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"Die Familie Stone - Verloben verboten!": Alle Jahre wieder

Nach dem Ende von "Sex and the City" ist Sarah Jessica Parker erstmal wieder auf der Leinwand zu sehen - in ihrer üblichen Paraderolle als zickige Großstadt-Tussi.

Alle Jahre wieder schickt Hollywood seine Weihnachtsfilme zur rechten Zeit auf die Leinwände. In diesem Jahr ist die Tragikomödie "Die Familie Stone - Verloben verboten!" in diesem speziellen Angebot. Thomas Bezucha hat seine Geschichte nicht nur munter in Szene gesetzt, sondern präsentiert auch Darsteller, denen man gerne bei der Arbeit zuschaut.

Allen voran Diane Keaton als unheilbar vom Krebs befallene Frau, die ein letztes harmonisches Weihnachtsfest mit ihrer großen Familie feiern will, aber dabei mit der ungeliebten Verlobten ihres vergötterten ältesten Sohnes Everett aneinander gerät. Bezucha verknüpft geschickt die beiden Genres Weihnachts- und Familienfilm, die sich ja noch nie sonderlich fern standen.

Die Stones sind eine amerikanische Musterfamilie aus dem Hochglanzkatalog der Illusionen: Vater Kelly ein sympathischer College-Professor in den Sechzigern, seine todkranke Frau Sybil als dominante Mutter von fünf erwachsenen Kindern. Neben dem ebenso gut aussehenden wie beruflich erfolgreichen Everett (Dermot Mulroney) gibt es da noch den lässigen Ben (Luke Wilson), der an der Westküste im Filmgeschäft arbeitet, sowie den jüngsten Sohn, der schwul und gehörlos ist und einen schwarzen Freund mitgebracht hat. Womit dem Drehbuch das Kunststück gelungen wäre, gleich drei Minderheiten in einer Figur unterzubringen. Zwei Töchter, eine brave mit nettem Enkelkind und eine wilde mit hübschem Köpfchen und loser Zunge, machen das Ensemble komplett, das sich zur Weihnachtsfeier im Haus der Stones versammelt hat.

Unterhaltsam, aber harmlos

Wenn da nur nicht Everetts zickige Auserwählte Meredith wäre, die mit ihrem affektierten Manhattan-Getue in der Familie auf weitgehende Ablehnung stößt. Weil Meredith, verkörpert von "Sex in the City"-Serienstar Sarah Jessica Parker, diese Ablehnung spürt und prompt alles falsch macht, was man bei den erzliberalen Stones so falsch machen kann, kriselt es in ihrer Beziehung zu Everett, die allseits erhoffte weihnachtliche Harmonie rückt in die Ferne.

Solides Hollywood-Kino

Dann jedoch trifft als Überraschungsgast Julie ein, die ebenso attraktive wie patente Schwester von Meredith. Und von nun an geht es noch turbulenter zu - Beziehungsdramen eingeschlossen, Happy End nicht ausgeschlossen. Es ist solides Hollywood-Kino, was "Die Familie Stone" dem Zuschauer bietet. Diane Keaton kann in der Rolle der dominanten Mutter Sybil all ihre Stärken zeigen, Keaton spielt Sarah Jessica Parker glatt an die Wand. In Craig T. Nelson als Vater Kelly hat sie einen noblen Partner, der niemals Schatten auf ihr Licht wirft.

Auch die fünf erwachsenen Kinder der Stones sind glaubwürdig besetzt, die erfrischende Clare Danes glänzt als Julie. Doch ist es gerade die Perfektion des Films, die ihn auch ein wenig suspekt und glatt erscheinen lassen. Regisseur und Autor Bezucha nähert sich den familiären Abgründen immer nur sehr vorsichtig, so richtig reinblicken will er dann doch nicht. Das Ergebnis ist unterhaltsam, aber auch harmlos genug, um schnell vergessen zu werden.

Wolfgang Hübner/DPA / DPA