn er mit abgehackter Rede Befehle an seine Untergebenen brüllt, mit zittriger Hand hinter dem Rücken durch den Bunker wandelt oder sich in Wutausbrüchen über Verräter in den eigenen Reihen ergießt, dann ist das der Hitler, der einem aus unzähligen Dokumentationen bekannt ist.

Doch Bruno Ganz zeigt auch eine andere Seite des Diktators: den Tierfreund, der sich rührend um seinen Schäferhund Blondi kümmert, den Privatmenschen, der sich nachsichtig und freundlich gegenüber den Frauen seiner Umgebung verhält. Hier ist Hitler kein Dämon, er ist Mensch.

Immer wieder ertappt sich der Zuschauer dabei, wie er für den Menschheitsverbrecher so etwas wie Sympathie empfindet. Doch diese Momente sind nie von Dauer. Bald schon schwadroniert der "Führer" vom internationalen Judentum und seinem größten Verdienst, das deutsche Volk davon "befreit" zu haben, und das zeitweilige Mitleid mit dem gebrochenen Mann verfliegt.

Das große Rätsel Hitler

Hitler bleibt dem Zuschauer ein Rätsel - wie er auch seinen engsten Vertrauten ein Rätsel geblieben sein muss. Lichte Momente, in denen Hitler einsieht, dass der Krieg verloren ist, schlagen urplötzlich um in Szenen, da Hitler auf einmal von Truppenkontingenten und Fliegerstaffeln schwadroniert, die das Kriegsgeschehen noch einmal wendeten. Alle anwesenden Generäle wissen, dass diese Truppen nicht existieren. Doch weiß es auch der "Führer"? Man blickt nicht hinein.

Dass der Film eben nicht den Versuch unternimmt, das Unerklärbare zu erklären, die Psyche Hitlers "verstehbar" zu machen, zählt zu seinen großen Verdiensten. Er bietet keine neuen Erklärungen an, hält sich mit moralischen Kommentaren zurück, will nur zeigen, "wie es gewesen ist".

Unter Tage

Die 150 meist ohne Tageslicht spielenden Minuten liefern einen Eindruck davon, wie sich die letzten zwölf Tage im Führerbunker, vom 20. April bis zum 2. Mai 1945, angefühlt haben müssen. Die Zeit scheint sich unendlich zu dehnen dort unten: Immer wieder Lagebesprechungen, Hiobsbotschaften, Hoffnungsschimmer, und ewig Hitlers Stimmungsschwankungen.

Gewollte Längen

"Der Untergang" folgt keiner filmischen Dramaturgie. Regisseur Oliver Hirschbiegel ("Das Experiment") und Produzent Bernd Eichinger haben sich für eine möglichst wahrheitsgetreue Rekonstruktion der letzten Tage des "Dritten Reichs" entschieden und gegen zu starke Eingriffe. Die dadurch entstehenden Längen sind durchaus gewollt: Erst dadurch bekommt der Zuschauer ein Gespür für die klaustrophobische Atmosphäre im Bunker, für die Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung der Beteiligten, aber auch für die "Tanz-auf-dem-Vulkan"-Stimmung, die sich in Orgien und hemmungslosen Besäufnissen äußert.

Der Film tut gut daran, den Stoff derart unkommentiert darzustellen und auf die Leinwand zu bringen. Die wenigen Momente, wo der Film in die Historizität eingreift, sind die Schwächsten: Am Schluss beschließt Traudl Junge, allein aus dem von den Sowjets eingekesselten Berlin auszubrechen. Ein kleiner, verwaister Junge ergreift ihre Hand und schließt sich ihr an. Nach 150 düster-quälenden Filmminuten scheint der Film den Zuschauer an die Hand nehmen zu wollen und einen Weg in die sonnigere Realität 2004 zu weisen.

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(