VG-Wort Pixel

"Selbstgespräche mit Konstantin Pfau" Olli Dittrichs etwas anderer Jahresrückblick

Selbstgespräche mit Olli Dittrich
Am Ende des Jahres blickt Kulturjournalist Konstantin Pfau mit drei außergewöhnlichen Menschen (alle gespielt von Olli Dittrich) zurück auf die vergangenen Monate. 
© WDR/Beba Lindhorst/becground tv
"Selbstgespräche mit Konstantin Pfau" heißt Olli Dittrichs neuester TV-Streich - eine großartige Parodie auf das Experten-Gesülze im deutschen Fernsehen.
Von Kester Schlenz

Olli Dittrich liefert wieder einen TV-Höhepunkt zum Jahresende. "Selbstgespräche mit Konstantin Pfau" heißt seine neue TV-Sendung, die am 29. Dezember um 23.15 Uhr im Ersten zu sehen sein wird. Dittrich spielt darin der leicht überheblichen Edel-Talker Konstantin Pfau, der unter anderem den Bestseller "Hegel to go" geschrieben hat. Pfau lädt sich Gäste ins Studio, um im intensiven Zweier-Gespräch "im Halbdunkel" das vergangene Jahr zu würdigen.

Diese Gäste spielt Dittrich selbstverständlich alle selbst. Die Verwandlungen sind wieder erstaunlich. Man muss schon zweimal hingucken, um Dittrich zu erkennen. Und auch zweimal hinhören, denn Dittrichs Kernkompetenz ist natürlich die diskursive Mimikry, um es mal so richtig schön hochgestochen auszudrücken. Wie sich dieser Mann sprachlich verwandeln kann, ist einfach unerreicht. Da ist zum einen der libanesische Filmemacher Youseff Al Bustani, der das Bundesverdienstkreuz bekommen hat, weil er Til Schweiger in einer alten "Lindenstraße"-Folge auf Arabisch nachsynchronisiert hat und sich so um die deutsch-libanesische Freundschaft verdient gemacht hat.

Olli Dittrich tritt in Loriots Fußstapfen

Dittrich scheut sich hier nicht, auch den "integrierten Muslim" mit etwas eigenwilligem Deutsch durch den Kakao zu ziehen. Und das macht dieses TV-Stück so großartig: Wie sein großes Vorbild Loriot sucht und findet der Komiker das Komische im Alltag und parodiert es. Ohne Ansehen der Person sozusagen. Man darf über alles und jeden Witze machen, solange man fair bleibt. Und Dittrich bleibt fair. Er parodiert Stereotypen, aber er verletzt nicht.

Auch Konstantin Pfaus zweiten Gast kennen wir als Typus: Michael Trevor Pitchford steht für den nervigen Talkshow-Engländer, der vermeintlich Schlaues in halbgarem Deutsch von sich gibt. Pitchford, der auch bekennender Brexit-Exiter, ist, leidet an Morbus Auri, einer Krankheit, bei der die Betroffenen zwanghaft die gleiche Frisur wie Boris Johnson tragen müssen.

Letzter Gast von Pfau ist der deutsche Diplomat Jörn Philipp Echternach, der auch mal Kurzbotschafter in Ankara war. Echternach, ein knochentrockener Aparatschik, sülzt hervorragend um den heißen Brei herum ("Meine Auffassung ist Auffassungssache"). Dittrich ist hier nur eine Spur von der Polit-Talkshow-Realität entfernt. Aber diese kleine Dosis reicht, um großartigen, entlarvenden Witz zu erzeugen. Große Kunst eines großen Künstlers. Unbedingt ansehen.  

Die ARD zeigt "Selbstgespräche mit Konstantin Pfau" am 29.12. um 23.20 Uhr.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker