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Wolfgang Joop im stern-Interview: "Rihannas Stylisten möchte ich eine knallen"

Rihanna ist nur eine der Frauen, mit denen sich Wolfgang Joop in seinem Buch "Dresscode" beschäftigt. Ein Gespräch über den Stil von Heidi Klum, körperliche Makel und die Waden von Herzogin Catherine.

Von Julia Kepenek

In seinem neuen Buch "Dresscode" nimmt Wolfgang Joop den Stil von zwölf prominenten Frauen unter die Lupe

In seinem neuen Buch "Dresscode" nimmt Wolfgang Joop den Stil von zwölf prominenten Frauen unter die Lupe

Der Mann weiß, wovon er spricht. Immerhin ist Wolfgang Joop nicht nur erfrischend ehrlicher Juror bei "Germany's next Topmodel", sondern auch erfolgreicher Designer. Nun hat der 70-Jährige ein Buch geschrieben, ein weiteres in seiner mehrere Jahrzehnte umfassenden Karriere. "Dresscode", so der Titel widmet sich zwölf Frauen, die international als Stilikonen gelten. Angefangen bei Carine Roitfeld, Ex-Chefredakteurin der französischen "Vogue", über Schauspielerin Lena Dunham bis hin zu Innenarchitektin Iris Apfel, 93 Jahre alt und in New Yorker Kreisen eine Legende. Als Ratgeber möchte Joop das Buch nicht verstanden wissen, sagt er im Gespräch mit dem stern. Eher als Orientierungshilfe - im positiven wie im negativen Sinne. Denn, der Untertitel "Stlikonen zwischen Kult und Chaos" verrät es, nicht alle porträtierten Frauen kommen bei dem Designer gut weg.

Herr Joop, Sie haben bereits mehrere Bücher geschrieben, unter anderem ein Kochbuch, einen Roman und ihre Autobiografie. In Ihrem neuen Werk "Dresscode" beschäftigen Sie sich mit Stilkonen unserer Zeit. Wie kam es dazu?
Der Vorschlag kam von meinem Literaturagenten der mich seit einigen Jahren betreut. Er meinte: "Es ist an der Zeit, dass du auch mal ein Buch über Stil und Haltung aus deiner Sicht schreibst." Zunächst war ich ratlos und hatte keine Idee, wie ich das umsetzen sollte. Ich habe dann angefangen Porträts anzufertigen und zu texten. So bin ich den Frauen langsam auf die Pelle und unter die Garderobe gerückt und habe interessante Dinge entdeckt, die mir vorher nicht aufgefallen sind.

In Ihrem Buch widmen Sie sich zwölf Frauen. Wie kam die Auswahl zustande?


Redaktionell geholfen hat mir Nils Binnberg, mit ihm arbeite ich bei der Kolumne "Joops Warenhaus" für das "Interview"-Magazin zusammen. Er gehört zur Instagram- und Twitter-Generation und ist gut vernetzt. Als erstes haben wir uns die frühere "Vogue"-Chefredakteurin Diana Vreeland vorgenommen. Sie hat es geschafft, ihre körperlichen Mängel mit einer gewissen Aura zu überdecken. Getreu dem Motto: Versuche nicht, deine Makel zu vertuschen, sondern im Gegenteil, unterstreiche sie. Nur so bekommst du Sicherheit, die wichtigste Grundlage für Stil. Ein Beispiel für diesen Mut, nichts zu vertuschen, ist Lena Dunham. Dann gibt es aber auch Frauen, die von Natur aus so schön sind, dass es einem vor Neid fast übel wird. Zum Beispiel Lauren Santo Domingo.

Warum hat es keine deutsche Frau ins Buch geschafft?
Es gibt keine einzige, die international als Stilikone taugt. Die Frauen, die modisches Gespür besitzen, sieht man nicht. Und die, die man sieht, haben keins. Wenn mir in Berlin gruppenweise junge Mädchen begegnen, die alle das Gleiche tragen - Leggings, Schal, Steppjacke - da möchte ich Reißaus nehmen.

