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"Matrix Revolutions": Mensch, Maschinen!

Endlich wissen, wie's ausgeht: "Matrix - Revolutions", der Abschluss der hoch verrätselten Trilogie um Computerprogramme und echte Welten, landete in den Kinos. Und jetzt ist rein gar nix mehr klar.

Hamburg, ein Regentag. Die stern-Redakteure Draf, Link und Schmidt kommen aus dem Kino. Beim Après-Film-Bier schweigen sie lange und irgendwie bedrückt. Aber einer muss ja anfangen.

Schmidt: Und?
Link: Also, ich fand den gut. Nicht so gut wie den ersten Teil, aber um Lichtjahre besser als den zweiten, der wirklich schwach war. Schade nur, dass man kaum durch die Geschichte durchsteigt und sie nicht wirklich aufgelöst wird.
Draf: Was bitte schön war denn an diesem Film gut? Gar nichts! Völlig missraten. Und die Dialoge! Wenn diese Trinity und Neo miteinander sprechen, wird's unfreiwillig komisch. Übrigens ein schrecklicher Schauspieler, dieser Keanu Reeves. Der hat exakt zwei Gesichtsausdrücke! Den Neo hättest sogar du spielen können. Noch 'n Bier?
Link: Na ja, Reeves ist nicht besonders, stimmt schon, dafür ist aber Agent Smith wieder großartig gespielt, auch der Schlusskampf zwischen Smith und Neo ist toll. Und die Schlacht um Zion ist schon seeehr wow. 20 Minuten Geballer unter der Erde, super Effekte. Für ein schlichtes Gemüt wie mich reicht das.
Schmidt: Also, ich bin schon irgendwie enttäuscht. Ich dachte, mit dem dritten Teil wird alles klar. Und jetzt? Ich bin so schlau wie vorher. Außerdem habe ich völlig den Überblick verloren.
Draf: Das haben die Regisseure meiner Meinung nach auch. Die kommen doch selbst nicht mehr aus ihrer Geschichte. Das hat mal so cool angefangen mit dem Typen im ersten Teil, als er merkt, dass alles um ihn herum fake ist. Aber jetzt, glaube ich, verarschen die uns.
Link: Es ist doch so: Im ersten Teil erfährt man, die Welt ist nur ein Computerprogramm, die Menschen sind Sklaven. Im zweiten Teil ist der Clou, dass Neo und alle anderen Menschen in der Matrix und in Zion auch nur Computerprogramme sind. Und im dritten Teil... äh...
Schmidt: ...gucken wir am Ende dumm aus der Wäsche. Die Maschinen dringen bis nach Zion vor, Neo kämpft gegen Smith, rettet Zion. Und? Das große Ganze bleibt unklar.
Link: Es geht nur auf, wenn die richtigen Menschen noch auftauchen, also die ohne Stöpsel im Nacken, die Mensch-Menschen. Die müssen sich irgendwann unter die Erde gerettet haben, bevor die Maschinen sie verwüstet haben. Dann haben die Mensch-Menschen die Menschen, die gar keine sind, aus der Matrix rausgeholt, und die leben jetzt im Glauben, sie sind Menschen, sind's aber gar nicht. Verstehste?
Schmidt: Na ja. Bloß weil Neo ein Programm ist, müssen die anderen mit Stöpsel im Nacken ja nicht auch Programme sein. Aber das meine ich ja: All das hätte am Schluss klar sein müssen.
Draf: Ihr redet euch das schön. Mich hat schon dieses Philosophiegequatsche gestört - und am meisten der Satz: Alles, was einen Anfang hat, hat ein Ende. Hätten sie auch gleich sagen können: So jung kommen wir nie mehr zusammen.
Link: Okay, das klang oft ein bisschen nach "Die besten Sätze der Philosophie - Wie Sie auf jeder Party Eindruck schinden". Aber was viel mehr nervt, ist, dass man sich selbst für zu blöd hält, den Film zu verstehen, und den Verdacht hat, da gibt's nicht viel zu verstehen.
Schmidt: Ich will es aber verstehen. Ich will wissen: Wer ist das Orakel? Ein Mensch? Ein Programm? Sind die Menschen in Zion Menschen oder nicht? Ich fühle mich um die Auflösung betrogen. Den Film hat doch keiner verstanden. Und ich habe den Eindruck, die Wachowski-Brüder wollen gar nicht, dass wir sie verstehen.
Link: Ja, stimmt schon. Ich setze auf den vierten Teil. Der kommt, jede Wette.
Schmidt: Nee, glaub ich nicht.
Draf: Ich hol noch drei Bier.

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