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Kritik zu "Fifty Shades of Grey": Jedes Rihanna-Video ist versauter

Das war er also, der "heißeste" Film des Jahres. Doch als der Abspann läuft, habe ich immer noch meine Jacke an. Zum Glück funktioniert "Fifty Shades" aber trotzdem.

Von Sophie Albers Ben Chamo

Ich mache es kurz und schmerzlos - gemäß Mister Grey findet der Schmerz eh nur im Kopf statt: Die ganze Aufregung um "Fifty Shades of Grey" war nichts als heiße Luft. Die Verfilmung von EL James gefeiertem und hundertfach erklärtem SM-"Mommy-Porn" ist definitiv nicht der "heißeste Film des Jahres". Jedes Rihanna-Video und jede Miley-Cyrus-Party ist versauter.

Das sieht Frankeich genauso, wo "Fifty Shades of Grey" gerade für Zwölfjährige freigegeben wurde. Der Leiter der französischen FSK (CNC) meinte, der Film werde nicht viele Leute schockieren. Mehr noch: "Das ist eine Romanze, die man sogar schmalzig nennen könnte." Danke, Monsieur Jean-François Mary, schöner kann man es nicht sagen.

Neuer Trailer zu "Fifty Shades of Grey": Szenen, die einem das Warten versüßen

Denn auch nach vier Jahren Mega-Hype ist die Geschichte der zuckersüßen Jungfrau Anastasia und des fesselnden Alphamännchens Christian, was sie ist: die Verlängerung der "Twilight"-Romanze zwischen Bella und Edward, ersponnen von einer britischen Hausfrau als sogenannte Fan-Fiction. Sex-total als logische Folge von No-Sex. Und deshalb auch so attraktiv für die Ex-"Twilight"-Fans.

Denn natürlich ist Christian nicht wirklich böse, selbst wenn er einen Flogger in der Hand hält. (Übrigens eines von sehr wenigen im Film auftauchenden Sexspielzeugen) Natürlich hat der wunderschöne Mann für sein abnormes Verhalten eine gute Erklärung. Und natürlich sieht man nichts, was das Publikum wirklich verstören könnte.

Auf andere Art und Weise fesselnd

Auf andere Art und Weise fesselnd

Da Hollywood die Verfilmung übernommen hat, warten Fans der deutlichen Worte, die im Buch zu finden sind, vergeblich auf deren Ausführung. Hier bleibt alles im verführerisch ausgeleuchteten, high-end-ästhetischen Rahmen. Christians berühmtes Spielzimmer würde sich hervorragend als "Victoria's Secret"-Shop eignen. Jedes Bild ist Mainstream pur.

Dass der Film trotzdem funktioniert, ist wohl Regisseurin Sam Taylor-Johnson zu verdanken. Aber er funktioniert eben anders als angekündigt. Spaß statt Schock. "Fifty Shades of Grey" ist zuweilen so lustig, das man laut auflacht. Zum einen weil Anastasia - anders als im Buch - durchaus schlagfertig und selbstbewusst auftritt. Zum anderen weil Zeilen, die im Buch vielleicht aufwühlend klingen, auf der Leinwand eine Ironie entwickeln, die dem Film gut tut. Meinetwegen auch unfreiwillig. Da scheiden sich die Kritiker-Geister.

Wenn Sie jetzt ganz genau wissen wollen, wie "heiß" es denn nun zugeht, kann Ihnen diese Zählliste der Hiebe, Sex- und Brustwarzen-Szenen von MTV weiterhelfen. Ganz ohne Emotionen. Ganz nach dem Geschmack von Christian Grey.

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