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"Die Bären sind los": Gurkentruppe mit Charakter und Raubein-Trainer

Die Titelmelodie entstammt der Oper "Carmen" - was aber den begeisterten Kids der Generation Golf völlig egal war. Sie fieberten jeden Samstag mit Amanda und ihren chaotischen Mitstreitern beim Kampf um den Ball mit. Jetzt ist die Kultserie "Die Bären sind los" wieder im Kino.

Wieder einmal geht’s in diesem Remake einer Komödie, die sowohl als Film als auch Kinderserie in den Siebzigern ein Riesenhit war, um ein Loserteam, das von einem neuen Trainer auf Vordermann gebracht wird. Die treibende Kraft dahinter ist Liz, eine gestresste allein erziehende Mutter. Sie will sich nicht damit abfinden, dass die Mannschaft ihres Sohnes wegen chronischer Erfolglosigkeit aufgelöst wird. Doch der abgehalfterte Baseballveteran Morris Buttermaker, den die tüdelige Karrierefrau engagiert, gehört zu jenen Menschen, vor denen besorgte Eltern ihre Kinder schon immer gewarnt haben.

In den Fußstapfen des kauzigen Matthaus

Billy Bob Thornton füllt zwar nicht die Lücke aus, die der kauzige Walter Matthau, der in der Original-Verfilmung den Trainer spielte, hinterlassen hat. Doch als kratzbürstig versoffenes Subjekt ist Thornton, der auch privat halbstarke Ex-Ehemann von Angelina Jolie, ziemlich amüsant. In Anlehnung an seinen Part in der Weihnachtssatire "Bad Santa" giert er nach jedem Rock, trinkt Schnaps aus der Bierdose und konfrontiert die eh schon mutlosen Kids mit Anfällen schlechter Katerlaune. Und wie in "Bad Santa" scheint diese nonkonformistische Menschenfeindlichkeit den Kindern irgendwie zu behagen.

Ungeschminkte Ehrlichkeit

Auch die "Bären" bestehen aus Außenseitern wie zum Beispiel einem altgescheiten Riesenbaby, das sich ständig als Mobbing-Opfer geriert, zwei Mexikanern, die kein Englisch verstehen, einem motzigen schwarzen Jungen, einem indischstämmigen Eierkopf, dem vor etwaigem Ballkontakt graut, und - last not least - einem Rollstuhlfahrer. Doch im Gegensatz zum biederen Trainer Roy, der die Konkurrenz trainiert und die Zähne beständig zum "Keep Smiling" fletscht, bietet Trainer Buttermaker seiner Gurkentruppe authentische Verlottertheit, ungeschminkte Ehrlichkeit, und vor allem Improvisationstalent.

Politisch unkorrekt mit viel Würze

Natürlich ist der Handlungsablauf grob vorhersehbar und gewährt jedem Jungen - und einem Mädchen - zum Finale seine fünf Minuten Ruhm. Doch im Detail hat dieser politisch eher unkorrekte Sportfilm viel Würze - nicht nur dank Buttermakers Sprüche á la "Seit langem muss ich Frauen nicht mehr für Sex bezahlen", mit denen er Liz’ Flirtlaune kommentiert. Oder wegen der Abgebrühtheit, mit der der hauptberufliche Schädlingsbekämpfer die Kids zum Arbeitseinsatz nötigt und die angesichts einer Sprühdose auftauchende Frage "Was bedeutet karzinogen?" nonchalant mit "allgemeine Propaganda!" beantwortet.

Viel Feingefühl bei Kindercharakteren

Linklater, der dank seiner Kultfilme "Before Sunrise" und "Before Sunset" einen Ruf zu verlieren hat, beweist wie in seiner letzten Komödie "School of Rock" viel Feingefühl bei den Kindercharakteren, die zwar zum Lachen bringen, aber nicht lächerlich gemacht werden. Und während der raubauzige Trainer mit seiner Anti-Pädagogik den Underdogs Selbstbewusstsein beibringt, werden andererseits pubertäre Haudrauf-Witze vermieden. Wo der satirische Vorgängerfilm aber noch den Geist der 68er atmete, zeichnet sich Linklaters Version eher durch liebenswürdige Verschmitztheit aus. Der Anblick des Trainers und seiner Schützlinge, die sich vor Spielbeginn patriotisch geschwollene Reden anhören müssen, ist subversiv genug.

Birgit Roschy/AP / AP