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"Knallhart": Brennpunkt Berlin

Auch wenn das ehemalige Blitzlicht-Luder Jenny Elvers-Elbertzhagen eine außergewöhnlich authentische Leistung auf die Leinwand bringt: Im Mittelpunkt von "Knallhart" steht ihr 15-jähriger Filmsohn.

Auch wenn das ehemalige Blitzlicht-Luder Jenny Elvers-Elbertzhagen eine außergewöhnlich authentische Leistung auf die Leinwand bringt: Im Mittelpunkt von "Knallhart" steht ihr 15-jähriger Filmsohn. Nachdem Jenny als in die Jahre gekommene Blondine von ihrem solventen Lover vor die Villa-Tür gesetzt wurde, findet sie sich mitsamt Anhang Michael (großartig: David Kross) plötzlich im ruppigen Neukölln wieder. Und schon die ersten Schultage enden mit Geld, Handy, Schuhe weg und ordentlich Dresche von einer deutsch-türkischen Gang. Mama kann da wenig helfen, also freundet er sich mit dem arabischen Drogendealer des Viertels an und erledigt Kurierdienste. Natürlich könnte man jetzt wunderbar über rassistische Stereotypen streiten, über Deutschpflicht auf Schulhöfen und die Urängste der christlichen Wohlstandsgesellschaft. Man könnte erwähnen, wie viele ähnlich gelagerte Filme die Kinogeschichte bereits kennt: vom "Hass" in den Pariser Vororten, den "Boyz n the Hood" in Los Angeles oder dem Schicksal eines Neunjährigen "In den Straßen der Bronx". Damit würde man dem Großstadt-Drama von Detlev Buck ("Wir können auch anders..."), das mit seinen bleichen Farben manchmal zu stylisch daherkommt, jedoch zu viel aufbürden. Buck hat einfach einen zwei Jahre alten Jugendroman von Gregor Tessnow verfilmt und angereichert, realistisch und nicht nur symptomatisch für den Berliner Multikulti-Kiez. Und wenn er Diskussionen über unsere soziale Wirklichkeit auslöst, umso besser.

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