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"Kurzer Prozess - Righteous Kill": De Niro und Pacino auf Abwegen

Zwei Superstars bedeuten nicht unbedingt einen super Film. In dem Polizisten-Thriller "Kurzer Prozess" machen Al Pacino und Robert De Niro das, was sie immer machen. Heraus gekommen ist eine müde, uninspirierte Serienkiller-Räuberpistole.

Von Bernd Teichmann

Es war, als würde die Wiedervereinigung ein zweites Mal stattfinden. Schockgefroren vor Freude und Ehrfurcht zugleich, stierten wir mit offenen Mündern auf die Leinwand und schauten den zwei Männern zu beim... Reden. Über ihren Job, ihre Beziehung, ihre Träume. Und während sie sich vorsichtig musterten, einander mit Blicken umschlichen, fanden die beiden bestätigt, was sie eigentlich schon die ganze Zeit gewusst hatten. Dass sie das Spiegelbild des anderen sind, in einem anderen Leben vielleicht Freunde wären, jetzt aber leider in verschiedenen Lagern standen. Der eine war Räuber und der andere Gendarm.

Den Räuber spielte Robert De Niro, den Gendarm Al Pacino, und natürlich zählen diese ersten sechs gemeinsamen Leinwandminuten ihrer Karriere am Tisch irgendeines Cafés in Los Angeles längst zum Legenden-Kanon der Kinogeschichte.

Mehr als 13 Jahre nachdem Michael Mann dieses Gipfeltreffen in seinem dreistündigen Gangster-Epos "Heat" anberaumt hatte, durfte nun Regie-Kollege Jon Avnet die Godfathers des Method Acting gleich einen kompletten Film lang dirigieren. Und an was erinnern wir uns nach diesen hundert Minuten? Nichts. Keinen Moment, keine Szene, keinen Dialog, keinaberauchgarnichts. Okay, ist grundsätzlich kaum etwas Besonderes. Gefühlte 95 Prozent aller Filme fallen heutzutage in den Gulli des Vergessens, während noch der Abspann läuft.

Don't believe the Hype

"Kurzer Prozess - Righteous Kill" ist eine einzige Produktenttäuschung, eine müde, ideenlos und uninspiriert heruntergekurbelte Serienkiller-Räuberpistole mit dem Charme einer überlangen Krimiserien-Episode. Don't believe the Hype: Die Reunion der nach wie vor als größte Schauspieler dieses Planeten geltenden Ikonen, in der US-Presse auf die Relevanzgröße des gelösten Nahost-Konfliktes hochgejazzt, kommt als routinierte Plansollerfüllung zweier völlig unterforderter Großkönner daher. Avnet, der Pacino bereits vor zwei Jahren mit dem verhunzten Thriller "88 Minutes" zu einem neuen Karriere-Tief verhalf, gelingt es zu keiner Sekunde, seinen Stars etwas Überraschendes abzuringen.

So könnte die Geschichte um einen rot sehenden Rächer, der nicht verurteilte Zuhälter, Kindermörder, Vergewaltiger, pädophile Priester meuchelt, auch "Al & Bob - Zwei alte Kumpels machen sich ein paar schöne Stunden am Set" heißen. Sie sind eingespielt, sie kennen sich seit Jahrzehnten, im wahren Leben ebenso wie als New Yorker Cop-Veteranen Rooster und Turk, für deren Darstellung die jeweils bewährten Manierismen - ausholend, expressiv, große Gesten (Pacino), runtergezogene Mundwinkel, Stirnrunzeln, Ich-explodiere-gleich-Blick (De Niro) abgerufen werden.

Und so dämmert man schließlich durchs vermeintlich überraschende Finale, dass man eigentlich schon nach einer halben Stunden erahnt hatte und stellt plötzlich besorgt fest: Der Schöpfer von Al Pacinos Frisur ist weiterhin auf freiem Fuß.