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"Monuments Men": Schnüffeln in den Papierkörben der Nazis

Clooney, Clooney, Clooney - auf der Berlinale gab es kaum ein anderes Thema. Nun kommt "Monuments Men" in die Kinos. Und setzt einer ganz besonderen Frau ein Denkmal: der Spionin Rose Valland.

Von Anja Lösel

Schön, verrucht, geheimnisvoll - so stellt man sich eine Spionin vor. Exotisch wie die legendäre Mata Hari. Kühl und blond wie Marlene Dietrich, die angeblich für das FBI spionierte. Rose Valland war anders. Die Frau, die in Paris die Nazis täuschte, den amerikanischen Alliierten und ihren "Monuments Men" half und von Frankreich mit Orden überhäuft wurde, sah nicht aus wie eine sexy Spionin. Und womöglich war genau das ihr Erfolgsrezept.

Unscheinbar, ein wenig herb, mit strengem Haarknoten und Nickelbrille tat sie während der Besatzung der Nazis ihre Arbeit als Kunsthistorikerin im Archiv des Museums Jeu de Paume. Meistens trug sie graue Kostüme. Keiner achtete auf sie, man hielt sie wohl für harmlos.

Rose Valland notierte alles

Aber Rose Valland war alles andere als harmlos. Sie beobachtete, wie die Nazis Kunstwerke im Museum horteten, die sie zuvor jüdischen Sammlern in Paris geraubt hatten. Viele der Bilder und Skulpturen sollten von Paris aus ins von Hitler geplante "Führermuseum" in Linz gehen. Oder in die Privathäuser von Nazigrößen wie Hermann Göring. Rose Valland war empört und begann heimlich Notizen zu machen. Sie schrieb auf, woher die Bilder kamen, an welche Nazigrößen sie weiter gereicht wurden. Sie war einfach nur da, hielt die Ohren auf, belauschte Gespräche, fischte Zettel mit Informationen aus den Papierkörben. Und gab Widerstandskämpfern der Resistance Hinweise darauf, wann und wohin die Kunstschätze transportiert werden sollten. Nach und nach schlidderte sie so in die Rolle der Spionin - wahrscheinlich für sie selbst überraschend.

Mehrmals kam Hermann Göring ins Jeu de Paume, um sich Bilder auszusuchen. Extra für ihn hatte man sogar eine kleine Ausstellung eingerichtet. Champagner stand bereit, um Göring bei Laune zu halten. Er blieb mehrere Tage und wählte 27 Bilder für seine Sammlung aus, darunter Gemälde von Rembrandt und van Dyck. Allerdings durfte er nur haben, was Hitler verschmähte.

Rose Valland war dabei und notierte alles - auch das seltsame Verschwinden einiger Möbel und Teppiche aus dem Museum. Niemand beachtete sie.

Die Franzosen feierten sie als Heldin im Schatten

Ihre Listen, insgesamt 172 Blatt, dokumentieren sehr genau die Machenschaften, Plünderungen und Kunsträubereien der Nazis in Frankreich. Nach dem Krieg halfen sie den amerikanischen Rettern, den Monuments Men, verschleppte Kunstwerke wieder zu finden und zurück zu ihren wahren Eigentümern zu bringen. Im Clooney-Film wird Rose als graue, misstrauische und ein wenig verklemmte Frau dargestellt. Die schöne Cate Blanchett, die im Film ihre Rolle spielt, musste sich große Mühe geben, nicht allzu glamourös rüberzukommen. Die Fotos, die es von der echten Rose gibt, zeigen sie ein wenig anders: als zwar strenge, aber doch recht lässige Frau, die sich auch mal eine Zigarette ansteckte oder sich entspannt gegen Bilderkisten lehnte. Die Franzosen feierten Rose Valland nach dem Krieg als "heroine de l'ombre", als Heldin im Schatten. Trotzdem geriet sie in Vergessenheit, ihr Buch ist vergriffen, 1980 starb sie einsam.

Und wie war das mit der Liebesaffäre, die im Film angedeutet wird? War da was? Flirtete Rose tatsächlich mit dem Monuments Man James Rorimer (gespielt von Matt Damon)? Oder er mit ihr? Der echte Rorimer brüstete sich nach dem Krieg damit. Rose, so erzählte er stolz, hätte ihm bei einem privaten Dinner mit Kerzenlicht und Champagner geheime Informationen gegeben.

Kerzenlicht? Champagner? Das klingt tatsächlich nach einer Romanze. Aber Rose verriet nichts, sie schwieg vornehm, wie es sich für eine Spionin gehört. Und nahm das romantische Geheimnis mit ins Grab.

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