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"Weihnachten mit Trixie Dörfel": Trixie im Wunderland - Olli Dittrich als engelblonde Sängerin

Seit 2013 liefert Olli Dittrich grandiose Parodien auf das Frühstücksfernsehen, Talkrunden, Live-Reportagen und Personality-Formate. Im Finale seines TV-Zyklus bezaubert Dittrich als Sängerin Trixie Dörfel.

Olli Dittrich: Trailer "Trixie Wonderland-Weihnachten mit Trixie Dörfel"

Was für eine Frau! Blendend weiße Zähne, eine wallenden Mähne, makellose Haut. Bezaubernd das Lächeln. Ein Traum von Kleid am Leib: Trixie Dörfel. Seit 40 Jahren ist die Schauspielerin und Sängerin ("Zwei Kugeln Eis mit Sahne") im Geschäft. Kurz vor dem Fest präsentiert die Vollblut-Entertainerin nun im Ersten ihre Sendung "Weihnachten mit Trixie Dörfel", ein launiges "Infotainment-Format mit Adventscharakter", wie Dörfel es formuliert.

Die Grand Dame der seichten Unterhaltung gibt Essens- und Modetipps, präsentiert ihre Kosmetiklinie "TriXiebzehn" und stellt singend in besinnlichem Dekor ihr Weihnachtsalbum "Trixie Wonderland" vor. Man muss schon sehr genau hingucken, um zu erkennen, wer Trixie Dörfel wirklich ist: Olli Dittrich. Zum achten und vorläufig letzten Mal taucht der Komiker in eine der vielen Fernsehwelten ein und suhlt sich genüsslich in deren Stereotypen. "Weihnachten mit Trixie Dörfel" ist der vorläufige Abschluss von Dittrichs TV-Zyklus. Seit 2013 lieferte er grandiose Parodien, zog das Frühstücksfernsehen, Talkrunden, Live-Reportagen, Dokus, Tierfilme und Personality-Formate durch den Kakao. Nie krachledernd, immer dezent und stets sehr dicht an der Wirklichkeit.

Auch Trixie Dörfel ist keine Travestie-Nummer. Kein lustiger Mann in Frauenkleidern. Auch keine klassische Parodie, sondern ein Archetyp. Sozusagen die Blaupause der etwas abgetakelten Seriendarstellerin (2000 Folgen "Klinik-Paradies") , die nun als Volksmusikerin nochmal "angreift", wie Dittrich es formuliert. Trixie Dörfel existiert nicht, aber wir kennen den Typus. Und die nur leichte Verzerrung durch Dittrich macht ihn in all seinen Stereotypen trotzdem überdeutlich.

Olli Dittrich nimmt die Komik sehr ernst

So war das schon bei seinem TV-Reporter Sandro Zahlemann, einem Mann, der im Fernsehen stets viel sagt, auch wenn es nichts zu erzählen gibt. Das kennen wir alle. Gerade jetzt, wo dauernd Reporter vor Gebäuden stehen und umständlich erklären, dass dort drinnen Parteien miteinander reden, aber bisher nichts nach draußen drang. "Am schönsten ist es für mich", sagt Dittrich, "wenn ich höre, dass jemand beim Zappen in eines meiner TV-Formate reingeschaltet hat und eine gewisse Zeit dachte, das sei ernst gemeint."

Dittrich war begeistert, als er als Trixie Dörfel bei der Generalprobe einer Show mit Stefanie Hertel (der wirklichen!) auftrat und er später hörte, dass viele Leute in der Halle an einen echten Act geglaubt hatten und erstaunt fragten, ob man sich diese Dörfel merken müsse. All das gelingt nur, weil Dittrich und sein Team die Komik sehr, sehr ernst nehmen. Der Hamburger ist ein penibler Arbeiter. Monatelang bereitet er seine Sendungen mit einem eingespielten Team aus Autoren, Masken-, Kostümbildnern und Produzenten vor. Jede Geste, jedes Wort ist geplant, die Technik aufwändig. Stundenlang sitzt Dittrich in der Maske. Er will sich nicht verkleiden. Er will die Figuren sein, die er verkörpert. Beim Dreh ist es besser, ihn nicht als Olli anzusprechen. Darauf reagiert er oft nicht.

Ein Perfektionist bis an den Rand der Selbstgeißelung

Als der Komiker mal für seine Parodie aufs "Frühstücksfernsehen" die kernige CSU-Politikerin Ingrid Höffelhuber gab, die eine Kita aus Lärmschutzgründen unter die Erde verlagern wollte, ging Dittrich als eben diese sogar auf einen Hamburger Wochenmarkt. An den Ständen hielten ihn alle für eine freundliche, stämmige Bayerin. So was gefällt ihm sehr. Er ist dann ganz Frau.

Aber was später auf dem Schirm so locker und spielerisch aussieht, kann ziemlich anstrengend sein. Für Dittrich und das ganze Team. Der Komiker ist ein Perfektionist bis an den Rand der Selbstgeißelung. Alles bei seinen Projekten muss, wenn es irgend geht, so sein, wie Dittrich es sich vorgestellt hat. Drunter geht nichts. Bevor gedreht wird, wird endlos geprobt. So arbeitet er. Schludern ist ihn ein Gräuel. Ob diese "Schluderei" später überhaupt jemand bemerken würde, ist ihm egal.

Improvisieren kann er aber auch. Das zeigt seine Erfolgsfigur Dittsche, ein arbeitsloser Trinker im Bademantel, der in einem Imbiss absurde Theorien über die Welt ersinnt. Vielleicht braucht Dittrich Dittsche als eine Art Ausgleich zu seinem Perfektionismus. Dittsche wird live aus einem Hamburger Imbiss gesendet und Dittrich geht nur mit ein paar Stichworten in die Sendung, um dann umständlich zu erklären, dass Hillary Clinton und Donald Trump sich im US-Wahlkampf gegenseitig subtil zu verwirren versuchten. Trump mit Haaren aus Zuckerwatte, und Hillary mit ihrem roten Kleid und dem breiten, kalten Lachen. Sie habe mit Absicht wie Chucky, die Mörderpuppe ausgesehen, um Trump zu ängstigen.

"Da ginge noch eine Menge"

Dittsches bierselige, kryptische Assoziationen kommen Dittrich tatsächlich meist erst spontan im Kontakt mit Bademantel und Bierflasche. Er selber trinkt keinen Alkohol. "Ist besser so", sagt er. "Mein Hirn ist wirr genug. Ich muss es nicht noch mehr durcheinanderbringen." Wer Olli Dittrich begegnet, trifft einen eher stillen, nachdenklichen Menschen. Dittrich ist vieles, aber keine Rampensau. Das Bad in der Menge ist nicht seins. Er ist kein Schenkelklopfer, eher ein Schmunzler. Man muss nicht das Klischee des traurigen Clowns bemühen, aber Dittrich kennt die dunklen Seiten des Lebens. Wer seine Autobiographie gelesen hat, erfuhr von Lebenskrisen wie einer Angsterkrankung, die er aber lange hinter sich gelassen hat.

Heute, mit 61 Jahren, ist er beides: irgendwie angekommen, aber dennoch ständig unterwegs. Dittrich wirkt jünger als er ist. Altersmilde oder Pfeifenraucher-Abgeklärtheit findet man bei ihm nicht. Er ist immer noch hungrig. Mann könnte ihn auch einen Getriebenen nennen. Die Themen sind ja da und wollen bearbeitet werden. Immer und überall. Wenn nur mehr Zeit wäre. Wie sein großes Vorbild Loriot ist Dittrich ein akribischer Beobachter des ganz normalen Lebens um ihn herum. Die Komik im Alltag, das unfreiwillig Lustige: das ist sein Thema. Er ist schon begeistert, wenn bei einem Italiener die Pizza viel größer als der Teller ist und auf den Tisch hinab lappt. Man könne, schlägt er dann dem entgeisterten Kellner vor, doch den Teller auf die Pizza legen. Dann seien die gewohnten Proportionen gewahrt.

Ob und wie der TV-Zyklus weitergeht, darüber wird gerade verhandelt. "Wir haben", sagt Dittrich, "da ja einen schönen Kosmos erfunden, der wahre Welt behauptet. Mit Figuren, die mir ans Herz gewachsen sind. Da ginge noch eine Menge." Eines aber ist jetzt schon klar: Dittsches Zukunft ist gesichert. Ab April geht der angeschickerte Bademantel-Philosoph wieder auf Sendung.

Die ARD zeigt "Weihnachten mit Trixie Dörfel" am Donnerstag, 21. Dezember, um 22.55 Uhr.

Olli Dittrich: Trailer "Trixie Wonderland-Weihnachten mit Trixie Dörfel"