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"Schildkröte": Er behält immer das letzte Wort

In jeder Folge hat er genau einen Satz - doch damit hat sich der kauzige Imbissbuden-Besucher "Schildkröte" aus der TV-Comedy "Dittsche" in die Herzen der Fans gespielt.

"Schildkröte" hat keinen Stress. Kurz vor der sonntäglichen WDR-Comedy-Show "Dittsche. Das wirklich wahre Leben" kommt der Imbissbuden-Besucher mit seinem alten VW Passat angefahren, parkt direkt vor der Tür und setzt sich dann wortlos auf seinen Hocker. Mehr nicht. Er geht völlig unvorbereitet in die Show, in der Olli Dittrich sich als arbeitsloser Tresengast allerlei Absurdes zurechtphilosophiert. Absprachen gibt es kaum. Seinen einzigen festen Wortbeitrag hat er ganz am Schluss der Sendung: "Halt die Klappe. Ich hab' Feierabend". Das müsse man schließlich nicht großartig diskutieren, sagt "Schildkröte".

Es gibt wohl kaum jemanden im deutschen Fernsehen, der mit so wenig Worten so bekannt geworden ist wie er. Ohne den Mann mit den langen blonden Haaren und der Jacke aus Krokolederimitat ist "Dittsche" für Fans nicht denkbar. Am Sonntag läuft die letzte Folge vor der Sommerpause.

Echter Rock'n'Roller

"Schildkrötes" bürgerlicher Name ist Franz Jarnach. Doch das steht nur auf dem Türschild seiner Wohnung in Hamburg. "Nur für die Post. Keiner sagt Herr Jarnach zu mir", sagt er. Vielmehr bekannt ist er in der Hamburger Musikszene unter seinem Künstlernamen Piggi. Seit fast 40 Jahren spielt der gebürtige Rheinländer Klavier und bevorzugt Rock'n'Roll. Aber er hat auch schon mal mit Roland Kaiser und Gitte musiziert. Seine "größte Ehre" sei es gewesen, einmal mit Musikern aus der ehemaligen Band von Elvis Presley spielen zu dürfen, erinnert sich der 61-Jährige.

Ganz so unbeteiligt, wie der 125-Kilogramm-Mann auf seinem Barhocker wirkt, ist er ist bei Ollis Improvisationen nicht. "Manchmal würde ich schon mal auch etwas mehr sagen wollen", erzählt "Schildkröte". Und außerdem falle es ihm hin und wieder schwer, sich das Lachen zu verkneifen. "Dann versuche ich irgendwie an was anderes zu denken", sagt er.

Vom Zeltplatz in den Imbiss

Vielleicht an einen Gruselfilm? "Schildkröte" liebt Gruselfilme. Seine Videosammlung umfasst alle "Dracula"-Streifen mit Schauspieler Christopher Lee. "Die finde ich klasse", sagt der Single, der neben Musik und Horror noch eine weitere große Liebe hat: Die Einsamkeit des Zeltens. Er mag die Ruhe und Natur draußen am Meer in seinem Wohnwagen. Manchmal fahre er direkt von dort zum Dittsche-Grill im feinen Hamburger Stadtbezirk Eppendorf, von wo die Serie live ausgestrahlt wird.

Olli Dittrich und "Schildkröte" kennen sich schon seit mehr als zehn Jahren, sind sich beim Musizieren begegnet. Denn auch Dittrich ist nicht nur Schauspieler und Komiker, sondern auch Musiker. "Der spielt sehr gut Schlagzeug", sagt Piggi. Und der muss es ja wissen.

Eine Erklärung für seinen eigenen Kult-Status bei den "Dittsche"-Fans hat er nicht. "Ich weiß auch nicht, was die Leute so an mir finden", sagt er. Aber vielleicht ist das ja auch das Geheimrezept: Sich nicht weiter kümmern. Die Dinge nicht so wichtig und bierernst nehmen. Das macht Dittsche schließlich auch nicht.

Gregor Haake/AP

"Dittsche. Das wirklich wahre Leben" läuft immer sonntags live um 22.30 Uhr im WDR.

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