"Mit Madonna kann man nur noch Mitleid haben", sagt Wolfgang Joop

"Mit Madonna kann man nur noch Mitleid haben", sagt Wolfgang Joop

Sie wählen Frauen unterschiedlicher Generationen. Diane Keaton zum Beispiel war bereits in den Siebzigern ein Vorbild.
Und sie ist es immer noch, mit fast 70 Jahren. Wie sie bestimmte Dinge kaschiert und andere betont, das ist ein vorbildliches System. Davon können auch andere Frauen lernen. Sie lockt den Betrachter mit kleinen Fetisch-Elementen wie einer geschnürten Taille oder hohen Stilettos. So wirkt sie sexy, ohne ordinär zu sein. Diane Keaton macht das aber nicht provokant, sondern raffiniert. Das genaue Gegenteil ist Madonna, die in merkwürdigen Outfits ständig etwas entblößt, was niemanden mehr interessiert. Da hat man nur noch Mitleid. Und Mitleid ist nicht sexy!

In Ihrer Liste findet sich auch Rihanna. Über eines ihrer Outfits schreiben Sie: "Was aussehen sollte wie eine Nixe im Pelz, sah aus wie Bockwurst im Salzmantel."


Rihanna und Beyoncé gehen mir besonders auf die Nerven. Sie sind eigentlich bildschön, müssen aber immer wieder so billig provozieren. Rihanna ist für mich eine Art Fashion-Tsunami. Am liebsten würde ich als Fashion-Pädagoge ihrem Stylisten eine knallen. Das gleiche gilt für Beyoncé - sie transportiert nur billigen Sexappeal für die einfachen Gemüter. Kim Kardashian hat dem Ganzen die Krone aufgesetzt.

"Was aussehen sollte wie eine Nixe im Pelz, sah aus wie Bockwurst im Salzmantel", urteilt Joop über Rihannas CFDA-Outfit

"Was aussehen sollte wie eine Nixe im Pelz, sah aus wie Bockwurst im Salzmantel", urteilt Joop über Rihannas CFDA-Outfit

Über Herzogin Catherine heißt es: "Sie hat diese Hockeyspieler-Waden, sie hat Oberschenkel und man denkt sofort: wirklich gut ausgesucht, um viele gesunde Kinder in die Welt zu setzen."
Sie hat mein Mitleid. Im Gegensatz zu früher verkörpert sie heute eine Mittelmäßigkeit in Perfektion. Sie will nun wirklich alles richtig machen, noch besser und perfekter sein, als der Job von ihr verlangt - jegliche Persönlichkeit weglächelnd. Die perfekte Stewardess bei Royal Air.

Taugt Heidi Klum als Stilikone?


Ihr Look ist amerikanisch. Sie trägt immer etwas ganz Kurzes, ganz Enges oder halb Nacktes und signalisiert damit die Bereitschaft, zu unterhalten. In meinem Buch geht es aber um Frauen, die geheimnisvoll wirken. Heidi ist ein toller Kumpel, aber ich finde nicht, dass man auf ihr stilistisches Geheimnis stoßen kann. Das kennt man bereits, weil sie es durch ihre Kleidung und ihr Auftreten offenbart.

Zum Schluss eine Fernsehfrage: Wer wird "Germany's next Topmodel"?


Ich darf leider keine Namen nennen. Nur so viel: Ein Mädchen kann es ohne große Umstände schaffen, und eine zweite Kandidatin hat gute Chancen. Seit ich in der Jury sitze, sind immerhin vier frühere Teilnehmerinnen bei den Schauen in Paris und Mailand gelaufen. Zum Beispiel Ivana, die sogar von Dior und Cavalli gebucht wurde. Das hat es vorher so nicht gegeben.