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"Feuer in der Nacht": Livemovie mit Licht und Schatten

Mit dem live übertragenen Spielfilm "Feuer in der Nacht" hat das ZDF viel gewagt - und einen Achtungserfolg errungen. Dennoch konnte das TV-Experiment nicht restlos überzeugen.

Einmal spiegelte sich ein Kamermann in einer Scheibe. Ein anderes Mal gab es eine Namensverwechslung. Live, in Echtzeit und aktuell - Pannen inklusive: Der angeblich erste Livefilm im deutschen Fernsehen sollte etwas ganz Neues, etwas Riskantes, ein Experiment sein, gar Fernsehgeschichte schreiben, kündigte das ZDF an. Das "LiveMovie" mit dem Titel "Feuer in der Nacht", das der Sender am Montagabend zeigte, war aber wohl nur für die Schauspieler ein Erlebnis. Zu selten wurde der Livecharakter deutlich, zu holprig war die Geschichte.

Der Reiz, Fehler zu suchen, die bei einer solchen Live-Übertragung passieren können, verlor sich schnell. Akteure und Technik spulten ihr Pensum derart souverän herunter, dass größere Pannen nicht stattfanden und wenn doch, nicht auffielen. "Es geschieht in dem Moment, in dem Sie es sehen", erklärte eine Stimme aus dem Off zu Beginn. Das fiel nicht auf: Der Film lief von vorn bis hinten durchinszeniert und stur nach Drehbuch ab.

Kaum Unterschiede zu aufgezeichnetem Film

Überraschungen blieben so aus, die Chance, spontan auf Begebenheiten zu reagieren, wurde verschenkt. Der Unterschied zwischen einem Livefilm und einem aufgezeichneten wurde nur selten offenbar - sieht man davon ab, dass die angekündigte Zeit um zwei Minuten überzogen wurde und ein aktuelles Titelblatt einer hauptstädtischen Zeitung eingeblendet wurde.

Häufig dokumentierte ein fast schwarzer Bildschirm auch die nachts in Berlin vorherrschende Dunkelheit. Noch nicht einmal die in Berlin angesiedelte Story sorgte für Spannung: Zu sehr war sie in die Länge gezogen, zu absehbar und kitschig war das Ende. Mit wackelnden Bildern erzählte sie vom drohenden Amoklauf eines Personenschützers (Christian Berkel), dessen Frau (Martina Gedeck) und Tochter (Alice Dwyer) sich von ihm trennen wollen. Ein von der Tochter informierter Telefonseelsorger (August Diehl) fährt mit einem Taxi durch die Stadt, findet die Familie in einem Reihenhaus in der offenbar einzigen Sackgasse von Tempelhof - und verhindert das Schlimmste.

Livemovies nichts Neues

Die Idee eines Livemovies ist auch gar nicht neu. Bis 1958 war jedes Fernsehspiel im deutschen Fernsehen live, dann erst wurde die Magnetaufzeichnung eingeführt. Live-Fernsehspiele gab es nicht mehr, die Einschränkungen waren zu groß: keine Außenaufnahmen, weniger Präzision bei den Aufnahmen, Szenen konnten nicht wiederholt werden. Bei diesem Film jedoch gebe es im Unterschied zu früher Außenaufnahmen, zudem sei die Technik mit elf Kameras, zwei Ü-Wagen, einer ausgefeilten Tontechnik nicht vergleichbar, erklärte das ZDF.

Die Schauspieler waren nach der Aufführung jedenfalls beeindruckt und glücklich. Es sei eine unglaubliche Anspannung gewesen, erzählte Gedeck. Zwar sei sie auch im Theater aufgetreten, aber da seien es lediglich ein paar Hundert Zuschauer und nicht ein paar Millionen wie beim ZDF. "Man kann nichts wiederholen, deswegen waren wir sehr angespannt und zittrig", sagte sie. Sie glaube, so ähnlich fühle sich eine Musikerin nach ihrem ersten Livekonzert. Diehl meinte, er sei glücklich, dass der Film vorbei sei. Der Druck sei extrem groß gewesen. Berkel sagte, er habe zeitweise Angst gehabt, es nicht zu schaffen. Erst als er "losgelassen" habe, sei er ruhiger geworden. Und Regisseur Kai Wessel erklärte: "Ich bin einfach nur erleichtert."

Holger Mehlig/AP / AP